Ensemble Clazzic überzeugt mit musikalischer Mischung und Anekdoten

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Martina Silvester an der Querflöte und Susanna Klovsky am Klavier bilden die Konstante im Quartett „Clazzic“, für Bass und Schla
Martina Silvester an der Querflöte und Susanna Klovsky am Klavier bilden die Konstante im Quartett „Clazzic“, für Bass und Schlagzeug gibt's jeweils zwei Besetzungen. (Foto: Lena Reiner)

Es ist ein bisschen leerer als gewöhnlich am Donnerstagabend im Montfort Jazzclub im Weinkeller des Schlosses. Doch gerade das macht den Abend besonders, denn das Ensemble Clazzic (gesprochen wie das französische „Classique“), das aus einer Pianistin und einer Flötistin und wechselnden Bassisten und Schlagzeuger besteht, setzt immer wieder auf die ganz leisen Töne. Die wollen gehört werden und zum genauen Hinhören lädt dieser Abend ein, der ohne viele Menschen im Nebenraum besonders ruhig vonstatten geht.

Die Vier plaudern gern aus dem Nähkästchen und schaffen so zwischen den Stücken eine lockere Atmosphäre, die im scharfen Kontrast zur gespielten Musik steht. „Syrinx Sensation“ heißt etwa der zweite Satz der „Clazzic Suite“, die der israelische Komponist Uri Brener für das Quartett komponiert hat. Hohe Läufe der Querflöte enden schrill und abrupt, auf kleine Melodien folgen harsche Pausen, dann wieder perlen und tanzen die Töne dahin. Silvester an der Flöte und Susanna Klovsky am Klavier teilen sich die Melodie, die die Gefühle der Nymphe Syrinx in Töne fasst. Die Schöne, so heißt es in der zu Grunde liegenden griechische Sage, sei von Pan verfolgt worden. Vor Liebe wild habe er sie gepackt und sie die Götter um Hilfe angefleht. Diese interpretierten die verzweifelten, wörtlich „panischen“ Rufe auf ihre Art und Weise und verwandelten die Nymphe in ein Schilfrohr, aus dem Pan sich wiederum eine Flöte schnitzte, die erste Panflöte.

Nicht panisch, aber doch anfangs ein wenig verunsichert ist das Publikum. Jazzerprobt klatscht es manchmal in die letzten Töne hinein, lernt aber von Stück zu Stück, die besondere Fusion aus Klassik und Jazz besser einzuschätzen. Und so verklingen bald die feinen Melodien und flotten Rhythmen, ohne dass jemand kurz vor Schluss bereits applaudiert. Dafür fällt der Zwischenbeifall mit jeder Nummer begeisterter aus.

Die Band präsentiert sich vielseitig: Claude Bollings Werke lassen sie erklingen, den Höhepunkt und Hauptteil bildet jedoch die von Brener komponierte Suite, die den vier Instrumentalisten auf den Leib geschrieben wurde.

Wieso trotz solch spezieller Musik wechselnde Musiker an Bass und Schlagzeug zu finden sein können, erläutert uns Klovsky: „Wir spielen alle in mehreren Ensembles. Daher dürfen wir nicht zu sehr voneinander abhängig sein. Martina und ich sind daher immer dabei und für Bass und Schlagzeug gibt es eine Zweitbesetzung.“ Die beiden Musiker seien genau so ein fester Bestandteil ihrer Probenarbeit, denn das Repertoire sei keines, das man „einfach mal so spielen“ könne, erklärt die Pianistin. Vielmehr müsse man es „kennen und können und aufeinander eingespielt sein“.

Für Bassist Alex Bayer ist dieser Abend übrigens eine Premiere gewesen. Er hat zum ersten Mal das gesamte Programm mitgespielt, bisher habe er nur immer Auszüge auf der Bühne zum Besten geben dürfen. „Ich spiele hier in einem Stück mehr Noten, als sonst an einem ganzen Abend“, verrät er und kündigt dann Béla Bartóks Rumänische Tänze Nummer 3, 2 und 1 – ja tatsächlich in dieser Reihenfolge – als Abschluss des Abends an.

So endet ein besonderes Konzert mit besonders viel Applaus. Die einzige Kritik am Konzert? „Es gab zu wenige Zugaben.“ Vielleicht kann hier das im Frühling 2018 erscheinende erste Album des Ensembles ein wenig Trost spenden.

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