Offene Baustellen, aber keine Arbeiter

Lesedauer: 4 Min

Ein Flickenteppich: Die Telekom reißt die Gehwege auf, macht sie nachher aber nur notdürftig wieder zu.
Ein Flickenteppich: Die Telekom reißt die Gehwege auf, macht sie nachher aber nur notdürftig wieder zu. (Foto: Archiv: Philipp Richter)

Aufgerissene Gehwege sind in Kressbronn derzeit keine Ausnahme – Grund ist der sogenannte Vectoringausbau der Telekom. Da auf vielen dieser kleinen Baustellen jedoch Stillstand herrscht, beschäftigte sich am Mittwochabend auch der Technische Ausschuss mit dem Thema. Der Tenor: Die Gemeinderäte baten Bürgermeister Daniel Enzensperger, in der Sache aufs Tempo zu drücken – dabei ist dieser selbst persönlich betroffen.

„Ich kann Ihnen ein Lied davon singen, denn direkt vor meiner Garage ist seit Wochen der Boden aufgerissen“, sagte der Bürgermeister und ergänzte: „Das ist wirklich unmöglich.“ Zuvor hatte Stefan Fehringer seinem Ärger Luft gemacht, weil auf den zahlreichen kleineren Baustellen im Gemeindegebiet zum größten Teil Stillstand herrsche. Grundsätzlich habe er für die Maßnahme Verständnis, nicht aber für die stockenden Arbeiten. „Müssen wir das alles dulden?“, fragte er in Richtung Verwaltungsbank. Rückenwind erhielt er von Hermann Wieland, der ergänzte: „Die machen das auch recht schlampig wieder zu – unser Ortsbild wird negativer dadurch.“

Es sehe furchtbar aus, befand auch Bürgermeister Enzensperger und versprach, Oliver Schieber vom Tiefbauamt die besagten Stellen kontrollieren zu lassen, sobald die Telekom durch sei. Ärgerlich sei, dass es keine Absprachen gebe und die Telekom einfach dort aufreiße, wo es nötig sei. Dadurch komme es dazu, dass an einigen Stellen der Belag doppelt aufgebaggert würde – und dass das Endergebnis nicht wie gewünscht aussehe.

Allerdings wies der Bürgermeister auch darauf hin, dass es gerade „im Baubereich gewisse Toleranzgrenzen“ gebe, was die Optik betreffe. So dürfe auch beispielsweise nur der halbe Gehweg für die Arbeiten aufgerissen werden, was anschließend für das optische Bild nicht von Vorteil sei. „Wir sind da leider machtlos.“ Von der Pressestelle der Telekom war auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung keine Stellungnahme zu bekommen.

Hintergrund der vielen Baustellen ist der sogenannte Vectoringausbau, wofür die Telekom auf dem Gemeindegebiet insgesamt 16 neue Verteilerkästen baut, die dann jeweils an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Von diesen Verteilerkästen werden die Hausanschlüsse weiterhin in Kupfertechnik versorgt, aber mit deutlich höheren Übertragungsraten. Die Geschwindigkeit ist abhängig von der Entfernung zum nächstliegenden Verteilerschrank.

Da die Telekom über ein ausgedehntes Netz aus Leerrohren verfügt, müssen nicht überall die Straßen aufgegraben werden. Die Glasfaserleitungen werden in die Leerrohre eingezogen, sodass nur am neuen Verteilerschrank eine Montagegrube ausgehoben werden muss, um den Schrank anzuschließen. So gut wie abgeschlossen seien die Arbeiten in der Argen-, Zehntscheuer-, Heidachstraße und in Gattnau. In Kürze werde noch eine Zuleitung nach Berg gebaut sowie im Auenweg in Gohren. Die neue Technik soll bis Oktober in Betrieb gehen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen