Kammermusiker der Spitzenklasse in Langenargen

Schwäbische Zeitung

Der vierte Konzertabend der Jubiläumssaison der Langenargener Schlosskonzerte präsentiert am Freitag, 2. Juli, das Genre Klaviertrio. In dem Geiger Ulf Schneider, dem Cellisten Leonid Gorokhov und dem Pianisten Roland Krüger fanden sich drei Solisten der Extraklasse, um ihre Begeisterung für die Kammermusik auszuleben, wie es in einer Pressemitteilung des Veranstalters Birdmusic heißt. Alle drei sind als Professoren an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover tätig und gehören weltweit zu den führenden Vertretern ihres Fachs. Sie sind am Freitag um 18.30 Uhr und 20.30 Uhr mit Werken von Beethoven und Mendelssohn zu erleben.

Der ursprünglich für den Kammermusikabend angekündigte Geiger Krzysztof Wegrzyn sei leider unpässlich, teilt Birdmusic weiter mit. An seiner Stelle wird sein Kollege Ulf Schneider den Violinpart im Klaviertrio übernehmen. Er ist unter anderem Mitbegründer des Trios Jean-Paul, mit dem er bei den Kammermusikwettbewerben in Osaka und Melbourne sowie beim Deutschen Musikwettbewerb in Bonn jeweils mit ersten Preisen und zahlreichen Sonderpreisen ausgezeichnet wurde. Als Solist trat er unter anderem mit dem Beethoven Orchester Bonn, dem WDR-Symphonieorchester, der Radiophilharmonie Hannover, dem Tonhalle Orchester Zürich und dem Tucson Symphony Orchestra auf.

Leonid Gorokhov ist der einzige russische Cellist, der den Grand Prix sowie den ersten Preis beim Concours de Genève (1986) gewann. Seit seinem Debut 1991 als Solist mit dem philharmonischen Orchester St. Petersburg, dirigiert von Lord Yehudi Menuhin, gab er weltweit Konzerte mit renommierten Orchestern wie dem Royal Philharmonic English Symphony Orchestra, dem Enescu Philharmonieorchester in Bukarest oder der Sinfonia Varsovia. 1995 erhielt er den Cultural Achievement Prize der European Association for Encouragement of the Arts. Pianist Roland Krüger erhielt unter anderem den 1. Preis sowie den Publikumspreis beim Concours de Genève im Jahre 2001. Er konzertierte als Solist in Europa, Asien und den USA mit bedeutenden Orchestern wie dem Orchestre de la Suisse Romande, dem Orchestre National de Belgique und dem Basler Sinfonie-Orchester.

Das Programm beginnt mit dem Klaviertrio in D-Dur op. 70/1 von Ludwig van Beethoven, das er der Gräfin Marie Erdödy widmete. Es wurde gemeinsam mit seinem Schwesterwerk im Winter 1808/1809 im Hause der Gräfin uraufgeführt und stieß auf helle Begeisterung. Den populären Beinamen „Geistertrio“, verdankt das Trio dem langsamen Mittelsatz und einer Bemerkung des Beethoven-Schülers Carl Czerny: „Der Character dieses sehr langsam vorzutragenden Largo ist geisterhaft schauerlich, gleich einer Erscheinung aus der Unterwelt.“ Es folgt das zweite Klaviertrio von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Es trägt die Opuszahl 66 und ist in der Tonart c-moll gehalten. Es entstand im Frühjahr 1845 in Frankfurt. Vier Tage vor Weihnachten desselben Jahres brachte es der Komponist schließlich im Leipziger Gewandhaus zur Uraufführung. Mit typischem Understatement meinte er, es sei für den Pianisten „ein bißchen eklig“ zu spielen, wovon die halsbrecherischen Passagen in den schnellen Sätzen deutlich zeugen. Die Musik scheut sich nicht vor pathetischen Höhepunkten und dem langen Atem großer „Durchbrüche“ in der Entwicklung der Themen. Unmissverständlich kündigt sich hier die Spätromantik an, auch in der Harmonik, die Klischees vermeidet und nach neuen Wegen sucht.

Aufgrund der Corona-Pandemie finden die Veranstaltungen bis auf Weiteres im Langenargener Münzhof statt. Die Musikabende ohne Pause dauern jeweils etwa 60 Minuten. Es gelten die aktuellen Hygiene- und Abstandsregelungen.

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