Trompete und Orgel wie Blitz und Donner

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Seit 21 Jahren sind sie ein bewährtes Duo: der Solotrompeter Bernhard Kratzer und Organist Paul Theis in der Kressbronner Kirch
Seit 21 Jahren sind sie ein bewährtes Duo: der Solotrompeter Bernhard Kratzer und Organist Paul Theis in der Kressbronner Kirche. (Foto: Christel Voith)
Christel Voith

Seit Jahren sind der Trompeter Bernhard Kratzer und sein Partner Paul Theis an der Orgel im Sommer gern gehörte Gäste am See. Nach dem letztjährigen Langenargener Gastspiel auf Jubiläumstournee sind sie am Mittwochabend in der katholischen Kirche in Kressbronn zu hören gewesen.

Faszinierend ist nach wie vor das brillante, farbenreiche Spiel des Solotrompeters vom Staatsorchester Stuttgart, ebenso Spielfreude und Witz des Organisten. Auch wenn Paul Theis in seiner Begrüßung berichtete, dass beide Instrumente unter dem ungewöhnlichen Wetter zu leiden hatten, auch wenn Blitze, Donner und Martinshörner sich ins Konzert mischten und Wind von draußen durch die Kirche wehte, durften die ungefähr 50 Zuhörer in der katholischen Kirche ein künstlerisch anspruchsvolles, lebendiges Konzert erleben.

Barocken Glanz brachte eingangs die für Trompete und Orgel bearbeitete Sonate Nr. 1 F-Dur des eher unbekannten Barockkomponisten Pietro Baldassare. Reich moduliert war der langsame Mittelsatz, figurenreich ausgeschmückt der Schlusssatz, der die Tonleiter-Motive des Kopfsatzes wieder aufnahm. Im folgenden Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 von Johann Sebastian Bachs schöpfte Paul Theis die Klangvielfalt der Orgel aus. In packender Motorik, in ständigem Dahineilen eröffneten sich Schreckensvisionen, ein wütendes Grollen im Pedalsolo, zu dem die Blitze von draußen passten, ehe die Fuge sich aufhellte und brillant dahinjagte.

Ruhe nach dem Sturm

Mit der Bearbeitung der Arie „Dalla sua pace“ des Don Ottavio aus Mozarts Oper „Don Giovanni“ zog wieder Ruhe ein. Nicht die Rache stand hier im Vordergrund, sondern der Wille, Frieden zu bereiten, dem Kratzers Corno da caccia eine sanfte, weiche Stimme lieh, als blase es zugleich zur Totenruhe. Ein köstlich verspielter, zärtlicher musikalischer Spaß waren dagegen die Orgelvariationen von „Theophil Zamrot“, ein „Mélange alla Amadé“, hinter dem unschwer Mozart zu erkennen war. In witzigen Kehrtwendungen ging es von Don Giovanni über die Zauberflöte bis zur Kantate „Exsultate, jubilate“.

Farbenreich glänzte die Trompete in Telemanns Märschen aus der „Heldenmusik“: eine draufgängerische, tanzende barocke Festlichkeit, die im Marsch „Großmut“ auch ruhige Passagen mit schöner Echowirkung bereithielt. Spannend war im folgenden Orgelsolo der Gegensatz der volkstümlich heiteren frühen Stücke von Giacomo Puccini und seiner späteren ebenso geisterhaft-dämonischen wie opernhaften „Geisterjagd“.

Mit Vinzenzo Bellinis Concerto Es-Dur – ursprünglich für Oboe – feierte das Duo zuletzt in edlem Wettstreit der Instrumente Bellinis Melodienreichtum, ein sprühendes Feuerwerk zum Finale. Für den langen, begeisterten Applaus dankten Bernhard Kratzer und Paul Theis zur Zugabe mit Bachs „Badinerie“ und Bachs „Air“.

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