Nicht alle Veränderungen haben ihre Ursache im Klima

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 Michael Hupfer vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin und Frauke Lüdecke vom Institut.
Michael Hupfer vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin und Frauke Lüdecke vom Institut. (Foto: sig)

„Seen im Klimawandel: Welche neuen Herausforderungen ergeben sich für das Gewässermanagement“? Diese Frage hat in der Kolloquiumsreihe des Instituts für Seenforschung Michael Hupfer vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin versucht, zu beantworten. Wobei er beim Blick aus dem Fenster schlechte Karten zu haben schien. Schneefall und Klimaerwärmung passen nicht so zusammen.

Und doch: Die Zahlen sprechen für sich. 2014 und 2015 waren die wärmsten Jahre seit den Wetteraufzeichnungen im Jahr 1880. Acht von zehn wärmsten Jahren gab es seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Den stärksten Anstieg gab es zwischen 1970 und 2000 und – Jahr für Jahr wird’s wärmer. Was mittlerweile auch Klima-Skeptiker einräumen. Hauptsächlich dafür verantwortlich ist eine steigende CO2-Konzentration, die eine Parallelität zur Temperatur entwickelt. Ein Ende ist nicht abzusehen, im Gegenteil: Hupfer prognostizierte einen weiteren Anstieg. Die mittlere globale Temperatur könne bis zum Ende des Jahrhunderts um ein bis fünf Grad wachsen, zeigte er auf.

Der Berliner Wissenschaftler, stellvertretender Leiter der Abteilung Biogeochemie am Leibnitz-Institut, hatte auf der Rückreise aus Italien einen Stopp in Langenargen eingelegt und vor allem Mitarbeiter des Instituts unter den Zuhörern gefesselt. Er bestätigte, dass selbst das arktische Meereis im vergangenen Jahr geschrumpft ist und seit 1950 die Alpengletscher um die 50 Prozent ihres Volumens verloren haben. Dürre bedroht heute Kalifornien, wo nahe Sacramento Staudämme nur noch halb gefüllt sind.

Der Wissenschaftler streifte die Aussichten für die Seeökosysteme und sieht für die Seen in und um Berlin Temperatur-Verschiebungen vergleichbar denen in Italien. Die Klimafaktoren wirkten sich auf Gewässer wie auf die Einzugsgebiete aus. Allerdings müssten die einwirkenden Klimafaktoren von anderen Veränderungen getrennt werden. Denn: Nicht alle Veränderungen in Gewässern seien dem beginnenden Klimawandel zuzuschreiben. Sinkende Wasserstände etwa hätten auch andere Gründe (Bergbau, Talsperren, Kohlenstoffzufuhr). So wirke der Einfluss künstlicher Gewässer wie Talsperren auf das Klima und sei nicht klimaneutral, setze vielmehr CO2 und Methan frei. Die größte Erwärmung in Gewässern – die die Eutrophierung fördert – liege in mittleren und höheren Breitengraden. Die Verdunstung in der Seeoberfläche nehme auch durch zu geringeren Abfluss und Phosphor zu.

Auf die einzelnen Fischarten wirkten sich die Temperatureffekte unterschiedlich aus. Durch die Klimaerwärmung nehme auch die Sauerstoffknappheit zu. Die extreme Belastung der Seen könne unter anderem durch eine entsprechende Bewirtschaftung (Düngung) im Einzugsgebiet verringert werden. Für den Fischertrags-Rückgang und die Sorgen der Berufsfischer am Bodensee habe auch er keine Lösung.

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