Kriminalität: Langenargen kann entspannt schlafen

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 Sicherheit geht vor: In Langenargen scheint die Welt noch einigermaßen in Ordnung.
Sicherheit geht vor: In Langenargen scheint die Welt noch einigermaßen in Ordnung. (Foto: Tanja Poimer)
stellv. Regionalleiterin

Einbruch, Fahrraddiebstahl, Überfall: Auch Langenargen bleibt nicht verschont. Bei einer Gesamtzahl von 270 Delikten im Jahr 2017 ist die Situation jedoch recht entspannt. Nicht umsonst kam Polizeipostenleiter Rainer Beuron in seinem Bericht zur Sicherheitslage zu dem Schluss: „Sie können in Langenargen noch relativ ruhig schlafen.“ Tragisch: Zwei Menschen sind bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. In Kressbronn starben drei.

Unfälle mit Toten seien für alle Beteiligten schlimm, auch für die Kollegen von der Polizei: „Das geht an die Substanz“, betonte Rainer Beron, als er jüngst dem Gemeinderat seinen Bericht vortrug. Vier dieser traurigen Einsätze gab es 2017 im Bereich des Polizeipostens, der auch für Kressbronn und Eriskirch zuständig ist. Einen davon in Langenargen: Ein 81-Jähriger war Ende des Jahres auf der B 31 in Richtung Lindau unterwegs, geriet auf der Höhe Abfahrt Oberdorf in den Gegenverkehr und stieß frontal mit dem Auto eines 56-Jährigen zusammen. Beide Männer kamen ums Leben.

Anfang Februar fuhr ein Betrunkener einen 84-Jährigen an, der die Kressbronner Kirchstraße überqueren wollte. Der Mann starb. Im April verlor ein 17-Jähriger beim Abbiegen an einer Einmündung in Kressbronn die Kontrolle über sein Motorrad, stürzte und stieß mit dem Kopf gegen ein Auto, das in dem Moment angefahren kam. Der Jugendliche erlag seinen Verletzungen. Im Mai gelangte eine 65-Jährige auf der Bundesstraße bei Kressbronn auf die Gegenfahrbahn, streifte dort ein Auto und prallte frontal in das Motorrad eines 51-Jährigen, der am Unfallort starb.

„Dreckspatzige“ Überfälle

Insgesamt lag die Zahl der Unfälle Rainer Beron zufolge im Bereich seines Polizeipostens bei 479 – davon krachte es 228 mal in Kressbronn, 155 mal in Langenargen und 96 mal in Eriskirch. Eine Gefahr stellten Radler dar, „die meinen, Narrenfreiheit zu haben und die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten sei eine Gerade“, machte der Postenchef klar. Sein Appell: Schon Kinder sollten die Regeln der Straßenverkehrsordnung kennen. Denn Radfahrer, die stürzen, würden sich in der Regel auch verletzen. E-Bikes erhöhten das Risiko noch, wobei nicht einmal die Geschwindigkeit das Problem sei, sondern die Bremstechnik.

Was die Anzahl der Straftaten angeht, sieht die Statistik für das Jahr 2017 folgendermaßen aus: 208 in Eriskirch, 270 in Langenargen und 356 in Kressbronn, macht 834 insgesamt (2016 waren es 809). Zum Vergleich: Das Polizeirevier Friedrichshafen zählte 5979. Langenargener Beispiele: Ein 17-Jähriger überfiel zwei ältere Damen und riss ihnen jeweils die Handtasche vom Rollator. Der Kommentar des Polizeipostenleiters: „Das ist dreckspatzig.“ In zwei Fällen schlug ein Exhibitionist zu, ein Mann begrapschte nach dem Uferfest Frauen. 44 mal musste die Polizei wegen schweren Diebstahls ermitteln, 34 mal im Fall von Betrugs- und Vermögensdelikten. Im Bezug auf Letzteres „macht uns das Internet zu schaffen“, sagte Rainer Beron. Seine Warnung: „Es hat keiner was zu verschenken.“ Weder sollten Bankdaten, noch eine Kopie des Personalausweises an unbekannte Personen weitergegeben werden. Im Zweifelsfall könne ein Anruf bei der Polizei helfen.

Mehr Tatverdächtige in Langenargen

Die Zahl der Tatverdächtigen stieg in Langenargen von 112 im Jahr 2016 auf 134 – 105 Männer und 29 Frauen. Zur Herkunft äußerte sich der Polizist ebenfalls, auch wenn er damit „vermintes Terrain“ betrete. 105 der Verdächtigen und damit 78,4 Prozent seien Deutsche, 29 stammten aus dem Ausland, bei sieben handle es sich um Asylbewerber.

Ein amüsanter Fall: Im Sommer bewarfen Mofafahrer mehrfach in Langenargen und Eriskirch Passanten mit Eiern. Dabei hielt der Beifahrer das Kennzeichen zu. Die Polizei kam den Eierwerfern trotzdem auf die Spur, weil ein Mann das Mofaschild fotografieren konnte. Eines Morgens standen Beamte mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür. Noch rechtzeitig, denn wenig später fuhr die Familie in Urlaub. Rainer Beron: „Die Früchtchen hatten ihre Helme schon umlackiert, waren aber geständig. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft.“

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