Gastgeberin will Gästekarte stoppen

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„Es sind zu viele Fragen offen“: Für Annette Pfleiderer bringt die „Echt Bodensee Card“ nicht das, was sie Gastgebern und Gästen
„Es sind zu viele Fragen offen“: Für Annette Pfleiderer bringt die „Echt Bodensee Card“ nicht das, was sie Gastgebern und Gästen verspricht. (Foto: Tanja Poimer)
stellv. Regionalleiterin

Unsicher, aufwendig, teuer, kompliziert: Für Annette Pfleiderer hat die „Echt Bodensee Card“ (EBC) viel mehr Nach- als Vorteile. Weil sich die Langenargener Gastgeberin aber nicht damit zufrieden geben will, über die elektronische Gästekarte zu schimpfen, ohne etwas gegen die Einführung zu unternehmen, hat sie beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim eine Normenkontrollklage eingereicht – stellvertretend für etwa 80 weitere Vermieter aus der Gemeinde.

Zum Hintergrund: Betreibergesellschaft der EBC, die in Langenargen, Eriskirch, Bodmann-Ludwigshafen und Sipplingen nach entsprechenden Gemeinderatsbeschlüssen zum 1. Januar 2017 eingeführt wurde, ist die Deutsche Tourismus GmbH (DBT). Gesellschafter der DBT sind der Bodenseekreis, und die Landkreise Lindau und Sigmaringen sowie die beiden Kommunen Stockach und Bodmann-Ludwigshafen. Finanziert wird die neue Gästekarte über eine Erhöhung der Kurtaxe, in Langenargen zum Beispiel bezahlen Erwachsene demnach statt 2 ab 1. März 3,15 Euro pro Tag.

Idee "grundsätzlich" gut

Noch bevor die Gäste entscheiden können, ob sich der Aufschlag für sie lohnt, sind die Fronten zwischen Befürwortern und Kritikern anscheinend völlig verhärtet. DBT-Geschäftsführer Enrico Heß spricht von einer „starken Karte“, die freie Fahrt mit Bus und Bahn im Bodo-Verkehrsverbund gewähre sowie Vergünstigungen beim Besuch von mehr als 100 Ausflugszielen biete. Dagegen bezeichnen Gegner, allen voran Manfred Maier aus Uhldingen-Mühlhofen, Campingplatzbetreiber und Sprecher der Initiative „Echt-Bodensee-Card-Nein-Danke“ die Gästearte als „Bürokratie-, Datenklau- und Subventionsmonster“.

Annette Pfleiderer, die seit fünf Jahren in Langenargen am Schwedi die 1910 erbaute Villa Lindenhof vermietet, gehört zu den Gegnern. Die Idee, in der Urlaubsregion Bodensee auf eine Karte zu setzen, findet sie grundsätzlich gut. Mit der in ihren Augen „völlig überteuerten“ EBC hat die Gastgeberin allerdings einige Probleme, ihr größtes: „Ich muss von meinen Gästen eine Einverständniserklärung einholen, dass ihre Daten weitergegeben werden. Und zwar nicht nur wie bisher an die Gemeinde, sondern jetzt auch an die DBT. Wenn ich das nicht tue, hat es für mich rechtliche Konsequenzen.“

Sprachliche Barrieren

Eine Nachfrage habe jedoch ergeben, dass ihre Stammgäste die Karte nicht benutzen würden, um unter anderem keine elektronische Spur zu hinterlassen. Dazu komme, dass nicht geklärt sei, „wer bei Datenmissbrauch haftet“. Nur zwei weitere von einigen Kritikpunkten der Vermieterin: Eine Übernachtung in ihrem als familienfreundlich ausgezeichneten Haus koste im Schnitt 30 Euro, und eine Kurtaxe in Höhe von 3,15 Euro seien mehr als zehn Prozent davon. Eine Preissteigerung, die sie ihren Gästen nicht zumuten wolle. Zudem wisse sie nicht, wie sie ausländischen Urlaubern die Komplexität der EBC übersetzen soll: „Der Erklärungsbedarf ist zu hoch.“

Annette Pfleiderers Fazit: „Es sind zu viele Fragen offen, die zwar mehrfach gestellt, aber nie beantwortet worden sind.“ Und mit der Meinung steht sie offenbar nicht alleine da. Mehr als 80 Vermieter sollen 2016 bei der Gemeinde Langenargen Einspruch gegen die Einführung der EBC erhoben haben. Doch: „Diese Tatsache wurde nie thematisiert. Es war so, als würde es uns nicht geben“, berichtet die Gastgeberin. Das „Forum Langenargen“, eine Internetplattform, die für sich in Anspruch nimmt, die Bevölkerung aufzuklären, was in der Gemeinde schiefläuft, habe die Gegner dagegen ernst genommen und zusammengebracht.

Forum bündelt Kräfte

Die Folge: eine Normenkontrollklage beim Verwaltungsgerichtshof gegen die verpflichtende elektronische Meldung der Gäste, die in der Kurtaxesatzung der Gemeinde festgelegt worden ist (siehe Kasten). Eingereicht hat diese stellvertretend für weitere Gastgeber Annette Pfleiderer, „weil jemand für diese Klage gesucht worden ist und ich kein Problem habe, dafür einzustehen, wenn ich gegen etwas bin“. Gleiche Verfahren haben Vermieter aus Uhldingen-Mühlhofen, Hagnau und jüngst auch aus Sipplingen angestrengt.

Die Internetplattform habe die Kräfte in Langenargen gebündelt, sagt die Gastgeberin, macht jedoch klar: „Das ist nicht die Klage des Forums, sondern die der Vermieter.“ Annette Pfleiderer, die ihre Gäste längst elektronisch meldet, aber bislang nur der Gemeinde, hofft schwer, dass die EBC letztendlich doch nicht installiert wird: „Diese Karte ist für mich als Hausfrau mit Familie, die nebenbei vermietet, einfach viel zu kompliziert und zu aufwendig.“

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