Jeder hat seine eigene Wahrheit

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„Es gibt so viele Wahrheiten“: Die Patienten der „Mixed Pickles“ proben für den Ernstfall. Am Freitag feiert die Theatergruppe m
„Es gibt so viele Wahrheiten“: Die Patienten der „Mixed Pickles“ proben für den Ernstfall. Am Freitag feiert die Theatergruppe mit dem Stück „Einer flog übers Kuckucksnest“ Premiere. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

Mit ansteckender Spielfreude und voll Power haben die „Mixed Pickles“ das Leben in einer Irrenanstalt, wie Dale Wasserman es darstellt, schonungslos offengelegt. Was die Laienspielgruppe der Kulturgemeinschaft Kressbronn vor der Premiere am kommenden Freitag bei einer Technikprobe auf die Bühne der beliebten Aula der Nonnenbachschule in Kressbronn bringt, lässt aufhorchen.

Vor Jahren war „Einer flog über das Kuckucksnest“ ein Kultfilm und ein besonderes Theaterstück. Ulrich Khuon, heute einer der wichtigsten Theaterleute der Bundesrepublik, hat es als junger Dramaturg am Theater Konstanz so intensiv inszeniert, dass man die Bilder heute noch vor Augen hat. Vor zehn Jahren gastierte das Amateurtheater „Phoenix on stage“ unter der Regie von Ute Dittmar damit in Kressbronn in der Nonnenbachschule – das war für die „Mixed Pickles“ der Grund, dass sie die gelernte Regisseurin auch für sich haben wollten.

Und seit Jahren waren sie begierig darauf, dieses Stück selbst zu spielen. Doch Ute Dittmar bremste zunächst, sie wollte erst Abstand gewinnen zu ihrer damaligen Inszenierung, zu den Bildern im Kopf, wollte neue Ideen einfließen lassen. Jetzt hat die Regisseurin die Umsetzung gewagt und sie ist ihr in vollem Umfang gelungen.

Überrascht beobachtet man zu Beginn, wie die Spieler noch im Raum verteilt bei Kaffee und Hörnchen sitzen. Als wäre man zu früh gekommen, ist man als Publikum mittendrin im Frühstücksraum, ehe die „Patienten“ der „Mixed Pickles“ aufbrechen zur Gruppentherapie auf der Bühne. Links und rechts der Bühne stehen zwei „Chronische“ apathisch im Abseits. Auf der Bühne erleben wir die „Akuten“ mit ihren sehr gut beobachteten diversen Macken. Gerade dass jeder anders ist, eine andere Weltsicht hat, hat Ute Dittmar an dem Stück interessiert: „Es gibt so viele Wahrheiten, jeder hat seine eigene Wahrheit.“

Kaum stehen die Stühle für die Gruppentherapie, bringt der Neuzugang Randle P. McMurphy Action ins Geschehen. Er wird die „Hack-Party“, er wird den Laden gehörig aufmischen, wie alle wissen, die den Film kennen. Theater ist noch direkter – schnell ist der Zuschauer mittendrin.

Letzte Feinheiten

Regisseurin Ute Dittmar ist mit dem flüssigen Spiel ihrer Truppe schon recht zufrieden, sie lässt die Szene durchlaufen, macht kaum eine kurze Bemerkung während des Probenbesuchs der Schwäbischen Zeitung. Am liebsten würde man bis zum Ende bleiben, aber noch sollen alle ungestört arbeiten, an letzten Feinheiten feilen können, dann ist wieder ein eindrucksvolles Theatererlebnis garantiert.

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