Zusammenspiel vom Feinsten: Paul Theis an der Orgel mit seiner Tochter Antonia als Registrantin und Trompetenvirtuose Bernhard K
Zusammenspiel vom Feinsten: Paul Theis an der Orgel mit seiner Tochter Antonia als Registrantin und Trompetenvirtuose Bernhard Kratzer. (Foto: Olaf E. Jahnke)
Olaf E. Jahnke

Ein wenig mehr als die etwa 180 Zuschauer hätten schon ins Kirchenschiff gepasst. Das hätte dann auch eher der Qualität der angereisten Musiker entsprochen. Bernhard Kratzer, virtuoser Trompetensolist, und Paul Theis, grandioser Orgelvirtuose, haben in Langenargen am Mittwoch in St. Martin ein festliches Konzertfeuerwerk auf höchstem Niveau abgebrannt.

Der Abend beginnt mit dem Konzert in D-Dur von Giuseppe Tartini. Beeindruckend erklingt das Allegro, rasch und präzise von beiden gespielt, auch im Andante schön im Zusammenspiel, dabei getragen. Der dritte Satz wieder ein Allegro – aber mit Quartinvervall und fanfarenartigem Motiv schließt den Konzertbeginn glänzend und an der Trompete besonders präzise gespielt ab.

Es folgt ein Orgelsolo mit dem „Concerto di fantasia“ von Johann Sebastian Bach. Hier zeigt sich die Vielseitigkeit des Organisten, ebenso wie die Registervielfalt der Orgel. Beim „Laudate Dominum“ von Wolfgang Amadeus Mozart hat Kratzer ein Corno da caccia mit Flügelhornmundstück gewählt. Am nicht wenig anspruchsvollen Vierventil-Horn zaubert er beachtliche Höhen und Tiefen und einen besonders weichen Klang, ohne Schnelligkeit und perlende Präzision der Läufe vermissen zu lassen.

Der Orgelsatz „Versetti per il Gloria“ von Vincenzo A. Petrali der dann folgt, beeindruckt durch die Vielfalt der Registrierung und die Gegensätze der Klangfarben samt energischem Fußpedal. Unterstützt bei Registerwechseln und Noten wird Paul Theis von seiner Tochter Antonia, die als Registrantin alle Hände voll zu tun hat.

Die Sonate Nr. 5 in D-Dur von Domenico Gabrielli erklingt als ein Highlight des Konzertabends, mit vier kontrastreichen und virtuos gespielten Sätzen. Samt kongenialem Zusammenspiel zwischen Trompete und Orgel. Dabei lässt Kratzer die hohen Ansprüche an Linien- und Melodieführung des Stückes spielerisch leicht erscheinen. Gänsehautverdächtig.

Es folgt im Programm ein beeindruckendes Orgelstück, komponiert von Louis Vierne Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Ein schöner Kontrast zu den Barockstücken, sehr meditativ, emotional und beeindruckend klangfarbig vorgetragen von Theis. Samt Finale furioso. Den Abschluss des offiziellen Programms bildet schließlich die Konzert-Sonate in D-Dur von Georg Philipp Telemann. Hier bieten als Höhepunkt des festlich geprägten Musikabends in der beeindruckenden Kulisse der Langenargener Barockkirche Kratzer und Theis im virtuosen Zusammenspiel nochmals ihr Bestes auf. Nach rauschendem Applaus – das Publikum musste 17 Sätze lang stillhalten – geben die Barock-Virtuosen gleich zwei Zugaben. Beim Barock-Klassiker „Rondeau“ von Jeremiah Clarke zeigt Bernhard Kratzer an seiner speziellen Piccolo-Trompete beweglich akzentuierte Interpretationen und Verzierungen vom Feinsten. Ganz zu Schweigen von der Sicherheit in maximalen Höhen. Ein Indiz für die Verehrung für Altmeister Maurice André, wie Maestro Kratzer im Gespräch bestätigt. Feierlich, festlich und solide gestalten Theis und Kratzer das zweite Zugabenstück, ein Halleluja aus „Exultate jubliate“ von Mozart.

Nur zu empfehlen ist folglich das nächste Konzert ihrer Tour in der Region, auf der Insel Reichenau am 7. August im Münster St. Maria und Markus.

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