Professor feilt im Münzhof an der Technik der musikalischen Rohdiamanten

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 Ihm gefällt, was er hört: Professor Krzysztof Wegrzyn (rechts) probt mit Elisso Gogibedaschwili (Geige) und Natsumi Ohno (Klavi
Ihm gefällt, was er hört: Professor Krzysztof Wegrzyn (rechts) probt mit Elisso Gogibedaschwili (Geige) und Natsumi Ohno (Klavier). (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Der öffentliche Meisterkurs, Kernstück des Internationalen Violinfestivals, findet zum ersten Mal im Langenargener Münzhof statt. In einem kleinen Gespräch vor dem Unterricht am Montag erzählte Dozent Krzysztof Wegrzyn, warum er seit 2010 im zweijährigen Turnus gerne an den Bodensee kommt.

Zunächst einmal betonte der Professor einer weit bekannten Violinklasse an der Hochschule für Musik Hannover, dass in der Person des Organisators Peter Vogel die Anforderungen bis ins kleinste Detail erfüllt werden. „Das, was hier im Umfeld angeboten wird, ist erste Klasse“, lobt er. Die Aussicht, später einmal als Solist eingeladen zu werden, führt bei den Kursteilnehmern zu besonderer Motivation, auffallend gut zu sein. Den Unterschied zum „Normalbetrieb“ an der Hochschule fasst Wegrzyn so zusammen: „Hier haben wir Zeit nur für die Sache.“ Neben dem Vergleich mit anderen Kursteilnehmern ist der Unterricht vor Publikum eine besondere Herausforderung. Am Ende eines Meisterskurses können die Teilnehmer in einer Art Selbstreflexion ihren eingeschlagenen künstlerischen Weg kritisch überprüfen. Ausgangspunkt für den selbst mehrfachen Preisträger renommierter Wettbewerbe ist der Klang. „Man kann mit der linken Hand bis zum Umfallen schwierige Läufe üben, ohne entsprechende Bogentechnik entsteht kein guter Ton.“

Von den insgesamt 14 Kursteilnehmern stand Cosima Soulez Larivière als Erste an diesem Nachmittag auf der Bühne. In Vorbereitung eines anstehenden Konzerts in Salzburg mit der Philharmonie Salzburg präsentierte die französisch- niederländische Geigerin den ersten Satz des Violinkonzerts von Felix Mendelssohn Bartholdy. Nach einem ersten Durchlauf, hervorragend von Natsumi Ohno am Klavier gestützt, begann Wegrzyn, seine Hilfestellungen und Anregungen zu geben. Sehr einfühlsam wollte er die extrem sensible Solistin etwas mehr erden, die Nervosität herausnehmen, um in den Stellen ohne Orchester mehr Ruhe und Gelassenheit zu verströmen. Auch die Feinarbeit an Bogentechnik, Tempo oder Intonation kam nicht zu kurz. „Da wir uns schon lange kennen, weiß mein Professor genau, an welchen Stellen ich noch arbeiten muss, um besser zu werden“ sagte 24-jährige Studentin nach dem Unterricht.

Ein Rohdiamant ist die im Jahr 2000 in Vorarlberg geborene Elisso Gogibedaschwili, die sich mit dem Violinkonzert von Ludwig van Beethoven den Ohren des aufmerksamen Publikums stellte. Die Korrekturen des Dozenten bei Phrasierung, Körperhaltung oder Vibrato, nun selbst auf der Bühne stehend und zur Unterstützung mitspielend, setzt die Studentin der Musikhochschule Karlsruhe sofort um. Auch die Verbesserung der Klangqualität und Klarheit stand im Mittelpunkt der Unterrichtsstunde.

Zurücklehnen und genießen konnte man die Interpretation „Introduktion und Rondo Capriccioso“ von Camille Saint-Sains durch den hochbegabten Chinesen Quingzhu Weng. Aber ein paar „Kleinigkeiten um das super zu machen“ gab ihm sein Professor, er ist seit 2014 an der Musikhochschule Hannover, doch noch mit auf den Weg. „Ich fühle mich sehr wohl in Langenargen und nütze die Zeit im schönen Hotel wo man sogar üben darf, um mich auf einen Wettbewerb in Frankreich vorzubereiten“ sagte der Geiger.

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