Rechtliche Zweifel und Tourismusdruck: BUND lehnt Hotel-Standort ab

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Zwischen Wohnbebauung Bodan und Strandbad (rot markiert) soll ein Hotel mit mehr als 130 Zimmer entstehen. Der BUND Kressbronn i
Zwischen Wohnbebauung Bodan und Strandbad (rot markiert) soll ein Hotel mit mehr als 130 Zimmer entstehen. Der BUND Kressbronn ist überzeugt, das der Plan weder der Gemeinde noch den Bürgern etwas bringt (Foto: Archiv: ah)
Schwäbische Zeitung

Der Kressbronner Gemeinderat hat vor Kurzem im Zusammenhang mit dem geplanten Hotelneubau der Erschließungsplan Bodanstraße behandelt. Zuvor hatte die Gemeindeverwaltung beantragt, das Landschaftsschutzgebiet und den regionalen Grünzug auf dem Gelände Bodan-West aufzuheben. Der Ortsverein des BUND reagiert mit einer Pressemitteilung, in der er seinen ablehnenden Standpunkt bezüglich der Hotelanlage an dieser Stelle erläutert.

Außerdem weist der Naturschutzbund auf seine abgegebenen Stellungnahmen hin, die unter www.bund-kressbronn.de/de/stellungnahmen einzusehen sind. Von Seiten der Gemeindeverwaltung sei immer wieder der Vorwurf zu hören, der BUND verweigere sich dem Fortschritt und der wachstumsorientierten Entwicklung des Ortes. Sofern unter Entwicklung und Fortschritt mehr Beton, mehr abgeschottetes Bodenseeufer, mehr Luxusbeherbergung für zahlungskräftiges Klientel von außerhalb und noch mehr Siedlungsdruck auf das Bodenseeufer gemeint ist, stimme dieser Vorwurf in der Tat, heißt es in der Mitteilung.

„Im Falle des geplanten Hotelneubaues sind es neben Zweifeln an der korrekten, rechtlichen Vorgehensweise vor allem Überlegungen zum Siedlungs- und Tourismusdruck, die unsere ablehnende Haltung begründen. Warum muss gerade an dieser Stelle ein Hotel gebaut und deshalb mit trickreichen Manövern versucht werden, die verschiedenen ökologischen Schutzwirkungen auszuhebeln?“, fragt der BUND. Und weiter: „Ist es zu akzeptieren, dass diese Schutzwirkungen erst schleichend entwertet (durch die jahrelange, illegitime Nutzung als Gewebegebiet) und dann dem Profitinteresse Einzelner geopfert werden? Wieso wird uns immer suggeriert, dass die Interessen eines privaten Investors und die der ,gemeinen Kressbronner/-innen’ deckungsgleich sein sollen? Warum sind die lokalen und regionalen Behörden unisono der Meinung, dass für das Hotel kein alternativer Standort in Frage kommt?“

Dabei sei es andersherum, zur Freihaltung der ufernahen Fläche, deren Renaturierung und Begehbarkeit durch Kressbronner und Touristen gebe es keine Alternative. Mit immer mehr Beton am Ufer säge sich die Gemeinde den Tourismusast selbst ab, auf dem sie sich „angeblich nachhaltig“ einrichten wolle. Warum denken die Behörden nicht zuerst an die hier das ganze Jahr über Lebenden?, will der BUND wissen. Ein naturnaher Seepark, ein durchgehender Uferpfad (der im Winter über das Strandbad gen Westen verlängert werden könnte), würde dem Konzept eines nachhaltigen Tourismus entsprechen. Einheimische wie Gäste könnten in schonender Weise das Bodenseeufer genießen.

Damit wäre laut Mitteilung weder für einen Investor noch für einen Pächter das große Geld zu verdienen und die vom Kämmerer so sehnsüchtig erwarteten Gewerbesteuereinnahmen wären vielleicht etwas geringer. Dafür müsste die Gemeindeverwaltung aber nicht vorab verschiedene Infrastrukturmaßnahmen mitfinanzieren. Sie hätte später auch nicht mit den anderen, negativen Folgen, wie zum Beispiel zusätzlicher Verkehr, Müll, Lärm, zu kämpfen, sind die Umweltschützer überzeugt.

Nachhaltiger oder auch „sanfter“ Tourismus bringe Einheimische und qualitätsorientierte Touristen zusammen, ohne dass die Natur ausgemostet werden müsse. Das von der Mehrheit des Gemeinderates präferierte Modell ist nach BUND-Überzeugung eine Sackgasse und werde unterm Strich weder den Gemeindefinanzen die gewünschten Zuwächse noch den Kressbronner Bürgern spürbaren Nutzen erbringen

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