Klavierquartett begeistert beim ersten Auftritt in Langenargen

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Beispielhafter Abend für erfrischendes Quartettspiel: Geiger Andrej Bielow, Bratschistin Naoko Shimizu, Cellist Alexey Stadler u
Beispielhafter Abend für erfrischendes Quartettspiel: Geiger Andrej Bielow, Bratschistin Naoko Shimizu, Cellist Alexey Stadler und Pianist Özgür Aydin spielen im Schloss Montfort auf. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Obwohl ein reichhaltiges Repertoire für Klavierquartette vorhanden ist, sind feste Ensembles im Gegensatz zu Klaviertrios und Streichquartetten eher die Ausnahme. Peter Vogel gelang es, im Juli 2017 den Geiger Andrej Bielow, die Bratschistin Naoko Shimizu, den Cellisten Alexey Stadler und den Pianisten Özgür Aydin für einen gemeinsamen Kammermusikabend beim Konstanzer Musikfestival zu gewinnen. Der überwältigende Erfolg von Konstanz wiederholte sich nun bei den Schlosskonzerten in Langenargen.

Mit zwei Kostbarkeiten der Romantik gelang den als Solisten bestens bekannten Künstlern ein beispielhafter Abend in perfektem, erfrischendem Quartettspiel. Schon in der Einleitung zum Klavierquartett Es-Dur von Robert Schumann entstand mit dem feinen dreistimmigen Streichersatz über zarten Oktaven im Klavier eine träumerische Atmosphäre. Der Kontrast zwischen dem kraftvoll drängenden Charakter des ersten Themas und des zweiten, episodisch geprägten, war deutlich herausgearbeitet.

Nach einer spannenden Verarbeitung mit variantenreicher Spieltechnik führte eine lange Steigerung zum prächtigen Fortissimo-Höhepunkt des ersten Satzes. In einheitlichem Staccato und rasantem Tempo „Molto vivace“ begann der zweite Satz wie ein Perpetuum mobile mit auf- und ablaufenden Achteln in allen Instrumenten. Wunderschön eingebunden waren die Trioteile. Einmal gesanglich ausmusiziert, beim zweiten Trio zaghaft, mit geheimnisvoller Zurücknahme. In sattem Ton, mit großem Bogen gestaltete Stadler eines der schönsten Cellothemen zu Beginn des Andantes. Zusammen mit Violine und Bratsche entstand in den folgenden Variationen im solistischen Wechsel und verschiedenen Kombinationen ein farbenreiches, ausgefeiltes Klangbild. Wobei Aydin mit seinem dem Ensemble verpflichteten, nachspürenden Anschlag am Klavier den schwerelosen Satz trug. Markante Fugeneinsätze, ein lyrischer Ruhepunkt in der Mitte und eine virtuose Coda, getragen von vitaler Spiellaune, erlebte das Publikum im mitreißenden Finalsatz.

Die Interpretation des ersten Klavierquartetts g-Moll von Johannes Brahms nach der Pause war ein im Gedächtnis bleibendes Hörerlebnis. In großer Spannung stand das düstere Kopfthema mit seinen Abkömmlingen den lyrischen Themen gegenüber. Angeführt von der Violine stieg emphatischer, nach innen gerichteter Streichergesang über pochenden Achteln im zweiten Satz auf. In der hohen Kunst des Legato-Spiels traten Bielow und Shimizu mit ihren Soli auf Violine und Bratsche im Andante hervor. Im Zusammenspiel entstand ein triumphaler Höhepunkt mit orchestraler Fülle.

Höllenritt zum Schluss

Wie schon bei Schumann widerstand Aydin der Versuchung, die Streicher mit seinem Klavierpart zuzudecken. Im Finale „Rondo alla Zingarese“ explodierten die ungarischen Themen mit konzentrierter Kraft. In faszinierender, einheitlicher Artikulation bestach das Rondothema. Angefeuert von „Primas“ Bielow mit verzierten, schmachtenden Melodien, Cymbalklängen auf dem Klavier mündete der Höllenritt im „Molto Presto“ in dem rasend schnellen Csárdás-Schlussteil.

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