„Schwob“ macht’s Engländern nicht leicht

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 Mit schwäbischer Goschakunst begeisterte Bodasee-Schwob Frieder Hahn am Donnerstagabend in „Claudi’s Radl-Stadl“ in Kressbronn.
Mit schwäbischer Goschakunst begeisterte Bodasee-Schwob Frieder Hahn am Donnerstagabend in „Claudi’s Radl-Stadl“ in Kressbronn. (Foto: sig)
Siegfried Großkopf

Im „Radl-Stadl wird’s heit schee“, hat Frieder Hahn dem vollbesetzten „Radl-Stadl“ versprochen – und Wort gehalten. Bis auf wenige Brexit-Engländer und einige Nordlichter haben ihn alle verstanden, den „Schwob vom Bodasee“, als er am Donnerstagabend auch für Kressbronn eine Hymne parat hatte und mit seinem Akkordeon namens Uschi Glas („wege dä Falde“) den Saal mit zunehmender Dauer zum Kochen brachte.

Gar zur Kultur-Hochburg Oberschwabens hat er den Stadl erhoben und tief in die Kiste der schwäbischen „Goschakunst“ gegriffen, erst recht, nachdem er „lauter schöne Fraue“ entdeckt hat, „wo i au na gugg“. Überwältigt davon, was Frauen aus den 20 Prozent machen, nachdem der Mensch zu 80 Prozent aus Wasser besteht. Die „Perle vom Bodensee“ nannte er als Tettnanger etwas neidisch Kressbronn, um festzustellen, „in Kressbronn kasch a lebe“. Nicht zuletzt, weil “koi Woch“ vergeht, in der Kressbronn mit seinem „weit und breit schönschde Bürgermeister „net im Blättle steht“.

„Dä Bodasee-Schwob“ berichtet von Skandalen im Argental, von den vom Vater nicht akzeptierten Schwiegertöchtern in spe, bis endlich die Mutter aufklärt, vom Entstehen des Namens Mont-Fort in Tettnang, von der Definition des Wortes Erotik für Schwaben: „Meh als ma muss“, und vom Schönheitswahn „z’Lindau“. Er kennt Reaktionen beim Geschenke-Auspacken und weiß, was ein „Jeans-Management“ bedeutet: An jeder wichtigen Stelle sitzt eine Niete. Etwas missverstanden hat die Ehefrau, als sie dem Mann freudig erklärt, jetzt endgültig vom Finanzamt nichts Unangenehmes mehr erwarten zu müssen. Sie hat nämlich einen Brief von eben diesem Finanzamt herausgekramt, in dem es heißt: „Letzte Mahnung“.

„Faschd alle Weltschlager“ entstanden aus schwäbischen Liedern, weiß Frieder Hahn und berichtete vom Urlaub in Andalusien, wo ein abendlicher Strandbesuch doch noch gelungen endet und die Stadl-Besucher mit lauten „Olé-Rufen“ immerhin ein bisschen teilhaben dürfen. Das dürfen sie selbstverständlich auch lautstark bei der „Fischerin vom Bodensee“, die eigentlich „ein faules Mensch“ gewesen sei, das hinter dem Ofen gesessen und den weißen Schwan den Kahn habe ziehen lassen. Der „Hopfenbrocker-Rock“ durfte nicht fehlen, der Hinweis auf die einst in Tettnang gestiegene Geburtenrate neun Monate nach dem Brocken, das heute keiner mehr beherrsche, allenfalls noch in Kau – und das sei mau.

„Schwimme tut gut, um dä ganze Ranze rum“, erlebt er im Hallenbad, aus dem er von diversen Begleiterscheinungen berichtet, weshalb es oft gut sei, kurzsichtig zu sein, weil ab und zu eine Seekuh vor ihm schwimmt und Wellen macht und er feststellen muss, dass „dä Hergott manchmal schlampig gschafft hot“.

Wieder einmal hat dä „Schwob vom Bodasee“ sein Publikum begeistert, neue Fans gewonnen und sprachlich Neu-Schwaben weiter gebracht. Den VHS-Kurs Schwäbisch für Reigschmeckte müssen sie nicht mehr buchen.

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