Erfolgreicher Auftritt eines neuen Klavierquartetts in Langenargen

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Gestalten einen glanzvollen Kammermusikabend: Johannes Fleischmann (Violine), Adam Newman (Viola), Vashti Hunter (Violoncello)
Gestalten einen glanzvollen Kammermusikabend: Johannes Fleischmann (Violine), Adam Newman (Viola), Vashti Hunter (Violoncello) und Eloïse Bella Kohn (Klavier). (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Bis Ende August finden noch vier Schlosskonzerte statt. Infos zum Programm gibt’s online unter

www.langenargener-schlosskonzerte.de

Ein weiteres Klavierquartett, mit dem in Langenargen bekannten Geiger Johannes Fleischmann an der Spitze, hat in der noch bis Ende August laufenden Saison der Schlosskonzerte debütiert. Zusammen mit Adam Newman, Viola, Vashti Hunter, Violoncello und Eloïse Bella Kohn, Klavier, präsentierte das Quartett bedeutende Werke dieser Gattung mit Schwung und vollem Körpereinsatz – trotz schweißtreibender Außentemperaturen. Die neu eingebaute Klimaanlage im Konzertsaal hat ihre Bewährungsprobe bestanden.

Das beispielgebende Klavierquartett g-Moll KV 478 von Wolfgang Amadeus Mozart stand am Beginn des Konzerts. Energetisch aufgeladen erklang das markante Unisono-Kopfmotiv zu Beginn des Allegro-Satzes. In einen gleichberechtigten Dialog traten Streichertrio und Klavier in der Fortspinnung des Themas. Mozart hatte die untergeordnete Rolle der Streicher aufgehoben und damit völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen. Besonders eindringlich gestaltete das Quartett diesen neuen Klang im lyrischen Intermezzo des zweiten Satzes. Ein zart ausgespielter Klaviersatz stand weiten Phrasierungsbögen der Streicher gegenüber. Sehr organischer, fein abgestimmter Wechsel durch alle Stimmen mit lieblichen Themen und flüssigen Umspielungen führte zu einem verinnerlichten Gegensatz zur trotzigen Eröffnung. Mit viel Spielfreude, in bestechender einheitlicher Artikulation, gestaltete das Quartett die vitalen Tanzthemen im abschließenden Rondo. Furios die Läufe der Streicher über glänzenden Klaviertriolen in der Coda von Bella Kohn, die mit ihrem glasklaren, perlenden Anschlag im virtuos geprägten Klavierpart die Grundlage für einen einnehmenden Mozartklang im gesamten Satz gelegt hatte.

Ganz bewusst will Fleischmann seinem Publikum den englischen Komponisten Frank Bridge (1879 bis 1941) etwas näher bringen. Nach dem Klavierquintett im vergangenen Jahr stand nun sein preisgekröntes „Phantasy Quartett“ fis-Moll auf dem Programm. In dem post-romantisch geprägten, einsätzigen Werk lösten sich die einzelnen Stimmen aus dem homogenen Gesamtklang und traten ausdrucksvoll hervor. Im schnellen Mittelteil, über federnder Klavierbegleitung, legten Violine, Bratsche und Cello viel Schmelz in ihre Soli. Nach der Rückführung in die entspannte Grundstimmung bewunderte man den traumhaften Tranquillo-Schluss.

Das Klavierquartett Nr. 1 c-Moll op. 15 von Gabriel Fauré verbindet Romantik und Impressionismus. Kontrastreich herausgearbeitet bekamen die jeweils beiden Themen in den Ecksätzen nach den Regeln der Romantik unterschiedliche Charaktere. Pizzicato-Akkorde der Streicher, darüber ein luftiges Thema, etwas naiv am Klavier vorgestellt, führten in den neuen Ton des Impressionismus im Scherzo des zweiten Satzes. Geschmeidig, eng verbunden, die gedämpften Streicher im Mittelteil von leichten Klaviergirlanden umspielt.

Das Adagio wurde zum Höhepunkt des ganzen Konzerts. Mal zurückgenommen, mal aufbrausend, mit höchster Intensität jedem Ton nachspürend, entstand ein Gefühl von unterdrückter Leidenschaft, das erst mit den fallenden Klavierarpeggien im Nichts verschwand.

Bis Ende August finden noch vier Schlosskonzerte statt. Infos zum Programm gibt’s online unter

www.langenargener-schlosskonzerte.de

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