Ein Konzert abseits des Üblichen

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Eindringlich war das zweimalige Kirchenkonzert der Bürgerkapelle Langenargen unter Florian Keller – hier in St. Martin.
Eindringlich war das zweimalige Kirchenkonzert der Bürgerkapelle Langenargen unter Florian Keller – hier in St. Martin. (Foto: Christel Voith)

Eindringlich war das sinfonische Konzert unter dem Titel „Persecutio musica“ – Musik der Verfolgung –, das die Bürgerkapelle Langenargen am Samstagabend in der Pfarrkirche St. Martin und am Sonntagabend in der Kressbronner Kirche Maria Hilfe der Christen gegeben hat.

Mit langanhaltendem Applaus haben die Besucher in Langenargen der Bürgerkapelle und ihrem Dirigenten Florian Keller gedankt für ein Konzert abseits des Üblichen, dessen besinnliches Programm hervorragend in die Kirche und zur nahen Passionszeit passte. Denn das Leiden hat viele Gesichter, die auch in der Musik ihren Ausdruck gefunden haben.

80 Musiker

Nur ein knappes Drittel der rund 80 Musiker saßen eingangs auf der Bühne, als donnernde Trommelschläge und scharfe Trompetenstöße zusammenzucken ließen: Mit schicksalshafter Wucht drohte und klagte Aaron Coplands „Fanfare for the common man“ in Kellers Arrangement. Lange klang der Ton dieser Kriegsfanfare zu Ehren des einfachen Mannes noch nach. Nun marschierten die übrigen Musiker ein, bis auf drei Saxofonisten, die sich von der Empore aus festlich einbrachten in Anton Bruckners Choral „Ecce Sacerdos“. Glänzend strömte die majestätische Hymne auf den Christkönig in den Kirchenraum.

Ein Juwel für sich war das Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur, das der junge Richard Strauss seinem Vater Franz, dem führenden Waldhornisten seiner Zeit, widmete. Bezaubernd ist die Leichtigkeit und harmonische Klarheit, die noch unter dem Einfluss der Klassik steht. Wohl der Kapelle, die in ihren Reihen so talentierte junge Musiker hat wie den 16-jährigen Simon Breyer, der den Solopart auf dem Horn mit warmem Ton bestens meisterte und nach besinnlichem Mittelteil mit strahlenden Koloraturen zum Finale strebte, hineingenommen in eine große Aufwärtsbewegung im Tutti.

Mit großer Begeisterung wurde auch Modest Mussorgskis sinfonische Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ aufgenommen. Orgiastisch beschreibt sie das Hexentreiben in der Johannisnacht, und die Musiker hatten sichtlich ihre Freude dran, mit flatternden Klarinetten und wogendem Hin und Her von Streichern und Bläsern den wilden Hexensabbat auszumalen: die heillose Verwirrung bei der Versammlung der Hexen, die pervertierte Verherrlichung Satans wie die friedvolle Idylle samt Glockenklang, die dem satanischen Treiben ein Ende setzt. Welcher Kontrast zur folgenden „Hymn to the Fallen“ von John Williams, der berührenden Hymne an die Gefallenen aus Steven Spielbergs Antikriegsfilm „Der Soldat James Ryan“. Tiefes Leid haben auch die Armenier im Völkermord von 1915/16 erfahren. Mit seinen „Armenian Dances“ hat Alfred Reed ihre Volkstänze vereint und damit der armenischen Kultur ein Denkmal gesetzt. Idyllisch, warmherzig und feurig hat die Bürgerkapelle die Tänze erleben lassen, mit einem brillanten Feuerwerk endete das Konzert – nicht ganz, denn als Zugabe setzte Edward Elgars Adagio „Nimrod“ aus den „Enigma-Variationen“ einen innigen Schlusspunkt unter das nachhaltige Konzert.

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