Hintergründige Texte voll aus dem Leben

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Hintergründige Texte voll aus dem Leben
Hintergründige Texte voll aus dem Leben (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Für zwei amüsante Stunden im vollen Münzhof hat der bekannte Münchner Autor und Kolumnenschreiber Axel Hacke am Mittwochabend in Langenargen gesorgt.

Kurze Texte zu schreiben, in denen alles auf den Punkt gebracht wird und auf eine Pointe hinausläuft, der Konstruktion nach einem Witz nicht unähnlich, das ist eine Kunst, die nur sehr wenige beherrschen – geschweige denn so souverän wie Axel Hacke. Mit einem Stapel Bücher unter dem Arm betritt er lächelnd die Bühne, mustert sein erwartungsvolles Publikum und beschließt jetzt wohl endgültig, aus welchen Büchern er an diesem Abend lesen will. Es ist ein Reiz für ihn, nicht mit festem Programm zu kommen und es dann sehr gekonnt abzuliefern, sondern erst auszuloten, was er dem jeweiligen Publikum anbieten möchte. Die Stimmung ähnelt ein wenig der bei einem Kabarettisten, mit dem Unterschied, dass hier niemand befürchten muss, bloßgestellt zu werden. Ein später gelesener Ausschnitt aus seinem Buch „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“ – geschrieben nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA – erklärt warum: Angesichts eines „unbegreiflichen Ausmaßes an Schäbigkeit“, eines immer deutlicheren Zivilisationsverlusts fragt Hacke nach dem Wert des Anständig-Seins, plädiert für Fairness und Ehrlichkeit im Umgang mit den Mitmenschen, für kritisches Beleuchten des eigenen Verhaltens.

Hacke nimmt lieber sich selbst auf die Schippe, so auch in den Kolumnen, die er seit Jahren für das Magazin der Süddeutschen Zeitung schreibt. Eine Auswahl davon ist 2015 im „Kolumnistischen Manifest – das Beste aus 1001 Kolumnen“ in Buchform erschienen. Da taucht unter dem Titel „Das Beste aus meinem Leben“ der Ich-Erzähler samt Frau Paola, Sohn Luis und Kühlschrank Bosch auf. Köstlich die vorgetragene Geschichte, wie der Vater den kleinen Luis zum Kindergarten fährt. Der Kleine will reden, der Vater ist in Gedanken ganz woanders. Beim Frühstück hat er über seine Schreibblockade gejammert, es wolle ihm partout nichts Witziges einfallen – jetzt fragt der Kleine: „Warum machst du nicht von Beruf etwas, was du gut kannst?“ Der Sohn lenkt ihn fragend zu sich selbst. Man schmunzelt, man lacht, man genießt. Ein Text voll aus dem Leben, auch zum Nachdenken.

Aus verschiedenen Bereichen hat Axel Hacke Kostproben gewählt. Lachen gluckst durch die Reihen, als er Übersetzungen von Speisekarte genauer beleuchtet und anhand von Rückübersetzungen aufzeigt, wie unsinnige Formulierungen wie „Oberst von Huhn“ (Supreme of chicken) entstanden sind. Extrembeispiele, sehr unterhaltsam und vielen bekannt, die sich je am Computer einen Text übersetzen ließen. Ähnlich seine Trilogie vom „Weißen Neger Wumbaba“, ein „Handbuch des Verhörens“ – wer hätte nicht selbst schon einen Gedicht- oder Liedtext falsch verstanden. Viele Beispiele hat er von Lesern zugeschickt bekommen. Nach Terroranschlägen wie dem Blutbad im Pariser Bataclan-Theater habe er keine witzige Kolumne schreiben mögen. Da sei die Idee zum 2016 erschienenen Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ entstanden. Hintergründige Texte, die existenzielle Fragen ansprechen. Wie im Flug sind zwei Stunden vergangen, eine kleine Zugabe zaubert ein letztes Lachen auf die Gesichter.

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