Mit Saiten und Pfeifen vom Barock in die klassische Moderne

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Ein exquisites Zusammenspiel von Jung und Junggeblieben: von links Jonathan Hiese, Bruno Müller-Oerlinghausen und Manoel Reineck
Ein exquisites Zusammenspiel von Jung und Junggeblieben: von links Jonathan Hiese, Bruno Müller-Oerlinghausen und Manoel Reinecke. (Foto: hv)
hv und Helmut Voith

Unter dem Titel „Mit Saiten und Pfeifen“ haben am Sonntagabend Jonathan Hiese an der Orgel, sein Bremer Mitstudent Manoel Reinecke an der Violine und Bruno Müller-Oerlinghausen an der Querflöte ein exquisites Programm geboten, eine schöne Alternative zur Kombination von Bläsern und Orgel, die landauf, landab weitaus häufiger zu hören ist. Leider haben die Zuhörer die Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen längst nicht gefüllt.

Seine Wurzel hatte das Konzert in der Hausmusik im Hause Müller-Oerlinghausen. „Wir freuen uns, dass wir heute hier zu Gast sein dürfen“, begrüßte der Kressbronner Organist Jonathan Hiese, derzeit Kantor in der Bremer Evangelischen Kirche und Masterstudent für historische Kirchenmusik in Bremen, das Publikum. Es sei ihr erstes gemeinsames Konzert als Trio. Spannend auch, weil der in Berlin und Kressbronn lebende Bruno Müller-Oerlinghausen als emeritierter Medizinprofessor und leidenschaftlicher Musiker mit viel Lebenserfahrung mit zwei jungen, noch studierenden Musikern spielt, die voll Tatendrang und Experimentierfreude zeigen, wie fruchtbar das Zusammenspiel der Generationen sein kann.

Ebenso spannend war die Struktur des Konzerts, das mit Musik aus drei Jahrhunderten kontrastreich vom Barock in die klassische Moderne bis Jehain Alain und Jacques Ibert führte. Eingerahmt von zwei Trios bildeten je zwei Soli einen Rahmen um das Duo für Flöte und Orgel in der Mitte. Dieses Duo, eine Elegie von Franz Lachner aus dem Freundeskreis um Schubert, im Herbst geschrieben, tauchte mit leiser Melancholie in eine zum Barock gegensätzliche Welt. Für den Barock standen zwei Soli von Johann Sebastian Bach. Majestätisch ließ Hiese an der Orgel das Praeludium in G BWV 541 in den Raum strömen, eine passende Hinführung zur berühmten Ciaconna aus der Partita in d-Moll BWV 1004 für Violine solo, deren atemberaubende Dynamik und Tragik Manoel Reinecke in nie nachlassendem Fluss erleben ließ.

Im Kontrast dazu führte Jonathan Hiese auf der ihm bis dahin nicht bekannten Orgel in die heiter-friedliche, entrückte Traumwelt des „Jardin suspendu“ von Jehain Alain. Fast schon zeitgenössische Musik war die melodische „Pièce“ des Franzosen Jacques Ibert, ein Stück, mit dem Müller-Oerlinghausen auf seiner Flöte souverän seine langjährige Erfahrung erleben ließ. Am Ende stand in lebhaftem und harmonischem Miteinander die Trio-Sonate in B-Dur von Johann Christian Bach, dem „Mailänder Bach“.

Damit war der Kreis geschlossen, den die Musiker mit Carl Philipp Emanuel Bach, dem ältesten Sohn von J.S. Bach, eröffnet hatten, der nach dem Tod seines Vaters der Bach schlechthin war, eine absolute Hochbegabung. Mit 17 Jahren hat er die Trio-Sonate in d-Moll komponiert in seinem galant expressiven Stil, der ihn deutlich von dem seines Vaters unterscheidet und der von seinem Landesherrn Friedrich dem Großen keineswegs kritiklos hingenommen wurde.

Deutlich wurde an dem Abend, dass es den drei Musikern um die Interpretation, um das Nachspüren des Willens des Komponisten und um das Hervorheben der musikalischen Besonderheit ging.

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