Es gibt eine Fischart mehr als 2014

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13.09.2019, Baden-Württemberg, Langenargen: Ein Mitarbeiter eines Forschungsprojekts markiert während der Auswertung eines Fangs
13.09.2019, Baden-Württemberg, Langenargen: Ein Mitarbeiter eines Forschungsprojekts markiert während der Auswertung eines Fangs Barsche. Wissenschaftler der Fischereiforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg machen über vier Wochen eine Bestandsaufnahme des Fischbestands im Bodensee. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Von Mitte September bis Mitte Oktober diesen Jahres ist der Fischbestand des Bodensees durch die Fischereiverwaltung Baden-Württembergs intensiv mit Hilfe verschiedener Fischfangmethoden untersucht worden, teilt die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg mit. Die Befischungsaktion war Bestandteil des Projektes SeeWandel, ein internationales ökologisches Großprojekt rund um den Bodensee, welches über Europäische und Schweizer Mittel finanziert wird.

Mit Hilfe der Befischungskampagne werden verschiedene Fragestellungen verfolgt. Wie hat sich der Fischbestand im Vergleich zu einer ähnlichen Befischung vor fünf Jahren entwickelt? Sind heute bestimmte Fischarten häufiger, während andere seltener zu finden sind? Wie entwickeln sich die Fische, wie gut wachsen sie und wie erfolgreich pflanzen sie sich fort? Außerdem prüft ein systematischer Methodenvergleich, ob ein regelmäßiges Bodenseefischmonitoring mit weniger Aufwand für die Zukunft festgeschrieben werden könnte. Dies alles sind wichtige Informationen, um den Wasserkörper Bodensee als Ökosystem zu verstehen, teilt die Fischereiforschungsstelle mit Sitz in Langenargen mit. Auch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt ein solches Monitoring vor, um anthropogen verursachte Störungen zu erkennen.

Rund um den See wurde eine repräsentative Stichprobe der Fische mithilfe einer großen Zahl von Kiemennetzen verschiedener Maschenweiten und mittels Elektrofischerei gesammelt. Derzeit werden die erhobenen wertvollen Daten digitalisiert und anschließend umfangreich ausgewertet. Ausführlichere Informationen zur Entwicklung der Fischartengemeinschaft können daher erst im Laufe des nächsten Jahres gegeben werden.

Ein juveniler Albino-Wels wurde im Untersee nachgewiesen. (Foto: Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg)

Dennoch können schon jetzt erste Aussagen getroffen werden. Insgesamt wurden 29 Fischarten nachgewiesen, also eine Art mehr als 2014. Die häufigste Art war der Barsch, der in allen Längenklassen stark vertreten war, wie der Pressemitteilung weiter zu entnehmen ist. Ein deutlicher Anstieg in den Fangzahlen im Vergleich zu vor fünf Jahren konnte beim Wels festgestellt werden, der bis zu zwei Meter lang werden kann und von den im Rahmen des Klimawandels ansteigenden Temperaturen profitiert. Ein Highlight der Befischungsaktion war ein junger Albino-Wels, der im Untersee bei der Elektrofischerei gefangen wurde.

Im Freiwasser des Sees wurden vor allem Felchen, Stichling, Barsch und Ukelei gefangen. Auch zwei kleine, bodennah lebende Fischarten – die Schmerle und die Groppe – tauchten immer wieder in den Fängen auf. Den Tiefenrekord hält allerdings die Trüsche. Dieser nachtaktive Raubfisch konnte in einer Wassertiefe von 240 Metern noch nachgewiesen werden. Ein sehr erfreuliches Teilergebnis ist der Tiefseesaibling, hat die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg festgestellt. Diese bis vor kurzem noch verschollen geglaubte Art, die 2014 in Einzelfängen erstmals wieder nachgewiesen werden konnte, war regelmäßig in den Fängen quer über den Bodensee-Obersee zu finden.

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