Erste Hilfe für alte Bäume im Schlosspark

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Medizin für die Natur: Mit Spezialgerät und unter Einsatz von Bodenhilfsstoffen werden 18 Standorte von stattlichen Parkbäumen i
Medizin für die Natur: Mit Spezialgerät und unter Einsatz von Bodenhilfsstoffen werden 18 Standorte von stattlichen Parkbäumen i (Foto: ah)
Schwäbische Zeitung
Andy Heinrich

Eine Lindauer Spezialfirma soll den Gesundheitszustandes der alten Bäume im Schlosspark fördern. Wie Gemeindegärtner Norbert Herter berichtet, werden derzeit an 18 Standorten stattliche und altehrwürdige Parkbäume mit Hilfe spezieller Geräte, Löcher in den Rasen gebohrt, um diese anschließend mit entsprechend gebundenen Nährstoffen und wasserspeichenden Substanzen zu füllen.

Wer in den vergangenen Tagen Arbeiten der Firma „Lindauer Baumpflege“ im Schlosspark verfolgte, wunderte sich. Über die Dauer von drei Tagen wurde und wird auf dem Gelände im Rahmen einer Standortsanierung mit Hilfe von Druckluft die verdichtete Bodenstruktur bis zu einer Tiefe von 70 Zentimetern aufgebrochen. Kein neuer Golfplatz für Langenargen, dafür dringend benötigte Erste Hilfe für den teils aus dem 19 Jahrhundert stammenden Baumbestand.

Nach Auffassung von Norbert Herter würden auf Grund der hohen Bodenverdichtung im Park mitunter durch Besucher oder Veranstaltungen verursacht, dass die Bäume vor allem an Sauerstoff- und Nährstoffmangel leiden. Dies führe insbesondere bei den Buchen, aber auch bei den anderen Bäumen zu starken Vitalitätseinbußen und somit zu einer Verkürzung ihrer möglichen maximalen Lebenserwartung. „Als vorbereitende Maßnahme wurden zunächst die Bäume ausgewählt, bei denen die Maßnahmen erfolgversprechend und somit auch wirtschaftlich sind“, erklärt der Gemeindegärtner. Zur Sanierung gehöre die Analyse der standortbezogenen Zusammensetzung der einzubringenden Bodenhilfsstoffe. Im Anschluss müssten Kabel- und Leitungspläne studiert werden, da bei mit einer Druckluftlanze bis zu 70 Zentimeter tief in den Boden eingedrungen werde.

Markus Zetzmann von der „Lindauer Baumpflege“ zum Verfahren: „In die Hohlräume, die entstehen, werden im Flüssigverfahren organisch gebundene Nährstoffe, Mykorrhizapilze und wasserspeichernde Substanzen eingebracht. Um den Gasaustausch im Boden langfristig zu sichern, werden die zurückbleibenden Lanzenlöcher mit gebranntem Tongranulat verfüllt.“ Etwa 5000 Liter flüssige „Medizin“ habe man im Schlosspark ausgebracht, um die Naturdenkmale erfolgreich und möglichst dauerhaft zu sanieren.

Weniger Totholzbildung

Dabei eigne sich das Verfahren für alle gestressten Bäume, die beispielsweise einer Bodenverdichtung, Schäden durch Baustellen, Staunässe oder zu mageren Böden ausgesetzt sind. „Es hat jedoch seine eindeutigen Grenzen dann, wenn ein Baum bereits irreversible Schäden aufweist und nicht mehr gerettet werden kann“, sagt Markus Zetzmann. In der Regel zeige sich der Erfolg in den nächsten Jahren mit intensiverer Belaubung, stärkerem Zuwachs und einer geringeren Neigung zur Totholzbildung.

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