Ein großes Konzert in Wohnzimmeratmosphäre

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Klavierduo im Klavierhaus Bayha: Andrea Ringendahl (links) beim gemeinsamen Spiel mit ihrer Tochter Elisa.
Klavierduo im Klavierhaus Bayha: Andrea Ringendahl (links) beim gemeinsamen Spiel mit ihrer Tochter Elisa. (Foto: Christel Voith)

Zum Konzert mit Andrea und Elisa Ringendahl hat das Klavierhaus Bayha am Sonntagabend eingeladen, und nur mit Mühe haben alle, die dabei sein wollten, Platz gefunden. Der neue Ausstellungsraum, den das Klavierhaus Bayha im vergangenen Mai eröffnet hat, fordert zu Konzertabenden heraus. Über 60 Plätze hat Christoph Bayha bereitgestellt, auf Stühlen und Klavierhockern saß man in Wohnzimmeratmosphäre um die beiden Konzertflügel: „Isch halt alles e bissle kuschelig“, meinte Bayha lächelnd, „dafür erlebt man die Künstlerinnen hautnah“.

Der Raum weckt auch bei Musikern Begehrlichkeiten, denn nur selten findet ein Klavierduo die Gelegenheit, an zwei gleich hochwertigen Flügeln zu spielen. „Es kann laut werden“, warnte Andrea Ringendahl, denn sie könnten nicht „mit angezogener Handbremse“ spielen. Sie freute sich ganz besonders über die Gelegenheit, zusammen mit ihrer Tochter Elisa zu spielen. Klavierduos seien sonst meist Geschwister oder Ehepaare, ein „Mehrgenerationenmodell“ gebe es sonst nicht, dabei sei es für sie ein besonderes Geschenk, ihre Tochter, die sie schon im Tragbeutel und im Stubenwagen beim Klavierspiel dabei hatte und die unterm Klavier ihre ersten Krabbelversuche gemacht habe, jetzt als gleichwertige Kammermusikpartnerin neben sich zu haben. Viele Stunden hatten sie schon zusammen bei Bayhas üben dürfen, jetzt glänzten sie als Duo an einem und an zwei Flügeln.

Ein bezauberndes Bild war es, bei der Suite Nr. 7 op. 17 von Sergej Rachmaninow dem Spiel der vier Hände auf den zwei Steingraeber & Söhne-Flügeln zu folgen, deren Klang den Raum füllte. Den Walzer und die Romanze hatten die Spielerinnen ausgewählt, ihre Blicke begegneten sich und in beständigem Fluss wogte der Walzer in perfekter Harmonie. Weicher und wärmer war der Ton der Romanze, ein Schwelgen in Schönheit, die ruhig ausklang.

Aus Franz Liszts Reifezeit stammen die ernsten Variationen über „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ nach J.S. Bachs gleichnamiger Kantate, die Elisa Ringendahl vortrug. Tief drang sie ein in Liszts harmonische Kühnheiten, in die urwüchsige Kraft, die schicksalshafte Dramatik der Tempestuoso-Variationen, ehe das Werk feierlich mit dem Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ ausklang.

An einem Klavier spielten Mutter und Tochter nach der Pause drei Ungarische Tänze von Brahms – oft gehört, doch welcher Farbenreichtum, welches Feuer war hier zu hören! Mit Max Regers Mozart-Variationen op. 132 nach dem Thema des Andante grazioso der A-Dur Klaviersonate KV 331 setzten sie an beiden Flügeln einen spannenden Schlusspunkt: Graziös, dann eine Spur schmerzlicher, entschlossen, spukhaft und grollend waren die Variationen, heftige Kontraste prägten die Schlussfuge. Ein Abend, der nach einer Wiederkehr des Duos ruft.

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