Bodensee-Wasserversorgung hat Quagga-Muschel im Griff

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Der Leiter Qualitätssicherung und Forschung bei der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen, Roland Schick
Der Leiter Qualitätssicherung und Forschung bei der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen, Roland Schick (Foto: sig)
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Über aktuelle Herausforderungen für den Bodensee als Trinkwasserspeicher hat der Leiter der Qualitätssicherung und Forschung der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen, Roland Schick, beim Verein der Freunde des Seenforschungsinstituts in Langenargen referiert. Sein Fazit hinsichtlich der sich flächenhaft ausbreitenden Quagga-Muschel, die ursprünglich aus dem Kaspischen Meer stammt: Sie stellt derzeit keine Beeinträchtigung der Trinkwasserqualität dar und wird bei der Aufbereitung des Wassers auf dem Sipplinger Berg rückstandsfrei entfernt.

Bei der Bodensee-Wasserversorgung wurde schon vor Jahren begonnen, die Trinkwasserversorgung sicher zu machen. Sicherheitsvorkehrungen verhindern, dass die unerwünschten Eindringlinge vom Bodensee in das System eindringen. So hat Roland Schick am Beispiel einer Membrane – die wie ein Ultrafilter oder Kaffeefilter funktioniert – demonstriert, wie unerwünschte Eindringlinge im See auf dem Sipplinger Berg ausgeschlossen werden, sodass momentan kein Gefährdungspotenzial besteht. Weitere Sicherheitsvorkehrungen sind unter anderem höhere Ozonzugabe-Mengen, der Einbau zusätzlicher Wärmepumpen und die Einstellung von Mitarbeitern im Reinigungsbereich, die regelmäßige Untersuchungen intensivieren.

Der Bodensee ist auch bei niedrigem Wasserstand ein zuverlässiger Lieferant für Trinkwasser für über vier Millionen Menschen bis ins nördliche Baden-Württemberg. Trotz aller Schutzvorkehrungen können allerdings zivilisatorische Einflüsse nicht verhindert werden. So führt der Klimawandel nicht allein zu einem höheren Gesamtwasserbedarf und höheren Spitzenabgaben, sondern die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels beeinflussen auch die Qualität des Sees. Ein Beispiel ist die Quagga-Muschel, die bis in große Tiefen vordringt, mit dem Wasser auch in Wasserversorgungsanlagen eindringt und dort mit Hochdruck mechanisch entfernt wird. „Wir müssen was tun“, streifte Roland Schick den enormen – auch finanziellen – Aufwand, der für weiterhin sauberes Trinkwasser aus dem Bodensee unternommen wird und das auch wert sein sollte. Schließlich müsse nicht darüber diskutiert werden, ob Wasser oder Benzin wichtiger sei. Für die 16 Seewasserwerke seien sich wandelnde Prozesse kein unbekanntes Phänomen. Sie setzten Schutzvorkehrungen konsequent um sorgten so für sauberes Trinkwasser auch in Zukunft.

Aufgaben sollen geteilt werden

Die Bodensee-Wasserversorgung fordert von der Politik einen „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg 2050“ und vor dem Hintergrund des Klimawandels eine Aufgabenteilung zwischen den Wasserversorgern. Nur das koordinierte Zusammenwirken von Fernwasserversorgern, Wasserversorgungsverbänden und Kommunen könne auch künftig eine sichere Trinkwasserversorgung im Land garantieren.

Der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Seenforschungsinstituts und frühere Umweltminister Ulrich Müller forderte ein Reagieren auf die sich ändernden Fakten durch den Klimawandel. Im Grundsatz müsse eine ortsnahe Trinkwasserversorgung das Ziel sein, die Fernwasserversorgung sei nur ein „Notnagel“. Und: Ohne das Wasser aus den Alpen sei die Grundwasserversorgung in Baden-Württemberg nicht zu befrieden.

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