Helfer klagen über Gaffer nach tödlichem Zugunfall

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Zeichen der Trauer: Neben dem Bahnübergang in der Friedhofstraße erinnern Blumen und eine Kerze an den tragischen Unfall.
Zeichen der Trauer: Neben dem Bahnübergang in der Friedhofstraße erinnern Blumen und eine Kerze an den tragischen Unfall. (Foto: Andy Heinrich)
stellv. Regionalleiterin

Die tragische Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet: Ein Zug rammte an Karfreitag um 16.35 Uhr auf dem Bahnübergang in der Friedhofstraße ein Auto, die 83-jährige Fahrerin starb. Doch über den tödlichen Zusammenstoß wurde offensichtlich nicht nur geredet. Das DRK Kressbronn teilt jedenfalls mit: „Wir möchten uns herzlichst bei allen Ersthelfern bedanken, die vorbildlich gehandelt haben. Für das Verhalten der zahlreichen Gaffer haben wir hingegen keinerlei Verständnis.“

Die 83-Jährige war auf der Friedhofstraße ortsauswärts unterwegs, als sie „auf dem Bahnübergang ein Wendemanöver einleitete“, sagt Markus Sauter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. „Der Grund dafür ist nicht bekannt.“ Während des Versuchs umzudrehen, hätten sich die Schranken geschlossen, und ein Interregio-Express aus Richtung Friedrichshafen sei näher gekommen. „Der Lokführer hat noch ein akustisches Warnsignal gegeben und sofort eine Notbremsung eingeleitet“, berichtet Markus Sauter.

Den Zusammenstoß mit dem Auto konnte er aber nicht mehr verhindern. Der Interregio schleifte das Fahrzeug ungefähr 100 Meter mit, bevor der Zug nicht weit vom nächsten Bahnübergang in der Friedrichshafener Straße zum Stehen kam. Für die Unfallaufnahme war das Verkehrskommissariat Kißlegg zuständig.

120 Stundenkilometer schnell

Wie ein Bahnsprecher auf SZ-Anfrage erklärt, erreichen Züge auf der Strecke üblicherweise eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern. Lokführer würden den „Umgang mit Hindernissen auf den Gleisen und das sichere Vollziehen von Notbremsungen“ in ihrer Ausbildung üben. Komme es zu Unfällen wie dem in Langenargen, „wird der betroffene Lokführer ausgetauscht und psychologisch betreut“.

Die Betreuung eines Teils der 68 Passagiere im Zug übernahmen Polizeisprecher Sauter zufolge Notfallnachsorgedienst und eine Schnelleinsatzgruppe, der Rest der Fahrgäste habe sich selbstständig von der Unfallstelle entfernt. Im Einsatz waren etwa 100 Rettungskräfte, unter ihnen das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Johanniter sowie die Freiwilligen Feuerwehren aus Langenargen und Kressbronn, mit 25 Fahrzeugen. Der Notarzt konnte trotzdem nur noch den Tod der Autofahrerin feststellen.

Die Bahnstrecke zwischen Friedrichshafen und Lindau war bis 19.30 Uhr gesperrt. Züge wendeten laut Bahnsprecher in Friedrichshafen und Langenargen, es wurde ein Busnotverkehr eingerichtet. Eine Ursache für die fast dreistündige Sperrung: Die Bergungsarbeiten zwischen Wohnhäusern und Gartenhütten gestalteten sich schwierig, die Feuerwehr musste das Auto mit einem Kran von den Gleisen heben. Der Zug wurde erst zum Bahnhof nach Eriskirch und dann weiter nach Ulm in eine Werkstatt der Deutschen Bahn gebracht.

Gaffer im Garten

Ein schrecklicher Unfall, der offensichtlich viele Schaulustige anlockte. Nicht nur das DRK Kressbronn ärgert sich auf seiner Facebook-Seite über die unerwünschten Beobachter. Was genau dahinter steckt, dazu war vom DRK zwar nichts zu erfahren, doch auch ein Anwohner schreibt: „Die Gaffer kamen sogar in meinen Garten.“ Und andere berichten, dass ein Durchkommen am Bahnübergang in der Friedrichshafener Straße nicht einfach war. Dass die Schaulustigen die Bergungsarbeiten behindert hätten, ist bei Polizeisprecher Markus Sauter nicht angekommen: „Das kann ich weder dementieren noch bestätigen.“

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