Und ewig goschen die Albschwoba

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„Hillu's Herzdropfa“ in Kressbronn: Sehr freundlich wird Bauer Maddeis nicht empfangen, als er zu seiner Lena ins Bett kommt.
„Hillu's Herzdropfa“ in Kressbronn: Sehr freundlich wird Bauer Maddeis nicht empfangen, als er zu seiner Lena ins Bett kommt. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann goschen sie noch heute, fallen einander ins Wort und wissen alles besser: „Bischt du vo Natur aus so bleed oder nimmscht du Unterricht?“ Höchst vergnüglich ist’s, den beiden „Albschwoba“, die sich „Hillu’s Herzdropfa“ nennen, zuzuschauen und zuzuhören. Am Mittwoch und Donnerstag ist das Kabarettistenduo Hillu Stoll aus Justingen und Franz Auber aus Schmiechen „von der Alb ra“ nach Kressbronn gekommen und beide Mal war „Claudi’s Radl Stadl“ gesteckt voll und herzhaftes Lachen war garantiert.

Wie Ulrike Martin vom Kulturbüro Kressbronn berichtet, hat sie die „Herzdropfa“ im vergangenen Jahr auf Empfehlung erstmals eingeladen und gleich ein volles Haus bekommen. Dieses Jahr war der vorgesehene Termin am Donnerstag in eineinhalb Tagen ausverkauft, sodass sie gleich den Vortag mitgebucht hat, der ebenfalls voll geworden ist. Es braucht auch nur wenige Augenblicke, da weiß man, warum das Duo, das 2016 den Sebastian-Blau-Preis für Kabarett samt dem Publikumspreis gewonnen hat, mit seiner „Schwäbischen Comedy – kulturig“ so glänzend ankommt.

Umwerfender Witz

Umwerfend sind ihr Witz, ihre Schlagfertigkeit, mit der sie aufeinander eingehen: die kleine Hillu, die mit ihrer Leibesfülle kokettiert, und der größere Franz, der auch mal in Frauenkleider schlüpft und, als er aus dieser Rolle steigt, sich über das Laufen in Frauenschuhen beklagt. „G’schichte vo de Alb ra“ wollen sie erzählen, und schlüpfen dazu in immer neue Rollen samt der passenden Kostümierung. In Frack und Zylinder kommen sie zur Begrüßung. Er will ansagen, sie goscht dazwischen, will sein Mikro einstöpseln, soll freundlich dreinschauen, bis sie grantig fragt: „Wia lang mueß i so lacha? Do verscheißet mr d’Mucka d’Zäh‘!“ Dann heißt’s getreu dem Programmtitel: „Huat ab! D’Albschwoba kommet.“

Das Lied von der „Gruscht-Schublad“ zieht vorüber, ebenso die Geschichte vom Gerichtsvollzieher, der den Goißbock pfänden will, ihn aber nicht aus dem Stall kriegt. Und da sind sie in ihren Paraderollen: die resolute Bäuerin Lena mit mächtigem Stolz auf den Hof, die Viecher und den roten Massey-Ferguson-Traktor und ihr gutmütiger Maddeis. Ihr massives Problem: die „Heckascheißerle“, die Urlauber, die im Biosphärengebiet Schwäbische Alb auf dem Hof Bedienung erwarten oder gar auf dem Traktor mitfahren wollen. Da kommen sie bei Lena an die richtige Adresse... „So isch’s Leabe“ heißt’s auch, als die Fränze – da steckt der Franz drin – beim Wäscheabhängen mit der alten Otti die Nachbarinnen und ihre Männer durchhechelt, saftige Bemerkungen zum Friedhof und zum Verfallsdatum fehlen nicht: „Mir Fraue kommet alle in des Alter, wo aus Rosa Hagebutta werret.“

„Jetzt wird’s sportlich“ heißt es, als die Lena sich im Jogginganzug auf die Liege des smarten Physiotherapeuten wuchtet, der nach vergeblichen Ansätzen – „gekonnt gequält ist halb geheilt“ – heilfroh ist, als die Zeit abgelaufen ist. Die Zuschauer sind’s keineswegs, sie rufen nach Zugaben, nachdem die beiden mit einer köstlichen „Bettszene“ – er kommt besoffen heim – gute Nacht gesagt hatten.

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