Eine Band, die keine sein will, bringt den Münzhof zum Strahlen

Lesedauer: 4 Min
Gudrun Walther strahlt sogar mit geschlossenen Augen beim Spielen: das färbt ab.
Gudrun Walther strahlt sogar mit geschlossenen Augen beim Spielen: das färbt ab. (Foto: Lena Reiner)
Schwäbische Zeitung
Lena Reiner

„Fiddles and Feet“ hat das Publikum im Münzhof Langenargen mit ihrer lebensfrohen Musik aus Irland entzückt. Zum Auftakte sorgte Grundrun Walther am Mittwochabend für verdutzte Gesichter.

„Wir sind keine Band“, erklärte sie dem Publikum zu Beginn des Konzerts, „sondern ein Projekt. Wir haben uns bei einer Workshopreihe kennen gelernt, bei der wir die Lehrer waren.“ Einmal im Jahr unterrichteten sie Musikbegeisterte auf der Burg Fürstenfeld in Nordhessen. Bei den abendlichen freien Sessions fanden sie zueinander und beschlossen, vor dem nächsten Burgaufenthalt erneut gemeinsam zu musizieren: „Fiddles and Feet“ war geboren. Die Formation setzt sich aus zwei Duos und Ehepaaren zusammen: Walther und Jürgen Treyz touren als „Cara“ durch die Welt und bilden den deutschen Part der Gruppe. Der Ire Oisin Mac Diarmada ist mit Pianistin und Tänzerin Samantha Harvey unterwegs. „Sie kommt aus Kalifornien, das ist in der Nähe von Irland“, stellte der Violinist sie grinsend vor und erklärte auf Deutsch, dass sein Englisch schlecht sei und sein Deutsch noch schrecklicher. Mit einem sympathischen Mix aus Deutsch und Englisch machte er sich verständlich.

Überhaupt lebte der Abend neben der Musik von den flotten Ansagen und kleinen Anekdoten. Mit strahlenden Augen und einer in den Saal hinein überschäumenden Lebensfreude klackern Harveys Füße im Takt, auch wenn sie gerade Klavier spielt. Dann verlässt sie die Bühne, nur um kurz darauf in Tanzschläppchen gut einen halben Meter über der Bühne zu schweben. Sprung um Sprung, Drehung um Wechsel, lässt sie das Publikum an ihrer Liebe zu den irischen Klängen und Rhythmen teilhaben. Derweil spielen die beiden Streicher oft minutenlang mit gegenseitigem Augenkontakt, das Strahlen wird von einem zum anderen in der Band weitergegeben. Angesichts der sprühenden guten Laune auf der Bühne und der Rhythmen, die direkt in den Körper eines jeden Zuhörers gehen, verwundert es nicht, dass die Zuschauer bald in den Gesamtklang miteinstimmen – es wird geklatscht, gejubelt und gestampft, natürlich immer im Takt.

„Wir haben ja sowieso Spaß hier oben“, meint Walther zum begeisterten Publikum und wirft ihre roten Haare zurück, „aber es ist natürlich noch toller, wenn wir sehen, dass es euch auch Spaß macht.“ Dann stimmt sie schwungvoll einen weiteren Reel an, ein flottes volkstümliches Lied, dessen Stil von Schottland nach Irland übernommen wurde.

Treyz Finger huschen nur so über die Saiten. „As long as you cheer we won't stop to play the reel“ (Solange ihr jubelt, werden wir nicht aufhören, Reels zu spielen), verkündet Mac Diarmada, nur um den Geigenbogen noch schneller über die Saiten zu streichen und springen zu lassen.

So endet ein Abend im Münzhof mit viel Applaus und der Hoffnung, dass die Band, die keine sein will, sich vielleicht doch noch zu einer solchen formiert, um regelmäßig gemeinsam aufzutreten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen