Oft fehlt es schon allein an Reis

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Theresa und Esmeraldo Palma haben oft kaum Geld für Gemüse und pflücken deshalb essbare Pflanzen.
Theresa und Esmeraldo Palma haben oft kaum Geld für Gemüse und pflücken deshalb essbare Pflanzen. (Foto: Emma Meschenmoser)

Seit mehr als 25 Jahren helfen Aurora und Reinhold Kugel aus Kressbronn mit ihrem KTEP-Projekt auf den Philippinen, wo der Großteil der Menschen in großer Armut lebt. Die Schwäbische Zeitung stellt heute drei betroffene Familien vor, die Emma Meschenmoser besucht hat. Sie ist derzeit in Toril, um tatkräftig das Projekt von Aurora und Reinhold Kugel, das außerdem Teil der SZ-Weihnachtsspendenaktion ist, zu unterstützen – und hat zusammengetragen, woran es den Menschen vor allem fehlt.

Die Familien leben auf einem Grundstück, auf dem die Lebenssituation sehr eng ist und das der Bank gehört. Sie müssen zwar nichts dafür bezahlen, aber sie haben keine Absicherung, dort für immer leben zu können. Der Boden besteht nur aus Erde. In der Nacht vor Emma Meschenmosers Besuch hat es heftig geregnet, sodass alles sehr matschig und rutschig ist. Die drei Familien teilen sich mit anderen Bewohnern einen Wasserbrunnen, an dem sie sich waschen können. Dabei handelt es sich aber nicht um Trinkwasser, es ist ausschließlich Wasser zum Waschen. „Erst letzte Woche hat ein Sponsor aus Deutschland Reis gespendet, den wir vor Ort dann an Bedürftige verteilt haben. Die Menschen sind sehr dankbar für jede Hilfe und Spende“, schreibt Emma Meschenmoser – und weiter: „Jede Familie, die ich nach ihren dringendsten Bedürfnissen gefragt habe, hat mit Essen beziehungsweise Reis und einer Reparatur an ihrem Haus geantwortet. Über weitere Bedürfnisse haben sie gar nicht geredet, da diese am wichtigsten sind.“

Theresa B. Palma (60 Jahre alt) und Esmeraldo L. Palma (52 Jahre alt) sind seit 2011 verheiratet. Am Wochenende füttert Theresa Tiere von einem Bauernhof und bekommt pro Tag dafür 100 Pesos (rund 1,70 Euro). Unter der Woche kümmert sie sich um Kühe. Sie bekommt dafür jedoch kein Geld, sondern das erste Baby von der Kuh geschenkt. Es ist aber unklar, wann und ob die Kuh Nachwuchs bekommt. Ihr Mann Esmeraldo hat eine körperliche Behinderung und kann nur noch mit Krücken mühsam laufen. Trotz seiner Behinderung repariert er Uhren. Leider hat er nicht jeden Tag Kunden und somit kein geregeltes Einkommen. Wenn das Ehepaar kein Geld für Essen hat, verkauft es eines seiner Hühner. Oft essen sie nur eine Art Korn, weil Reis teuer ist. Gemüse suchen sie sich aus der Umgebung und pflücken die Blätter von essbaren Pflanzen – für Fleisch ist grundsätzlich nicht genug Geld da. Bei Regen können sie nicht schlafen, da das Dach, das aus Plastiktüten, Wellblechen und Holz besteht, undicht ist. Als Wände wurden alle möglichen Gegenstände zusammengebunden. „Unvorstellbar, dass man dort leben und schlafen kann“, schreibt Emma Meschenmoser. Das Ehepaar lebt sehr arm, kann sich weder Essen noch Medikamente oder einen Arztbesuch leisten – „und trotzdem haben sie mich mit einem Lächeln empfangen“, schreibt Emma Meschenmoser.

„Das Haus war schockierend“

Cristy Q. Palma (40 Jahre alt) und Vicente L. Palma (44 Jahre alt) haben zwei Kinder. Vicente hat seit seiner Geburt nur eine Hand. Er arbeitet in einer Gärtnerei und verdient 150 Pesos (2,50 Euro) am Tag. Vicente muss täglich eine Stunde hin und zurück zur Arbeit laufen, da sich die Familie kein Transportmittel leisten kann. Cristy arbeitet nicht, sondern kümmert sich um Kinder und Haushalt. Tochter Bea geht zur Grundschule, ihr Sohn kommt bald in den Kindergarten. Pro Tag haben sie ein Kilogramm Reis für vier Personen zur Verfügung. Sie müssen Reis kaufen, weil die Kinder von dem günstigeren Korn Bauchschmerzen bekommen. „Es war sehr schockierend, ihr Haus zu sehen. Sie schlafen auf dem Holzboden ohne Matratze oder Decke. Das Haus ist unglaublich klein für vier Personen und hat auch keine Stühle oder Sitzmöglichkeiten. Bei Regen ist das Dach undicht und nicht sicher“, berichtet Emma Meschenmoser.

Das Ehepaar Gloria L. Palma (70 Jahre alt) und Esmeraldo L. Palma (77 Jahre alt) hat neun Kinder, zwei davon sind gestorben. Sie haben eigene Familien und sind selbst sehr arm. Manchmal können sie ihre Eltern unterstützen, aber sie haben selbst kaum Geld. Die Mutter ist beruflich Näherin und repariert alte Kleidung. Sie arbeitet nicht jeden Tag, da sie nur wenige Kunden hat – dadurch schwankt ihr Einkommen sehr stark. Esmeraldo hatte einen Tumor in der Nähe der Wirbelsäule, der vor 30 Jahren entfernt wurde, doch seitdem ist er querschnittsgelähmt. Früher hatte er einen Rollstuhl, der aber nicht mehr zu gebrauchen ist. Seit fünf Jahren liegt er und kann sein Haus nicht mehr verlassen. Seine Frau ist zu schwach, um ihn zu tragen. Früher war Esmeraldo Bauarbeiter. Manchmal hat er auch Schmerzen, aber sie können sich keinen Arztbesuch oder Medizin leisten. Immer wieder müssen sie hungrig ins Bett gehen, weil sie nicht genug zum Essen haben. Es schmerzt sie zu sehen, dass ihre Kinder auch so arm leben – sie konnten ihnen keine Bildung ermöglichen. „Bei diesem Part wurde die Frau sehr emotional und traurig. Man hat gemerkt, dass sie schon viel durchleben musste und ein sehr hartes Leben hat – doch Gott sei immer an ihrer Seite, sagen sie“, schreibt Emma Meschenmoser.

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