Orgel und Trompete: Farbenfrohes Erntedankkonzert

Lesedauer: 4 Min

Drei Freunde harmonieren im Konzert: von links Daniel Bucher, Florian Keller und Patrick Brugger.
Drei Freunde harmonieren im Konzert: von links Daniel Bucher, Florian Keller und Patrick Brugger. (Foto: hv)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Gleich zweimal ist am Samstagabend in Kressbronn das Erntedankfest musikalisch gefeiert worden: Noch strömten die letzten Musiker des Musikvereins von der Empore herunter, die zum Erntedankgottesdienst aufgespielt hatten, noch standen die Besucher an der Kirchentüre zum gemütlichen Schwätzchen beisammen, da haben oben bereits die nächsten Musiker ihre Instrumente gestimmt. Denn nach der Messe haben Florian Keller und Daniel Bucher mit Trompeten und Flügelhörnern sowie Patrick Brugger an der Orgel zum festlichen Konzert eingeladen.

Trotz des vorhergehenden Auftritts des Musikvereins hat auch das Trio mehr als 100 Zuhörer gefunden. Schon seit einigen Jahren konzertieren die Musiker aus Friedrichshafen und Langenargen, die gemeinsam an der Musikhochschule in Stuttgart studiert haben, miteinander und stellen dafür immer wieder neue Programme zusammen. Spannend war auch diesmal wieder der weitgespannte Bogen vom Barock über die Romantik bis ins 20. Jahrhundert.

Aufeinander eingeschworen

Mit ihren Konzerten von Laimnau über Langenargen, Kressbronn und Oberteuringen bis nach Salem haben die drei sich in der Region einen so guten Namen erspielt, dass sie getrost auch weniger bekannte Musikstücke anbieten können, so auch jetzt bei zwei Konzerten an diesem Wochenende in Kressbronn und Salem. Festliche Barockmusik eröffnete das Konzert in harmonischem Wettstreit der beiden Trompeten im Dialog mit der Orgel, doch war Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini aus Bologna ein eher unbekannter Komponist, dem Patrick Brugger mit der Toccata und Fuge d-Moll BWV 656 von J.S. Bach ein umso bekannteres Stück folgen ließ. Ohne Gehetztheit brachte er in raschem Fluss immer neue Schattierungen der Orgel hervor.

Als aufeinander eingeschworenes Trio erwiesen sich die Musiker in Händels Feuerwerkmusik-Suite in D-Dur HWV 351. Plastisch malten die Trompeten in der Ouvertüre ein funkelndes Feuerwerk aus, luftig leicht klang die Bourrée auf der Orgel. Mit dem warmen Klang von Flügelhörnern ließen die Bläser den Frieden im Satz „La Paix“ erleben, ehe in der Kirche St. Maria wieder die hellen Trompeten nach graziösem Menuett im Verein mit der Orgel die strahlende Festfreude, die Réjouissance“, verkündeten.

Gewaltig führte die Orgel mit Théodore Dubois ins Paradies und zum reichen Farbenspiel des „Fiat Lux“. Beruhigung brachte das fein dosierte Spiel in Telemanns Concerto für zwei Corni die Caccia, wie eine Aufforderung zu fröhlicher Jagd tönte das dreifache Vivace. Ein Stück zum Träumen war der bekannte „Evensong“, das Abendgebet von Easthope Martin, an der Orgel. Dann ein Sprung in eine modernere Klangwelt – kaum zu glauben, dass auch Sir Frederic Hymen Cowens vitales Concerto für zwei Trompeten und Orgel schon mehr als hundert Jahre zurückliegt. Hier war der Weg zu Blues und Jazz dann auch nicht mehr weit.

Händels strahlender „Einzug der Königin von Saba“ war der Dank der drei Musiker für den herzlichen Applaus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen