Traum der „Munot“ ist ausgeträumt

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Es wird keine „Munot“ in Kressbronn geben. Das Schiff, das 1935/36 auf der Bodan-Werft gebaut wurde, liegt derzeit in Holland und hätte Teil der Ausstellung auf dem Bodan-Werft-Areal werden können. Der Kressbronner Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung jedoch mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Der Grund: die immensen Kosten.

Zunächst stellte der Historiker und Bodensee-Schifffahrtsexperte Michael Berg, der für die inhaltliche Aufbereitung der Ausstellung zuständig ist, seine Ideen vor. Wie berichtet, soll die Ausstellung ihren Platz in der sogenannten Halle 1, den Montagebereichen Nord und Süd sowie im Bürogebäude finden, die im Besitz der Gemeinde Kressbronn sind. Die Halle 1 wird dabei eine Durchgangsfunktion zum Seeufer haben sowie Tag und Nacht frei zugänglich sein. Im Bereich des ehemaligen Bürogebäudes entsteht zudem ein Aussichtspavillon, in dem ehemalige Mitarbeiter der Werft in Form von Audiodateien zu Wort kommen sollen.

Insgesamt sechs Stahlstelen, die über das gesamte Gelände verteilt aufgestellt werden, werden die Besucher mit Hintergrundinformationen versorgen. Eine Art Zeitstrahl soll die Gäste zudem von der Bodanstraße zur Halle 1 führen und in Form von in den Boden eingelassenen Tafeln die Geschichte der Werft chronologisch begehbar machen. In der Halle 1 könnte ein Werftmodell einen Eindruck vom letzten Bauzustand der Werft geben, während die Besucher sozusagen auf Knopfdruck Präsentationen in Bild und Ton über die bauliche Geschichte und Entwicklung der einzelnen Gebäudeteile auf eine Leinwand projizieren können.

Hauptpunkt in der anschließenden Diskussion: Der Erwerb der „Munot“, die derzeit in Holland liegt und zum Verkauf steht. „Es gibt nicht viele Exponate, die so viele Nutzungsmöglichkeiten bieten wie die Munot“, betonte Berg. Aus seiner Sicht fülle das geplante Bistrodeck auf dem sogenannten Hellingwagen die Halle 1 bei Weitem nicht aus – zudem sei die Halle für eine Gastronomie zu zugig. Würde man das Schiff hineinstellen, könne es nach einer Renovierung nicht nur für Gastronomie, sondern auch als Kleinkunstbühne für Lesungen oder Theater genutzt oder vermietet werden.

Der Knackpunkt: die Kosten. Denn diese betragen für den Kauf des Schiffes etwa 100 000 Euro, die Rückholung per Spedition liege bei vergleichbaren Schiffen etwa zwischen 100 000 und 200 000 Euro – die Sanierung würde rund 800 000 Euro kosten, jedoch ohne, dass das Schiff anschließend fahrtüchtig sei. Die Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro würden „zu 90 Prozent bei der Gemeinde hängenbleiben“, berichtete Kämmerer Matthias Käppeler anschließend – das hätten Gespräche mit der Landessanierungsstelle des Regierungspräsidiums Tübingen ergeben.

„Das ist eine interessante Sache, aber für Kressbronn eine Nummer zu groß“, befand Karl Bentele für die CDU. Ähnlich fiel auch der Kommentar von Stefan Fehringer (BWV) aus: „Das Boot können wir so nicht mittragen – wir haben noch andere Pflichtprojekte, deshalb sollten wir uns hier aufs Wesentliche beschränken“, sagte Fehringer. Zudem wies er darauf hin, dass die Ausstellung nicht überbewertet werde, denn „wir sind keine Berliner Mauer“. Grundsätzlich solle zunächst ein Nutzungskonzept für die Halle 1 erstellt werden, bevor es um die Ausgestaltung ginge.

Zunächst bei Stiftungen anfragen

Martina Knappert-Hiese (GUBB) regte an, wegen der Kostenübernahme zunächst bei verschiedenen Stiftungen anzufragen, bevor man sich gegen das Schiff entscheide. Dem stimmten auch die Grünen zu: „Das wäre etwas sehr Attraktives für Kressbronn. Von daher wäre es einen Versuch wert und wir fänden es gut, wenn das Projekt nicht gleich aufgegeben wird“, so Silvia Queri.

„Die Frage ist doch, ob wir hier ein Freilichtmuseum haben wollen, das bis ins Detail ausgearbeitet ist, oder ob es Hinweise und Informationen zur Bodan-Werft geben soll – wir müssen da einen Rahmen setzen“, befand Dieter Senger-Frey (BWV). Und Dieter Mainberger (BWV) ergänzte: „Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden – von daher können wir uns auch Zeit lassen.“

Die Räte stimmten schließlich mit einer Gegenstimme (Britta Wagner, SPD) und den Enthaltungen von Silvia Queri, Sabine Witzigmann (beide Grüne) sowie Martina Knappert-Hiese dafür, auf den Erwerb der „Munot“ zu verzichten. Der Gestaltung des Pavillions sowie den Stehlen stimmte der Gemeinderat dagegen wie geplant zu, während die Zeitschiene auf dem Bodanplatz mit elf Gegenstimmen nicht gut ankam.

alle 1 zu zugig für Gastronomie?

Während der Bereich der Schlosserei und der Schreinerei ganzjährig bewirtet wird, soll auf dem sogenannten Hellingwagen ein Bistrodeck entstehen, welches saisonal betrieben wird. Doch hier äußerte Michael Berg Zweifel: Zum einen würde die große Halle damit nicht ausgefüllt, zum anderen sei der Ort selbst im Sommer recht zugig und nicht isoliert, weshalb er skeptisch sei, ob sich Gastronomie hier halten würde. Sein Vorschlag: Die „Munot“, ein ehemaliges Bodan-Schiff, das vor 80 Jahren auf der Bodan-Werft gebaut wurde und heute in den Niederlanden liegt, zurück an den See und in die Halle zu holen. Der Knackpunkt: Kosten in Höhe von über einer Million Euro für Kauf, Transport und Sanierung.

In der Runde kam die Idee dennoch gut an – wenn die Kostenfrage in Form von Zuschüssen und Anträgen geklärt werden könne. Doch das könne nur Aufgabe des Gemeinderats sein, waren sich die Anwesenden einig. In der Diskussionsrunde wurde zudem über Themen wie Vandalismus gesprochen, der nicht außer Acht gelassen werden dürfe – gerade, wenn die Ausstellung ständig zugänglich sei.

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