Bürgermeister Achim Krafft: „Nur schön reicht nicht“

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Schmuck, schmucker, Langenargen: Nicht nur Bürgermeister Krafft ist davon überzeugt, dass im Städtle etwas passieren muss, wenn (Foto: ah)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

„Für lau gibt es nichts“, das hat Achim Krafft in der Gemeinderatssitzung am Montagabend klar gemacht. „Aber wenn wir in diesem Bereich keine Ressourcen einsetzen, dann ist die letzte Messe für Langenargens Läden gelesen. Nur schön reicht nicht.“ Hauptadressaten der deutlichen Bürgermeister-Worte: Charlie Maier und Herbert Tomasi von der SPD, die zuvor den Beschlussvorschlag kritisiert hatten, die Laden AG als Agenda-Gruppe zu implementieren.

Ein Argument: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dadurch keine Kosten für uns entstehen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Charlie Maier. Weil jedoch für die anderen Gemeinderäte offenbar die Vorteile überwogen, entschied sich das Gremium am Ende der Diskussion für die Anbindung – konsequenterweise bei zwei Enthaltungen.

Die Belebung der Gemeinde, der Erhalt bestehender und die Ansiedlung neuer Geschäfte, das Schaffen eines Wir-Gefühls – das sind die erklärten Ziele der Laden AG, die dem Gemeinderat von den Mitgliedern Berthold Müller und Albrecht Hanser vorgestellt wurden. Um Bewegung in die Angelegenheit und in leer stehende Läden zu bringen, plant die offene Gruppe, die seit etwa einem Jahr besteht und sich aus Einzelhändlern, Freiberuflern und Bürgern zusammensetzt, unter anderem besondere Aktionen.

Ein Beispiel: Unter dem Titel „Tafelfreuden“ sollen im Herbst Gewerbetreibende, Einheimische und Gäste in der Schulstraße an einem langen Tisch gemeinsam frühstücken und die Attraktivität der Gemeinde genießen. Speis und Trank servieren die umliegenden Geschäfte und Gaststätten. Fortsetzungen an anderen Plätzen sollen folgen.

7000 x 1 = 7000 Euro am Tag

„Ein wichtiger Punkt ist, das Bewusstsein zu schärfen, zuerst in Langenargen einkaufen zu gehen“, betonte Albrecht Hanser, während Berthold Müller daran erinnerte, dass es in den 50er- und 60er-Jahren 14 Lebensmittelgeschäfte gegeben habe und der Ort heute auf dem besten Weg sei, zu einer Schlafstadt zu werden. Die einfache Rechnung der Laden AG: Wenn jeder Einwohner nur einen Euro am Tag im Städtle ausgibt, macht das in der Summe 7000 Euro täglich.

„Die Arbeit der Gruppe ist eine sehr wertvolle und gute Sache, die uns auf einem Silbertablett präsentiert wird“, lobte CDU-Fraktionsvorsitzender Ralph Seubert. Das Thema Ladensterben sei im Gemeinderat zwar nicht neu, doch gestalte es sich schwierig, vom Ratstisch aus zwischen Verkehrsproblematik und Haushaltsberatung Abhilfe zu schaffen. Joachim Zodel schloss sich der Würdigung an, betonte allerdings „Das Glas ist halbvoll, es gibt viel zu tun.“ Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler (FW) sieht eine Aufgabe der Laden AG darin, Jungunternehmer, die sich niederlassen wollen, bei den Verhandlungen mit den Vermietern zu unterstützen: „Das Problem ist die Wirtschaftlichkeit, die Mieten sind zu hoch.“

Dass die Mitglieder der Laden AG sehr gute Ideen haben, attestierte ihnen zunächst auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Charlie Maier. Allerdings sei für ihn nicht nachzuvollziehen, warum die Gruppe nicht beim Handels- und Gewerbeverein (HGV) angesiedelt sein könne, der nicht zuletzt bei der Saisoneröffnung hervorragende Arbeit geleistet habe. „Weil der HGV für alle Gewerbetreibenden da ist und wir uns auf den Einzelhandel fokussieren“, antwortete Abrecht Hanser von der Laden AG. Zum Hintergrund: Anfangs war die Gruppe im HGV organisiert, nachdem sich die Zusammenarbeit in diesem Rahmen jedoch schwierig gestaltete, trennten sich die Wege.

Der Bürgermeister zeigte dafür Verständnis und führte als Begründung die verschiedenen Zielsetzungen an: „Würde der HGV einen Bereich stärken, würde er einen anderen schwächen.“ Der Sorge des SPD-Gemeinderats Herbert Tomasi, der Handels- und Gewerbeverein könne untergraben werden, entgegnete Achim Krafft: „Verein und Gruppe können sehr erfolgreich nebeneinander stehen, ich sehe keine Konkurrenz, sondern eine große Chance.“ Und was das Finanzielle angehe, würden Entscheidungen über Zuschüsse für Großprojekten der Laden AG im Gemeinderat gefällt.

Volle Unterstützung gab es auch von Harald Thierer. Es sei ein luxuriöses Gut, wenn aus bürgerlichem Engagement heraus eine Agenda-Gruppe entstehe. Der FW-Gemeinderat: „Ich stehe hinter der Laden AG, das sind kreative Leute, die sich überlegt haben, in welcher Form sie zusammenarbeiten wollen.“

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