Erst geflüchtet, dann in Ausbildung: Saleem Alfadous ist dankbar für die Chance

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Besuch am Arbeitsplatz bei H&H Gerätebau (von links): Martin Stocker von Rolls-Royce Power Systems Friedrichshafen, Saleem Alfad
Besuch am Arbeitsplatz bei H&H Gerätebau (von links): Martin Stocker von Rolls-Royce Power Systems Friedrichshafen, Saleem Alfadous, Azubi zum Mechatroniker für Kältetechnik und Peter Probst, Ausbildungs- und Kälteanlagenbaumeister. (Foto: oej)
Olaf E. Jahnke

Der 24-jährige Saleem Alfadous hatte eine größere Odyssee hinter sich, bevor er schließlich als Auszubildender bei den Kältespezialisten von H&H Gerätebau in Langenargen gelandet ist. Dabei kann man sagen, hier haben mehrere Faktoren und mehrere Unternehmen positiv zusammengespielt. Im Rahmen einer Kooperation zur Ausbildungsförderung von Menschen mit Migrationshintergrund hat es schließlich bestens funktioniert.

Für Alfadous begann alles 2018 mit dem Sammeln praktischer Berufserfahrung in der MTU-Ausbildungsabteilung von Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen. Martin Stocker, dort verantwortlich für Berufsausbildung und Duales Studium berichtet: „Der junge Syrer hat als einer von zehn Flüchtlingen an der Einstiegsqualifikation in unserer Lehrwerkstatt teilgenommen.“ Inzwischen läuft bei Rolls-Royce Power Systems der dritte Kurs. Die meisten Teilnehmer an den Maßnahmen, die vom Regierungspräsidium und der Agentur für Arbeit unterstützt werden, sind untergekommen, einige bei Rolls-Royce Power Systems selbst und andere bei Unternehmen in der Region. Zunächst steht die Grundausbildung mit Einstiegsqualifikation im maschinenbaulichen Bereich im Vordergrund.

Sprachkenntnisse werden geschult

Die Deutschkenntnisse der Qualifikationsteilnehmer sollen sich nebenher in Zusammenarbeit mit der Claude-Dornier-Schule weiter verbessern. Um den Weg in eine Berufsausbildung zu ebnen und Erfahrungen zu sammeln, gehören dazu auch betriebsbezogene Praktika. „Was liegt näher, als sich an qualifizierte Unternehmen in der Region zu wenden“, argumentiert Stocker. So sei es auch zur Kooperation mit H&H Gerätebau gekommen. Außerdem suchte Rolls-Royce Power Systems Friedrichshafen, da man nicht alle Bewerber übernehmen konnte, regionale Partnerbetriebe für eine Übernahme der künftigen Fachkräfte. Nach Kontaktaufnahme mit H&H Gerätebau hat der gebürtige Syrer und anerkannte Flüchtling Saleem Alfadous zweimal zwei Wochen lang ein Betriebspraktikum absolviert. Lehrling Alfadous konnte inzwischen bei H&H Gerätebau in Langenargen die Ausbildung zum Mechatroniker für Kältetechnik beginnen.

Geschäftsführerin glaubt an gute Perspektive

Die Ausbildungsmeister Jochen Anke und Peter Probst sind guter Dinge, denn der neue Azubi habe echtes Interesse für thermodynamische Prozesse, zeige gute Leistungen und sei motiviert. „Außerdem versteht er sich bestens mit dem Team“, sagt Vertriebsleiter Probst. Und auch Geschäftsführerin Patricia Herrmann sieht gute Perspektiven für den Auszubildenden. Selbst wenn die Anfänge manche Herausforderung brächten, sei das Interesse und die Begeisterung für die oft anspruchsvolle und überaus vielseitige Kältetechnik vorhanden – und damit beste Voraussetzungen gegeben.

Nach seinem Abitur in Syrien wollte Saleem Alfadous eigentlich in Richtung IT gehen, dann kam die Kriegskatastrophe. Nun freut er sich: „Eigentlich wollte ich auch etwas mit den Händen machen. Dass hier so viele verschiedene Aspekte hineinspielen, macht das Ganze nicht leicht – aber dafür hochinteressant.“ Er betont: „Ich bin sehr froh, dass ich diese Chance bekommen habe.“

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