Langenargen geht den Friedhof behutsam an

Lesedauer: 6 Min
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

Schiefe Gräber zwischen denen immer mehr Lücken klaffen, eine offene Aussegnungshalle, die bei entsprechendem Wetter kaum Schutz bietet, von Barrierefreiheit keine Spur: Der Friedhof in Langenargen ist nicht mehr zeitgemäß. Deshalb macht sich die Gemeinde jetzt daran, die Anlage langfristig und möglichst sensibel zu modernisieren. Ein erster Schritt: In einer Bürgerinformation am Montagabend waren die Langenargener gefragt.

Die Ausgangslage: „Eigentlich sind mittlerweile alle Friedhöfe überdimensioniert“, erklärt Bürgermeister Achim Krafft den etwa 80 Gästen der Bürgerinformation. Eine beachtliche Zahl, die zeigt, wie wichtig das Thema den Langenargenern ist. Auch wenn unter ihnen einige Gemeinderäte, Gärtner, Steinmetze oder Bestattungsunternehmer sind, denen schon allein von Amts wegen die Zukunft der Anlage am Herzen liegt. Als Grund für den Flächenüberschuss nennt der Bürgermeister: „elementare Veränderungen in der Bestattungskultur“.

Soll heißen: Während es vor Jahren fast ausschließlich Beerdigungen gab, entscheiden sich heutzutage immer mehr Menschen für eine Urnenbestattung. Trotzdem wird die Anlage in ihrer heutigen Größe erhalten bleiben, versichert Achim Krafft. Die Frage sei, wie der Friedhof modernisiert werden kann.

Der Plan: Der Gemeinderat hat im April entschieden, vom Planungsbüro 365° Freiraum + Umwelt aus Überlingen ein Entwicklungskonzept erstellen zu lassen. Kosten: 12000 Euro. Ein weiterer Beschluss: eine öffentliche Begehung mit den Planern zu organisieren, bei der die Langenargener Ideen einbringen und Fragen stellen können. Die Umsetzung erfolgt am Montagabend: „Wir sind dabei, die Grundlagen zu erheben“, sagt Christian Seng vom Planungsbüro. Ein Baustein sei, die Ruhezeiten für die Gräber zu katalogisieren. Denn bei aller Modernisierung: Es soll keine Umbettungen geben.

Die Anregungen: „Menschen mit Rollatoren oder im Rollstuhl kommen auf dem Schotterbelag zum Teil nicht vorwärts, bleiben stecken“, merkt zum Beispiel Detlev Dekkers aus Langenargen an. Ein Punkt, der Planer und Bürgermeister bereits bewusst ist. „Wir werden uns den Herausforderungen stellen müssen, die das Thema Barrierefreiheit für uns bereit hält“, sagt Achim Krafft. Dazu gehört unter anderem auch der Haupteingang zum alten Friedhof, der aus einer Treppe besteht.

Für Jürgen Strobel würde es sich anbieten, ein Rasengräberfeld einzurichten, „als Alternative für Leute, die lange Ruhezeiten oder die Grabpflege scheuen“. Kaum Handlungsbedarf sieht der Langenargener in einem anderen Bereich: „Der alte Friedhof hat einen besonderen Charme, hier ist nicht alles so eng und vor allem die Bäume sind ein Schatz.“ Christian Seng stimmt zu, auch wenn die historische Mauer sanierungsbedürftig sei. Eine Vision des Planers: Ein Teil des alten Friedhofs könnte in 30 Jahren zu einer Grünanlage entwickelt worden sein, in der sich Besucher zur Einkehr zurückziehen.

Der katholische Pfarrer Ulrich Steck spricht sich für einen Witterungsschutz in Form von „verschiebbaren Glastüren“ in der Aussegnungshalle aus. Diese ist dem Bürgermeister zufolge in einer Zeit offen gestaltet worden, als Beerdigungszeremonien kaum außerhalb der Kirche stattfanden.

Ein Reizthema, das gleich mehrere Langenargener ansprechen: die Hecken zwischen den Grabreihen auf dem neuen Friedhof und um einen Teil des Mittelbereichs herum, die zuletzt radikal beschnitten worden waren. Aussagen, wie „Störung der Totenruhe“, entgegnet Achim Krafft unter anderem, dass vier bis fünf Meter hohe Hecken sehr schwer zu pflegen seien. Zudem gelte es, die Pflanzen immer wieder auf den Stock zurückzusetzen, „damit sie frisch ausschlagen können“. Sein Fazit: Art und Anordnung der Bepflanzung werden bei der Modernisierung ebenfalls berücksichtigt.

So geht’s weiter: Die Gemeinde stellt die Ergebnisse der Begehung, die das Planungsbüro zusammenfasst, auf ihre Internetseite www.langenargen.de. Langenargener haben weiterhin die Möglichkeit, sich zur Entwicklung des Friedhofs zu äußern, die laut Bürgermeister Jahrzehnte dauern wird. Daraus soll sich ein Stimmungsbild ergeben, das bei den weiteren Entscheidungen berücksichtigt wird. Planer Christian Seng macht am Montagabend aber auch deutlich: „Das entscheidende Gremium ist der Gemeinderat.“

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen