Lieder von heimlicher und erfüllter Liebe

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Die Sopranistin Alexandra Steiner und der Pianist Sascha El Mouissi ziehen die Besucher des Schlosskonzert in ihren Bann.
Die Sopranistin Alexandra Steiner und der Pianist Sascha El Mouissi ziehen die Besucher des Schlosskonzert in ihren Bann. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Erstmals hat Peter Vogel am Donnerstagabend gewagt, im Rahmen der Langenargener Schlosskonzerte einen romantischen Liederabend anzubieten, doch im Gegensatz zum gewohnten Bild war der Konzertsaal nur mäßig besetzt. Wer aber gekommen ist, hat ein exquisites Konzert vor frühlingshafter Kulisse erleben dürfen.

Bei einem Konzert in München hat Peter Vogel die aus Augsburg stammende Sopranistin Alexandra Steiner entdeckt, die seit letztem Jahr dem Ensemble der Wiener Staatsoper angehört. Mit der Adele aus der Fledermaus hat sie dort debütiert, nachdem sie ein Jahr zuvor ihren ersten Auftritt bei den Bayreuther Festspielen hatte. Gleich der Beginn mit Franz Schuberts Ariette „Liebe schwärmt auf allen Wegen“ mit einem Text von Goethe verriet einen hellen, klaren, kultivierten Sopran. Man spürte das Volumen, das sie jedoch geschmeidig dem Raum anpasste. Ausdrucksvoll war ihre Stimme, ob in sehnsuchtsvollen lyrischen oder in dramatischen Passagen, und der in Frankfurt geborene Sascha El Mouissi, der auch schon bei der Schubertiade gastiert hat, war ihr ein sensibler Begleiter am Klavier, der die Stimmungen mittrug, die Lieder lautlos mitsang.

Lyrisch und schelmisch

„Heimliches und Lieben“ hatte das Duo den Abend überschrieben, der mit Franz Schubert begann. Lyrisch und schelmisch waren die Lieder, die die Liebe beschworen, eine heimliche Liebe zumeist, selig ausgekostet. Melancholischer war der zweite Teil mit Liedern von Gabriel Fauré. In schönem, akzentfreiem Französisch gesungen, verrieten sie die Melancholie des Abschieds, der verlorenen Liebe, die in „Après un rêve“ ein Traum vorgegaukelt hatte, oder die unbestimmte Melancholie in Paul Verlaines berühmtem Gedicht „Il pleure dans mon coeur comme il pleut sur la ville“ (Es weint in meinem Herzen, wie es über die Stadt regnet). Nicht ganz so ernst zu nehmen war Victor Hugos mit lebhafter Mimik vorgetragene Klage der armen Blume, die an den Boden gefesselt ist, während ihr geliebter Schmetterling munter durch die Lüfte fliegt: „Je reste, tu t’en vas“ (Ich bleibe, du gehst davon) heißt es in „Le papillon et la fleur“.

Wunderbar atmosphärisch und sinnlich waren die drei frühen Lieder des Amerikaners George Crumb, die die Sängerin gefühlvoll auskostete. Mit Liedern von Richard Strauss ging der Reigen zu Ende, Liedern, die mit Anklängen an „Arabella“ und den „Rosenkavalier“ zu seinen Opern führten. Für seine Frau Pauline als „Morgengabe“ zur Hochzeit hat der Komponist das berühmte Lied „Morgen!“ geschrieben, das die Erregung ebenso verrät wie „Das Rosenband“ oder „Ich schwebe“. Überschwänglich, voller Euphorie hat der Romantiker die Liebe besungen, die die Sängerin in den Saal trug. Von den Schauern der Nacht träumte noch das „Ständchen“, das sie den Zuhörern als Zugabe schenkte. Von Seligkeit und Freuden ohne Zahl sang sie zum Abschied mit Schubert.

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