Über Hundert folgen der historischen Führung

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Die historische Führung durchs „Städtle“ beginnt am Museum, vorne Führer Reinhard Schick, rechts daneben Karlheinz Butscher vom
Die historische Führung durchs „Städtle“ beginnt am Museum, vorne Führer Reinhard Schick, rechts daneben Karlheinz Butscher vom Stiftungsrat der Bürgerstiftung. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Über hundert interessierte Bürger sind am Mittwochabend in Langenargen der Einladung der Bürgerstiftung zur historischen Führung durchs „Städtle“ mit Reinhard Schick gefolgt. Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Karlheinz Butscher, freute sich ebenso über die riesige Zahl wie Reinhard Schick, den er als einen der besten Kenner der Geschichte Langenargens vorstellte.

Reinhard Schick hat sich viele Jahre intensiv mit seinem Heimatort beschäftigt und er hat viel von Archivar Andreas Fuchs erfahren. Er versprach, nicht nur Geschichte, sondern auch Geschichten zu erzählen, um einen unterhaltsamen Abend zu bieten. Der Schlussapplaus zeigte, dass er sein Versprechen voll einlösen konnte. Ziel der speziellen Führung war, „drei Gesichter Langenargens“ vorzustellen: das repräsentative, herrschaftliche Gesicht der ehemaligen montfortischen Nebenresidenz, das bürgerliche Gesicht der Gemeinde rund um den Marktplatz und das ehemals kleinbürgerliche „im Winkel“.

Das herrschaftliche, repräsentative Langenargen passe eher zu einer mittleren Stadt als zu dem damals kleinen Dorf mit gerade mal 1706 Einwohnern. Vor dem Museum stehend lenkte Schick den Blick auf das prächtige Spital und die angebaute Pfarrkirche St. Martin mit dem nachträglich errichteten Kirchturm. Und er blickte zurück auf den ehemaligen Pfarrhof, der durch das Engagement von Stadtbaumeister Gehring und Eduard Hindelang vor dem Abbruch gerettet wurde, nachdem er fast das gleiche Schicksal erlitten hätte wie das auf einer Insel liegende Schloss, das von Bayern auf Abbruch verkauft wurde und lange als Ruine dastand. Wie kam es zu den Prachtbauten? Graf Anton von Montfort und seine seine Gemahlin Anna Maria von Thun hatten den Ehrgeiz, in den Reichsfürstenstand zu gelangen, doch trotz aller Anstrengungen, adligen Lebensstil zu zeigen, ist es ihnen nicht gelungen. Der Blick zurück streifte neben dem Münzhof auch das ehemalige Kloster mit Kirche, „eines der schönsten Kapuzinerklöster Deutschlands“, das 1810 aufgelöst und ebenfalls auf Abbruch verkauft wurde.

Nach einem kurzen Rückblick auf die Siedlungsgeschichte – das ursprüngliche historische Zentrum, eine Siedlung von Fischern und Bauern, lag um 700 bei der Annakapelle – ging es weiter zum Marktplatz mit dem Rathaus und alteingesessenen Hotels. Im stattlichen Rathaus gab es nicht nur eine Schankwirtschaft im Keller, sondern auch die Schule und Lagerräume. Während der „Engel“ seit 1725 im Besitz der Familie Berger und damit Langenargens ältestes Hotel in Familienbesitz sei, sei das Hotel Schiff das älteste in Langenargen überhaupt. Dass der Brand des Hotels Schiff 1909 nicht zur Großkatastrophe führte, war neben der Feuerwehr der 10 Zentimeter dicken Schneedecke zu verdanken, die genug Löschwasser zur Verfügung stellte. Die dritte Station führte zum nahen ehemaligen evangelischen Betsaal, der auch dem Schulunterricht diente.

Ins kleinbürgerliche Milieu führte die vierte Station „im Winkel“ mit den kleinen Häusern, wie es sie früher zuhauf gegeben habe. Schick erinnerte an die Wirtschaft „Germania“ und an einstige Bewohner wie den noch wenige Tage vor Kriegende erschossenen Kommunisten und den Schiffsanbinder Albert Röck, der sich einmal verspätet hatte und daher mit solchem Schwung zum Landesteg radelte, dass er schnurstracks im See landete – zum Glück sei das Ganze glimpflich ausgegangen.

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