Hesse sucht „poetische Wahrheit“

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Bürgermeister Achim Krafft verspricht im randvollen Spiegelsaal, das Museum auch weiterhin zu unterstützen. (Foto: Christel Voith)
Christel Voith

„Wie oft habe ich mir schon gedacht, was für herrliche Bilder ich machen würde, wenn ich nur Maler wäre statt Dichter! Dabei kann ich keinen Strich zeichnen oder malen.“ Dieses Zitat von Hermann Hesse aus einem Brief an Stefan Zweig von 1903 stellte Volker Michels seiner Einführung in die Aquarell-Ausstellung im Museum Langenargen voran. Der Autodidakt habe sich stets als Dilettant gesehen und doch mit seinen lichten Aquarellen „gemalte Musik“ geschaffen.

Ein Bild von Hans Purrmann vom „Hesse-Zimmer in der Casa Camuzzi“, dem Dichter zum 75. Geburtstag geschenkt, hat das Museum im Herbst von einem Leihgeber, der nicht genannt werden möchte, erhalten. Das war für die Museumsleiterin Dr. Angela Heilmann ein schöner Anlass, Hesse-Aquarelle ins Museum zu holen, die in ihrer Vielfalt und Farbigkeit hier einen besonders schönen, intimen Rahmen fänden.

Am Sonntagmorgen wurde die Ausstellung „Magie der Farben“ im Spiegelsaal des Schlosses eröffnet, bei strahlendem „Museumswetter“, wie Prof. Eduard Hindelang gesagt hätte, der nach einem Sturz operiert werden und daher der Eröffnung fern bleiben musste. Die Ohren müssen ihm geklingelt haben bei all den Dankesworten, die sich noch einmal an ihn richteten. Umso mehr freute es seine Nachfolgerin Dr. Heilmann und den ebenso neuen Bürgermeister Achim Krafft, dass auch Hesses Spruch „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ sich bewahrheitete: Der Anfang machte neugierig und die Besucher strömten wieder so zahlreich herbei, dass viele stehen mussten. An alle Freunde und Förderer richtete Angela Heilmann die Bitte, das Museum auch weiterhin ideell und materiell zu unterstützen, damit Hindelangs Werk weitergeführt werden könne. Musik in den Ohren waren da die Bürgermeisterworte: „Wir wissen um den großartigen Wert des Museums, die Gemeinde wird es auch weiterhin begleiten.“ Dass die neue Gästekarte freien Eintritt gewährt, dürfte noch mehr Besucher dafür begeistern.

„Magie der Farben“

Laudator Volker Michels, als Suhrkamp-Lektor seit Jahren ein intimer Kenner und Editor von Hesses Werk, schöpfte in seiner lebendigen, mit farbigen Zitaten gewürzten Einführung aus dem Vollen. Der Leidensdruck durch den Ersten Weltkrieg, die Erfahrung von Ohnmacht und Missbrauchbarkeit der Sprache habe den Dichter in eine tiefe Krise gestürzt und dank Psychoanalyse zur bildnerischen Darstellung ermutigt. Mit viel Ausdauer habe Hesse es erreicht, im Bild das auszudrücken, was ihm in Worten so selbstverständlich glückte. Wenige Beispiele aus den Anfängen belegen in der Ausstellung seinen Weg von einer zaghaften, naturgetreuen Detailverliebtheit zur Farbexplosion, zu kühnen Abstraktionen – immer festgemacht an der geliebten Tessiner Landschaft. Rastlos arbeitete er mit Bleistift und Feder, mit Pinsel und Farbe, um beispielsweise die flüchtige Schönheit des Herbstes festzuhalten. Wie in Dichtung und Prosa sei er in seiner Malerei der poetischen Wahrheit nachgegangen.

Von der sprachlichen Poesie erzählte das von Otmar Schoeck vertonte Gedicht „Magie der Farben“, das Heilmanns Nichte Francesca Paratore, von Andrea Grözinger am Klavier begleitet, sang. Mit drei weiteren Liedern unterstrich die junge Sopranistin die Schönheit und Poesie, die die Besucher im Museum erwartete.

Die Ausstellung bis 13. Oktober zu sehen, jeweils Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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