In den Seegemeinden funktioniert die Integrationsarbeit gut

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„Wenn Flüchtlinge nicht mehr auf uns angewiesen sind“: Die Integrationsmanager Majed Mahmoud (von links), Steffi Wehner, Mirko M
„Wenn Flüchtlinge nicht mehr auf uns angewiesen sind“: Die Integrationsmanager Majed Mahmoud (von links), Steffi Wehner, Mirko Meinel und Jutta Braun sind für die Flüchtlingsarbeit in Eriskirch, Kressbronn und Langenargen verantwortlich. (Foto: ah)
Freier Mitarbeiter

Das Integrationsteam für die Flüchtlingshilfe in Eriskirch, Kressbronn und Langenargen hat Zuwachs bekommen. Seit Kurzem sind Majed Mahmoud, Jutta Braun und Steffi Wehner für die Menschen vor Ort als Integrationsmanager tätig. „Über den Pakt der Integration Baden-Württemberg konnten wir im Rahmen einer Vollförderung drei neuen Stellen für unsere Arbeit innerhalb des Gemeindeverwaltungsverbandes gewinnen, was mich persönlich natürlich sehr freut“, sagt Mirko Meinel, der das Team koordiniert und leitet.

Das operative Tagesgeschäft mit den Flüchtlingen nimmt im Verwaltungsverband sehr viel Zeit und Arbeit in Anspruch. Wie Mirko Meinel im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung erklärt, ist es wichtig, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten. Es gehe vordringlich nicht darum, den Betroffenen alles abzunehmen, wohl aber ihnen effektiv zu helfen, aufsuchende Sozialarbeit vor Ort mit den Klienten, sozusagen: „Dabei steht das Lernen der Sprache ganz oben auf der Agenda. Nur so ist es möglich, zum Beispiel Formulare auszufüllen, Behördengänge, Arztbesuche oder auch Einkaufe selbstständig zu erledigen sowie Arbeit und soziale Kontakte zu finden“, weiß der Flüchtlingsbeauftragte. Somit sei die Hauptaufgabe des neuen Teams, den Menschen ein festes und soziales Fundament zu geben.

Meinel selbst ist für die Koordination des Teams samt Flüchtlingen, vor allem aber für die künftige Ausrichtung der Integration zuständig und verantwortlich. Auch wenn im Verband gute Arbeit geleistet werde, die Aufnahmezahlen stimmten, sogar höher seien als vorgegeben, könne man sich darauf einstellen, dass künftig weitere Flüchtlinge untergebracht werden müssten – wenn auch nicht mehr in der großen Anzahl vergangener Jahre. Laut Mirko Meinel bedeutet dies, dass die Beschaffung weiteren Wohnraumes für die Flüchtlinge mit ganz oben auf der Liste steht. „Aktuell haben wir in Eriskirch 40, in Langenargen 97 und in Kressbronn 158 Menschen in kommunalen und privaten Wohnungen oder anderweitigen Einrichtungen aufgenommen. Ich darf behaupten, im Verband läuft die Integrationsarbeit rund“, stellt Meinel fest.

Majed Mahmoud kommt aus Syrien, lebt seit 2013 in Deutschland und ist seit drei Jahren am Bodensee. Seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger hat er erfolgreich absolviert und kümmert sich seit September dieses Jahres um die Flüchtlinge in Langenargen. „Ich habe in der Diakonie Überlingen in diesem Bereich bereits ehrenamtlich gearbeitet und freue mich nun, diese neue Aufgabe hier in Langenargen ausüben zu dürfen“.

Jutta Braun hat Islamwissenschaften und Irankunde studiert und als Lehrerin in Integrationskursen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. „Seit Mai bin ich im Integrationsmanagement tätig und betreue Kressbronn. Wir versuchen, die Menschen soweit zu bringen, dass sie nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen sind. Wir dürfen feststellen, dass uns dies nach relativ kurzer Zeit sehr gut gelingt“, betont die 30-Jährige.

Freude an der Arbeit

Um Eriskirch kümmert sich Steffi Wehner. Die 42-jährige studierte Sozialarbeiterin wirkte zuvor in der Jugendarbeit und sieht ihre Aufgaben auch in der klassischen Sozialarbeit. Dazu gehöre, die Flüchtlinge dahin zu bringen, sich deutsche Freunde, beispielsweise in Vereinen, zu suchen und soziale Kontakte aufzubauen. Eine weitere Herausforderung sei die Zusammenführung von Familiennachzügler: „Wir reden von einer neuen Sprache, einer anderen Kultur und von einer langen Zeit, die die Familien getrennt wurden, was die Sache nicht einfacher macht.“

Freude an der Arbeit hat das ganze Integrationsteam, für das Koordinator Mirko Meinel zusammenfasst: „Wenn Flüchtlinge Selbständigkeit zeigen, nicht mehr auf uns angewiesen sind und sich bei öffentlichen Veranstaltungen mit Einheimischen treffen oder Kinder Zeugnisse mit guten Noten vorlegen, dann haben wir nicht nur viel richtig gemacht, sondern blicken noch optimistischer nach vorne.“

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