Museum verliert seine profilierte Leiterin

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Mit herzlichen Worten würdigt Museumsleiterin Angela Heilmann im Jahr 2016 die Verdienste des verstorbenen Museumsgründers und
Mit herzlichen Worten würdigt Museumsleiterin Angela Heilmann im Jahr 2016 die Verdienste des verstorbenen Museumsgründers und Vorgängers Eduard Hindelang. (Foto: hv)
Helmut Voith

Die Domes-Ausstellung hat sie Ende April noch eröffnet, zuletzt ist es dann doch sehr schnell gegangen: Angela Heilmann ist 71-jährig ihrer schweren Krankheit erlegen. Nur ein kleiner Kreis der Mitarbeiter des Museums Langenargen wusste von der unheilbaren Erkrankung der ehrenamtlichen Leiterin.

Im Ruhestand hatte die langjährige Chefin des Lindauer Kulturamts die Leitung des Langenargener Museums übernommen. Es war ihr eine Herzensangelegenheit, denn schon während ihres Studiums war sie auf den Maler Hans Purrmann gestoßen, der im Langenargener Museum einen wichtigen Platz einnimmt. Damals entstand auch der Kontakt zu Eduard Hindelang, der dieses außergewöhnliche Museum aufgebaut hat und in Angela Heilmann schon lange seine ideale Nachfolgerin sah. Beide waren von Purrmann begeistert, beide hatten intensiven Kontakt zu den Nachkommen des expressionistischen Malers, der in Speyer geboren wurde, aber in Langenargen begraben liegt. Viele Jahre schon begleitete die ausgewiesene Purrmann-Kennerin die Langenargener Museumsfamilie, ehe sie 2012 selbst die Leitung übernahm.

Professor Eduard Hindelang war durchaus extrovertiert, beispielsweise bei der jährlichen Museumseröffnung im überfüllten Schloss Montfort, wenn er jedem das Gefühl vermittelte, dass er gerade auf ihn oder sie gewartet hatte. Entsprechend liebevoll mit schönem Blumenschmuck war auch das Museum im alten Pfarrhof eingerichtet. Als der 88-jährige Museumsleiter aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, sagte Angela Heilmann: „Es ist keine leichte Aufgabe, in die Fußstapfen Eduard Hindelangs zu treten, aber ich werde mir Mühe geben und versuchen, das Haus mit seinem eigenen Charme zu bewahren.“

Doch die promovierte Wissenschaftlerin Angela Heilmann war anders – in sich gekehrter. Kurz vor einer Ausstellung war schwer, an sie heranzukommen, da sie mit akribischer Genauigkeit immer noch etwas zu ordnen, zu ergänzen hatte, und man staunte, aus welch reichem Hintergrundwissen sie schöpfte.

Sie hatte lange und intensiv studiert, Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaften. Sie liebte Italien, die Kunst war ihr Leben, Kenntnisse der Literatur und Musik ergänzten das Spektrum. So sah Angela Heilmann den bildenden Künstler, den sie vorstellte, nie isoliert, sondern im Kontext seiner Zeit. Deshalb bot sie in Einführungen und Eröffnungsreden oder auch nur in Grußworten immer ein Ganzes, Umfassendes. Nach der Hektik vor der Eröffnung begann der Einstieg ins Abenteuer. Nur fünf Jahre waren ihr vergönnt, das Lebenswerk Eduard Hindelangs weiterzuführen. Jahre mit erfolgreichen Ausstellungen, man denke an die Aquarelle von Hermann Hesse (2013) oder an die Graphiken aus der Sammlung Purrmann (2016), man darf hoffen, dass das Langenargener Museum einen guten Weg in die Zukunft findet.

Angela Heilmann war auch sonst gefragt. In Tettnang hat sie „Spectrum Kultur“ bei der Programmgestaltung in Sachen klassischer Musik beraten. Tettnang profitierte hier von ihrem reichen musikalischen Wissen und von ihren Verbindungen aus der Zeit als Lindauer Kulturamtsleiterin und bekam dank ihrer Hilfe exquisite Ensembles für seine Schlosskonzerte im Rittersaal vermittelt. Schade, dass die Zeit dafür so schnell endete.

Die Bodenseeregion wird diese umfassend gebildete, tatkräftige Wissenschaftlerin vermissen, die mehr im Hintergrund wirkte und sich selbst zugunsten der Kunst zurückstellte.

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