Junge Geigenvirtuosin lässt das Publikum staunen

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Junge Geigenvirtuosin lässt das Publikum staunen
Junge Geigenvirtuosin lässt das Publikum staunen (Foto: Christel Voith)
Christel Voith

War es das drohende Gewitter, das sich vor Konzertbeginn mit aller Macht entlud, oder der unbekannte Name – jedenfalls hat das zweite Langenargener Schlosskonzert am Freitagabend deutlich weniger Zuhörer angezogen als üblich – sehr schade für die junge Geigerin und den Pianisten, die einen phänomenalen Abend bescherten.

Erst 21 ist die französische-niederländische Geigerin Cosima Soulez Larivière, doch welche intellektuelle Kraft und welche Emotion prägt ihr Spiel. Beim Violinfestival junger Meister hat sie an Ostern mit Beethovens Violinkonzert Begeisterungsstürme geerntet, jetzt hat Vogel sie zum abendfüllenden Konzert eingeladen, zugleich war es das erste Zusammenspiel mit Roland Krüger – auch er vor Jahren ein Schützling Peter Vogels und heute Professor an der Musikhochschule Hannover, wo die Geigerin in der Violinklasse von Professor Krzysztof Wegrzyn studiert.

Markanter Einstieg mit Johann Sebastian Bach

Die junge Musikerin hat Stil. Ganz Dame ist sie in ihrem schmalen Abendkleid, mit ihrem scharf geschnittenen Profil, ihren feinen Zügen. Alles stimmt zusammen mit ihrem makellosen Spiel, ihrem Durchdringen der Werke. Markant ist ihr Einstieg mit Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 in einer kongenialen Übertragung des Orgelstücks für Violine solo. Scharf gemeißelt steht der Ton im Raum, klar arbeitet die Geigerin das kontrapunktische Spiel heraus, mit unbändiger Kraft drängt sie voran.

Einen neuen Ton schlägt sie an mit Beethovens Violinsonate Nr.6 A-Dur op. 30 Nr. 1. Weich und nachdenklich, in geschmeidigem Dialog mit dem Pianisten, der ihr ein sensibler Partner ist, kommt der erste Satz, Energie paart sich mit Sanftheit. Liedhaft und poetisch folgt der zweite, Gedanken kommen und verwehen leise. Ein tänzerisches Motiv wird im Allegretto bis zur Schärfe variiert, rasant ist das Finale.

Wieder neu zeigt sich die Geigerin in Eugène Ysaÿes „Poème élégiaque“ d-Moll op. 12. In großer Ruhe bringt sie die Melancholie, die Trauer herüber. Weich und empfindsam klingt die Geige, wie eine Bratsche. Helle Gedanken fließen ein, dann scheinen wieder Gefühle den Komponisten und seine Interpreten zu überwältigen, auf dramatischen Aufschrei folgt tonlose Klage, Aufschäumen und Beruhigung – die Zeit scheint stillzustehen. Da applaudiert auch der Professor.

Noch einmal reißt Cosima Soulez Larivière mit, im Dialog mit dem Pianisten, mit Karol Szymanowskis Violinsonate d-Moll op. 9. Wild und zart zugleich ist der farben- und kontrastreiche erste Satz, Sanftmut und Aufruhr changieren. Die ganze Wärme und Seele des Flügels kommt in Krügers Spiel zum Tragen, der das Andantino einleitet, ungemein schön verschmelzen die beiden Instrumente. Auf ein bezaubernd schelmisches Pizzicato folgt ein souveräner Höhenflug, dann ein furioses Finale. Das Publikum atmet auf, dann kommen die Bravorufe, Kommentare wie „Man kann nur staunen“. Entspannung pur sind die Zugaben: die zärtliche mexikanische Serenade „Estrellita“ von Manuel María Ponce Cuéllar und Fritz Kreislers „Schön Rosmarin“.

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