Gerechte Preise für nachhaltig produzierte Äpfel

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Kann die Landwirtschaft im Einklang mit der Natur und der Artenvielfalt leben, ohne im punkto Erträge und Erlöse Einbußen zu beklagen? Diese Frage haben am Montagabend rund 40 Obstbauern, Naturschützer und Vertreter von Verbänden und Organisationen beim Dialogforum Landwirtschaft und Naturschutz diskutiert. „Wir unternehmen bereits viel für den Schutz unserer Fauna und Flora. Bei allen Bemühungen sollten wir aber auch von unserer Arbeit leben können. Die Preise für nachhaltig produzierte Apfel müssen stimmen“, gab Kreisbauernobmann Dieter Mainberger zu bedenken.

Naturschutz versus Landwirtschaft? Geht es nach den Teilnehmern, kann eine Lösung zum Wohle des Artenschutzes und der Artenvielfalt im Obstbau nur über einen gemeinsamen Weg, über eine ergebnisorientierte Diskussion mit entsprechend nachhaltigen Maßnahmen erfolgen. „Naturschutz gelingt nur miteinander, nicht gegeneinander“, sagte Jochen Goedecke vom NABU Baden-Württemberg.

Als Vertreter der Landwirte beklagte Mainberger das Verhalten vieler Bürger, dass es nicht in Ordnung sei, über Naturschutz, Artenschutz und -vielfalt oder Bioprodukte zu reden, gleichwohl aber beim Discounter Obst aus allen Herren Ländern, nicht aber aus der Region, zu kaufen. Ihm und seinen Kollegen läge der Naturschutz am Herzen. Dennoch sei es nicht immer einfach, Artenschutz und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut zu bringen: „Wir waren nie Gegner des Naturschutzes und pflegen gleiche Interessen in bestimmten Ansätzen. Wir wollen und brauchen den Artenschutz, müssen aber auch davon leben können. Das heißt, die Preise müssen dem Aufwand gerecht werden“, stellte der Vorsitzende fest. Seit längerem bereits würden die hiesigen Obstbauern entsprechende Blühstreifen oder Nisthilfen, oft auf eigene Kosten, anlegen. „Mehr geht natürlich immer, am Ende aber steht die Frage, wer bezahlt dafür?“.

Andrea Hartmann vom Kompetenzzentrum Obstbau zählte Möglichkeiten auf, wie man die Artenvielfalt im Obstanbau mit überschaubarem Aufwand realisieren könne: Totholz- und Steinhaufen, Insektenhotels, Sitzstangen für Greifvögel, Eulen- oder auch Fledermauskästen seien einfache aber wirksame Methoden. Auch Blühstreifen zwischen oder direkt neben den Plantagenreihen seien eine tolle Sache. Hartmann: „Die Obstanlage ist ein artenreicher Lebensraum. Unser regelmäßiges Monitoring belegt eindeutig, dass die Vielfalt der Insekten in den angelegten Bereichen deutlich zugenommen hat“. So konnten 2010 in den Versuchsflächen 56 Wildbienenarten, darunter fünf gefährdete, gezählt werden. Nur sieben Jahre später waren es mehr als doppelt so viele. Zudem habe man 25 gefährdete Arten registriert.

In seinem Vortrag über das „Pro Planet Apfelprojekt“ – „Förderung von Wildbienen am Bodensee“ zeigte Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung die Ergebnisse auf, die das Vorhaben bislang erzielte. „Stand April 2018 haben die Obstbauern in der Anbauregion Bodensee und Neckar binnen acht Jahren 246 Hektar an ein- und mehrjährigen Blühflächen für die rund 470 verschiedenen Wildbienenarten angelegt, was nicht nur zu einer Vermehrung sondern zu einem spürbaren Plus an Vielfalt führte. Zudem konnten auf den 120 Flächen der beteiligten Betriebe 559 Nisthilfen für diese Art aufgestellt werden. Unsere Obstbauern schaffen eine Trendwende“, stellte Trötschler fest.

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