Ein Herz für den Mühlenladen – und altes Brot

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Warenschau im Mühlenladen (von links): Karin Kotterba, Daniela Mix und Franz Strodel wollen ihre Kunden nachhaltig beeindrucken.
Warenschau im Mühlenladen (von links): Karin Kotterba, Daniela Mix und Franz Strodel wollen ihre Kunden nachhaltig beeindrucken. (Foto: Tanja Poimer)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

Knödel aus gerettetem Brot, Molke-Kosmetik, kompostierbare Kaffeekapseln: Der Langenargener Mühlenladen sortiert regelmäßig sein Sortiment, um Stammkunden zu behalten und neue Käufer zu gewinnen. Vor fast einem Jahr hat das Geschäft in der Bahnhofstraße aufgemacht, das davor in der Karge-Mühle untergebracht war und nach deren Schließung ebenfalls kurz vor dem Aus stand. Das Fazit des Chefs Franz Strodel lautet: „Es lief gut an, wir sind zufrieden.“

Knödelkult heißt das Konstanzer Unternehmen, das Knödel in Gläser steckt – was lecker aussieht und in verschiedenen Geschmacksrichtungen zu haben ist, wie zum Beispiel klassisch mit Speck und Zwiebeln, fleischlos mit Karotten und Curry oder süß mit Apfel und Zimt. Natürlich wollen die Macher ihr Produkt verkaufen, offenbar ist es ihnen aber auch wichtig, altes Brot zu retten, das in ausgewählten Bäckereien nicht verkauft worden ist. Ware, die zu Franz Strodel passt, der für den Mühlenladen die Rettung brachte.

Hintergrund: Die Karge-Mühle, die wegen finanzieller Probleme bereits im Sommer 2012 die hauseigene Vermahlung geschlossen hatte, machte Anfang 2017 endgültig dicht. Der Mühlenladen, der dort ebenfalls zu Hause war, sollte ursprünglich mithilfe eines Genossenschaftsmodells weiter bestehen. Doch keine Bank wollte die Startfinanzierung vorschießen. Praktisch in letzter Minute tauchte Franz Strodel auf, der den Karge-Mühlenladen mit Pferdefutter beliefert hatte und verkündete, das Geschäft zu übernehmen und an einem neuen Standort zu betreiben.

Seitdem steckt der Landwirt aus Achberg im Argental viel Arbeit in den Laden neben der kleinen Turnhalle. Vor allem die Renovierung der Räume, in denen bis 2008 ein Edeka-Supermarkt untergebracht war, hatte es in sich: „Wir haben alles selbst gemacht und von morgens bis nachts gearbeitet. Im Nachhinein frage ich mich manchmal: Wie haben wir das geschafft?“, berichtet Franz Strodel. Doch Mühlenmädel Daniela Mix ergänzt, die den Laden bereits in der Karge-Mühle am Laufen hielt, dass der Stress schnell vergessen gewesen sei – nicht zuletzt „weil so viele Leute dankbar waren und sind, dass es den Laden weiterhin gibt“.

Inhaltsstoffe hinterfragen

Ein Ziel des Teams ist es, regionale Erzeuger zu unterstützen und ihre Kunden mit nachhaltigen Produkten zu überzeugen. In der Bahnhofstraße 15 umfasst das Sortiment neben Müslis, Gewürzen oder Tierfutter nach wie vor viele verschiedene Mehltypen, und zwar auch in größeren Packungen zu zehn und 25 Kilogramm. „Bei uns werden Kunden fündig, die beispielsweise gegen Glyphosat sind oder ablehnen, dass männliche Küken geschreddert werden“, erklärt Franz Strodel. Der Verkauf laufe, auch wenn es sicher nicht einfacher werde, sollten sich Aldi Nord und Aldi Süd tatsächlich zusammentun, um günstiger einzukaufen: „Da können wir nicht mithalten.“ Seine Hoffnung: dass die Menschen bewusster werden und die Inhaltsstoffe der Produkte hinterfragen. Den großen Unterschied macht für den Mühlenladen-Chef: „Wir sind mit ganzem Herzen dabei.“

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