Priya Basil: „Wir sind ungewollte Erben unserer Kultur“

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Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Matthias Fredrich-Auf der Horst stellt die Autorin Priya Basil in der Lände ihren Roman "Die (Foto: Christel Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Mit der 35-jährigen Autorin Priya Basil haben Kulturgemeinschaft Kressbronn, Gemeindebücherei und Buchhandlung lesb@r am Donnerstagabend in der Lände ihre neue Lesereihe „Junge Autoren lesen“ begonnen. Schade, dass nur rund ein Dutzend Literaturfreunde den Mut fand, der englischsprachigen Autorin zu begegnen, die mit ihrem zweiten Roman „Die Logik des Herzens“ einen äußerst komplexen Roman geschrieben hat, Liebesroman, Gesellschaftsroman und Politkrimi zugleich. Romeo und Julia war früher, heute leiden junge Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft, wenn die Familien den Partner ablehnen – ein hochaktuelles Thema.

Neben der Autorin, die intensive Einblicke in ihre Themen und ihre Arbeitsweise gab, brachten gleich zwei Personen den Roman nahe: Ihr Lebensgefährte, der deutsche Journalist und Regisseur Matthias Fredrich-Auf der Horst, der aus der deutschen Übersetzung las, und Moderatorin Nike Dreyer, die beiden sehr direkte Fragen stellte und die Antworten flüssig übersetzte.

Komplex ist schon die Biografie der indischstämmigen Autorin: In London geboren, wuchs sie in Kenia auf, kehrte mit sechzehn nach London zurück, studierte in Bristol englische Literatur und arbeitete zunächst in der Werbebranche. Das Studium der Klassiker hatte sie, wie sie sagte, erst mal abgeschreckt vor eigenen Schreibversuchen. Doch sie hatte so viel zu sagen. 2007 erschien „Ishq and Mushq“, ein autobiografischer Familienroman, der sich mit der kulturellen Identität von Einwanderern auseinandersetzt. Das Aufeinandertreffen von Kulturen und Religionen ist ein Thema, das sie weiterhin beschäftigt. Matthias Fredrich-Auf der Horst ermöglichte ihr, den Job aufzugeben, mit ihm nach Berlin zu ziehen und zu schreiben – zuerst noch ganz zurückgezogen, in einer Ruhe, die sie heute, wo sie voll in die Literaturszene eingebunden ist, manchmal vermisst.

Wie sie erzählt, waren die Terroranschläge auf das World Trade Center für sie der Anlass, sich intensiver mit dem Islam zu beschäftigen, der auch eine andere, menschliche Seite habe. So verlieben sich in ihrem Buch zwei Menschen, bei denen alles gegen eine glückliche Gemeinschaft spricht: Lina aus Birmingham ist Muslimin, für ihren Vater Scharif ist Allahs Wort unumstößliches Gesetz. Der liberale Architekturstudent Anil aus Kenia ist Sikh. Beide Familien lehnen die Partner ab – ganz wie es Priya Basil und ihr deutscher Lebensgefährte selbst erlebten.

Zur Zerrissenheit zwischen Liebe und Familie kommt im Buch die Entdeckung, dass Anils Vater an Waffenhandel beteiligt ist, der Südsudankonflikt, traumatische Erlebnisse in einem Flüchtlingslager erschüttern. In einer anderen Ebene reflektieren Briefe aus den 60er Jahren als eine Art poetisches Echo das Geschehen. Insgesamt ein bewegender Roman, mit großem Einfühlungsvermögen und brillanter Sprachkraft geschrieben. Die Recherchen dazu haben die Autorin und ihren Partner zu politischem Engagement, zur Gründung der Initiative „Authors for peace“ geführt.

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