Robert Schad hat in Kressbronn Schwimmen gelernt

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Der Stahlbildhauer Robert Schad hat seine Kressbronner Plastik „Valtz“ getauft.
Der Stahlbildhauer Robert Schad hat seine Kressbronner Plastik „Valtz“ getauft. (Foto: Teumer-Schwaderer)
Schwäbische Zeitung

Wer dieser Tage im Seepark spazieren geht, stößt auf eine Plastik, die der aus Ravensburg stammende Stahlbildhauer Robert Schad gefertigt hat. Schad, der heute in Frankreich unweit von Maiche lebt und arbeitet, zählt zu den international renommiertesten Vertretern der zeitgenössischen Bildhauerei, ist einer Vorschau der Kulturgemeinschaft zu entnehmen. Aufsehen erregte der vielfach preisgekrönte Künstler mit seiner über 100 Meter langen Raumplastik am Stuttgarter Landtag, mit Großplastiken an den deutschen Botschaften in Moskau und Brasilia und unlängst mit einem Kruzifixus in Fatima, etwa so hoch wie der Turm der Kressbronner Pfarrkirche.

Seine Kressbronner Plastik mit dem geheimnisvollen Namen „Valtz“ ist Teil des groß angelegten temporären Kunstprojekts „von Ort zu Ort“, dessen Schirmherr Winfried Kretschmann ist: An 40 Orten in Oberschwaben und am Bodensee, zwischen Kressbronn und Ulm, von Memmingen bis Sigmaringen, stellt Schad, über fünf Landkreise verteilt, 60 seiner Skulpturen auf, öffentlich und frei zugänglich (die Schwäbische Zeitung berichtete). Die Standorte sind sorgsam ausgewählt, meist geschichtlich und landschaftlich bedeutsam. Zu Kressbronn hat Schad, wie er der Lände-Mannschaft bei der Standortbegehung verriet, eine ganz besondere Beziehung: „In meiner Kindheit fuhren meine Eltern mit mir zum Baden nach Kressbronn – hier hat mir mein Vater das Schwimmen beigebracht“ – und so steht „Valtz“, sorgsam per Radlader durch die Parklandschaft bugsiert, als einzige Figur direkt am See, mit Blick auf die Berge.

Robert Schad begreift seine skulpturalen Gestaltungen, alle aus massivem Vierkantstahl geschaffen, als zeichnerische Bewegungen, die sich plastisch im Raum entfalten. Linien entstehen dabei nicht durch Biegen oder Verbiegen, sondern aus der Addition, Drehung und Richtungsänderung unterschiedlich langer, gerader Teile, die verschweißt werden. Durch diese Bearbeitungsweise erhält der kantige Stahl eine Dynamik, die man diesem tonnenschweren und doch federleicht erscheinenden Werkstoff nicht zuschreiben würde. Was entsteht sind Zeichen, die etwas erzählen, über sich hinausweisen, heißt es in dem Pressetext weiter.

Große Dimensionen

An große Dimensionen hat sich Robert Schad bereits in der Vergangenheit herangewagt. 2016 stellte er in der Bretagne einen 300 Kilometer langen Parcours mit 50 Werken auf die Beine. Ein Jahr später folgte ein Projekt an 20 Ausstellungsorten in Portugal und im vergangenen Jahr die grenzüberschreitende Kunstaktion mit den Städten Metz und Saarlouis. Im Mai nun startet dieses ehrgeizige Projekt in seiner oberschwäbischen Heimat – ein lang gehegter Wunsch Schads, dessen Brunnen vor Jahrzehnten nicht wenige Ravensburger auf die Barrikaden getrieben hat. „Wichtig ist mir, dass mit meinen Skulpturen der Weg zu den unterschiedlichsten Orten gefunden wird und die Orte in der Skulptur reflektiert werden. Ich möchte, dass die Leute über sich selber und ihre wunderbare Gegend nachdenken“, denn diese Region sei mehr als nur „Wiesen und Wälder, Kühe und Barock“, so Schad. Sein Anspruch: „Ich will mit meinen Arbeiten Orte schaffen, die sich in das Gedächtnis des Betrachters eingraben.“

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