kur und Gerd Kurat

Ein voller Erfolg ist die 16. Auflage „Sommerjazz“ des Internationalen Konzertvereins Bodensee und Birdmusic in Langenargen gewesen. Ein Bereich mit Konzertbestuhlung direkt vor der Bühne, Stehtische und Sitzgruppen verwandelten die Schlossterrasse in eine großzügige Lounge. Im Zusammenspiel mit Bewirtung, Sonnenschein und angenehmen Temperaturen waren die Voraussetzungen mehr als prächtig. Und so fehlten mit dem Jazzpianisten Peter Vogel und dem Sänger und Percussionisten Karl Frierson nur noch die beiden Hauptakteure des Abends.

Die wurden beim ersten Set auf der seit langem ausverkauften Terrasse mit einem warmherzigen Applaus begrüßt. Bis spät in die Nacht unterhielten der klassisch ausgebildete Pianist und der charismatische Sänger mit „Soul at it’s best“ ein begeisterungsfähiges, immer wieder Zwischenapplaus spendendes Publikum.

Traumhaft träumerisch

Im Opener von Stevie Wonder, dem „Erneuerer“ der schwarzen Musik, gab das Duo mit„Isn’t she lovely“ die Richtung für den Abend vor. Frierson begann mit seiner powervollen Soulstimme, perfekt harmonisch gestützt vom Klavier, wechselte in der zweiten Strophe mühelos in die hohe Kopfstimme und ging in faszinierende Vokalismen über. Vogel begann seine Improvisation „klassisch“ zurückhaltend mit klarer Linienführung, setzte dann mit erweiterten Harmonien, flotten Skalen und raffinierter Rhythmik eigene Akzente. Nach der träumerischen Intro zu „We’re in this love together“ lebte der Song von Al Jarreau von großer Herzenswärme und stimmungsvollem fade out. Auch „Sign your name“ von Terence Trent D’Arby, wie alle Stücke des Abends vom Duo neu arrangiert, passte als ruhige Bar-Musik, mit verspielten Klavierpattern, perfekt in den lauen Sommerabend. Neben seiner ganz besonderen, eigenen Stimme, flexiblem Spiel auf Congas und Bongos zeigte der gebürtige Amerikaner, heute in Lindau lebend, auch seine Entertainer-Qualitäten. Mit seiner offenen Art fand er sofort einen Zugang zum Publikum.

Kleine Geschichten aus seinem Leben, wie das ehrfurchtsvolle Zusammentreffen mit dem Idol Al Jarreau oder seinen 50. Geburtstag im Studio mit seiner Gruppe DePhazz, auch eine kleine Kabbelei mit dem gebürtigen Lindauer Vogel, wann man zu den „Eingeborenen“ zählt, führten zu heiterer Nähe.

Ihre große Ausdrucksvielfalt bewies das erst zum zweiten Mal gemeinsam auftretende Duo mit „Get here“ von Brenda Russel. Im mitfühlenden Erzählton Friersons, von feinen Klaviergirlanden fließend umspielt, bekam die Ballade stimmungsvollen Charakter. Richtig warm gespielt hatte sich Vogel für „Sir Duke“ von Stevie Wonder. Zunächst ein runder Klavierbegleitsatz in dem Stück mit hohem Erkennungswert. Dann eine mitreißende Improvisation über einer groovenden Basslinie vom Feinsten. Neben den arrangierten Songs standen auch Eigenkompositionen von Frierson auf dem Programm. „Ten minutes“, das auf keiner Soul-Party fehlende Stück seines Debut-Soloalbums „Soulprint“, führte energetisch geladen, mit wilden Klangkaskaden, zum begeisterten Schlussapplaus.

Inzwischen war die Sonne untergegangen, der Mond aufgegangen, das Schloss Montfort romantisch beleuchtet. In diese Stimmung setzte Frierson seine überwältigende Interpretation von Gershwin’s „Summertime“ als Zugabe.

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