Bodenseefischer: Den Fischen fehlt die Nahrung

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Norbert Knöpfler, Anita Koops, Ewald Göppinger und Kurt Müller stehen dem Württembergischen Fischereiverein vor und setzen sich (Foto: ah)
Schwäbische Zeitung
Andy Heinrich

Die Mitglieder des Württembergischen Bodenseefischervereins haben sich am Mittwoch im Hotel Schwedi zur Hauptversammlung getroffen. Mit rund 49 Millionen Fischen konnten die Fachleute um Fischereiwirtschaftsmeister Eckhard Dossow von der Fischbrutanstalt erneut den See mit reichlich Nachwuchs versorgen Norbert Knöpfler wurde einstimmig in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.

In seinen Ausführungen berichtete Knöpfler unter anderem über die seit längerem andauernde Problematik der Fischer. So habe man zwar bei Blaufelchen, Hecht und Drüschen einen leichten Ertragsanstieg verzeichnet, bei allen anderen Fischen jedoch teils erhebliche Rückgänge hinnehmen müssen. Nach Meinung der Berufsfischer liegt der Hauptgrund für das gravierende Negativergebnis im zu niedrigen Nährstoffgehalt des Bodensees. Wie Anita Koops berichtete, habe man im vergangenen Jahr in zahlreichen Gesprächen mit Vertretern aus Politik, Instituten und Behörden die Problematik angesprochen und eine entsprechende Aufklärungskampagne in punkto Phosphat gestartet. „Den Fischen fehlt einfach die Nahrung“, stellt die Fischwirtschaftsmeisterin fest. Wie Koops erklärte, könnten die Fischer, je nach natürlichen Schwankungen, 300 bis 400 Tonnen mehr Wildfang an ihre heimische Kundschaft sowie die Gastronomie liefern und somit ihre Existenz dauerhaft sichern. „Voraussetzung hierfür wäre ein Nährstoffgehalt, wie er vor zehn Jahren im See vorzufinden war“, so Koop. Habe man zwischen 1988 bis 1987 noch etwa zehn Tonnen pro Fischer und Jahr gefangen, müßte man sich in den vergangenen zwei Jahren mit gerade einmal drei Tonnen begnügen. „Viel zu wenig, um die große Nachfrage zu befriedigen“. Nach einer Schweizer Studie benötigt ein Fischereibetrieb übrigens im Jahr zwischen sechs und sieben Tonnen verkaufsfähigen Fisch, um mit seinem Betrieb überleben zu können.

Wie Eckhard Dossow, Leiter der Langenargener Fischbrutanstalt berichtete, habe man im vergangenen Jahr 26 Millionen vorgestreckte und fressfähige Gangfische, 21,8 Millionen Blaufelchen, 194 000 Seesaiblinge und 732000 Seeforellen im See (Bodensee-Obersee, Überlinger See) sowie in den Zuflüssen einsetzen können: „In 49 Einsätzen konnten wir zwischen Langenargen, Ludwigshafen und Konstanz unsere Felchen, Seesaiblinge und Seeforellen dem See zuführen. Dazu brachten wir in Zusammenarbeit mit den Fischereiaufsehern Ende April rund 26000 Glasaale bester Qualität mit einer Größe von sieben bis acht Zentimetern im baden-württembergischen Bodenseeteil ein“, so Dossow.“

Babyfische verhungern

Derzeit habe der Bodensee laut Dossow erschreckend wenig Plankton, und somit viel zu wenig Nahrung für die Baby-Fische, die eigentlich jetzt eingesetzt werden müssten. „Wir müssen warten, bis sich mehr Plankton entwickelt, sonst verhungern die Kleinen schlichtweg“, beklagte der Leiter der Langenargener Fischbrutanstalt.

Michael Behrendt, stellvertretender Leiter der Wasserschutzpolizei Friedrichshafen, appellierte an die Berufsfischer, aufgrund der immer heftiger auftretenden Wetterszenarien auf dem Wasser, Sicherheitsausrüstungen an Bord regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls zu erneuern.

Nach dem Kassenbericht durch Ewald Göppinger und der einstimmigen Entlastung der Vorstandschaft wurde diese für weitere drei Jahre wie folgt gewählt: Norbert Knöpfler (Vorsitzender), Anita Koops (Stellvertreterin), Kurt Müller (Schriftführer), Ewald Göppinger (Kassierer), Tobias Lanz, Georg Knöpfler, Martin Bösenecker, Karl-Heinz Liebsch, Sabine Gessler (Beisitzer).

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