Die leise Rückkehr eines bissfesten Baumeisters

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Eindeutig wieder sesshaft ist der bissfeste Baumeister, der an der Argen, aber auch an der Schussen eine neue Heimat gefunden ha (Foto: andy heinrich)
Schwäbische Zeitung
Andy Heinrich

Mit einer Wechselausstellung der Naturmusseen Thurgau und Olten macht das Naturschutzzentrum Eriskirch seit 27. Oktober auf einen tierischen Artgenossen aufmerksam, der in unserer Region wie auch in fast ganz Europa Mitte des 19. Jahrhunderts als ausgestorben galt und nun am See wieder sesshaft wird. Die Rede ist vom Castor fiber, dem europäischen Biber, der seit geraumer Zeit auch in Eriskirch und Langenargen gesichtet wird. Ein Tier, das ein Säugetier ist und doch wie ein Fisch im Wasser lebt und das die Landschaft verändert, wie kein anderes.

Bereits im vergangenen Jahr wurden entlang der Schussen bei Eriskirch Bissspuren an Bäumen und Sträuchern im ufernahen Bereich gesichtet. Seit dem Hochwasser Anfang diesen Sommers präsentiert der Biber seine „handwerklichen“ Fällfähigkeiten auch an der Argen. Nach Informationen des Regierungspräsidiums Tübingen wandere der bissfeste Baumeister seit 1990 über die Donau wieder in seine angestammte Reviere. Von landesweit derzeit etwa 1500 Bibern habe man 700 im Regierungsbezirk Tübingen gezählt, so auch am Bodensee und seinen Flusszuläufen.

Aus Sicht von Naturschützern und Gewässerökologen sei die Rückkehr des größten Nagetiers Europas ein Glücksfall für die Natur und Landschaft. „Biber werten die Landschaft durch ihr emsiges Schaffen ökologisch auf. Mit ihren Dämmen und Bauten gestalten die Wassernagetiere Gewässerläufe naturnah um und schaffen somit vielfältige Lebensräume für alle Arten der Gewässer und Feuchtgebiete“, erklärt der Biberschutzbeauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen, Franz Spannenkrebs. Zudem sorge Meister „Bockert“, so der Fabelname des Bibers, für einen besseren Hochwasserschutz in den Auenbereichen.

Durch die Vermehrung und fortschreitende Ansiedlung des reinen Vegetariers blieben Konflike, vor allem in der Landwirtschaft, freilich nicht aus. Durch seine Aktivitäten könnten Landwirtschaft, Fischzucht und Forst sowie Verkehrswege und Wasserbauwerke beeinträchtigt werden. Dabei entstünden die meisten Störungen innerhalb eines Abstandes von zehn Metern zum Gewässerrand. „Die effizienteste Vorbeugung vor Biberschäden und zugleich ökologisch wirksamste Maßnahme sei daher die Einhaltung des im Wasserhaushaltsgesetz vorgesehenen Zehn-Meter-Gewässerrandstreifens, der allenfalls extensiv genutzt wird“, so der Biberbeauftragte. Um Streitigkeiten zu klären und Missverständnisse aufzuklären, hat das Land bereits 2003 ein Bibermanagement aufgebaut. Wie Spannenkrebs gegenüber der Schwäbischen Zeitung erklärte, lägen die Aufgaben vornehmlich in der Beobachtung und Erfassung der Biberreviere, in der Aufklärung durch Öffentlichkeitsarbeit aber auch in der Beratung und Suche nach Lösungen bei Konflikten. „Der Biber ist zurückgekehrt. Nun gilt es ihn zu schützen, Vorurteile abzubauen und einen gemeinsame Koexistenz zu finden“, so Spannenkrebs.

Die Wechselausstellung der schweizerischen Naturmuseen Thurgau und Olten ist vom 27. Oktober 2013 bis 25. Mai 2014 im Naturschutzzentrum Eriskirch, Bahnhofstraeß 24, zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Mi, Do von 14 - 16 Uhr, Fr von 9 – 12 Uhr, So & Feiertag von 14 - 17 Uhr. Zur öffentlichen Vernissage wird am 5. November um 19 Uhr im NAZ Eriskirch eingeladen

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