Jede Minute zählt: Die „First Responder“ in Kressbronn leisten besonders schnell erste Hilfe

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 Jens Wartenberg leitet nicht nur die „First Responder“ in Kressbronn sondern ist auch 1. Vorsitzender des Ortsverbandes.
Jens Wartenberg leitet nicht nur die „First Responder“ in Kressbronn sondern ist auch 1. Vorsitzender des Ortsverbandes. (Foto: Vivien Götz)
Vivien Götz

Ehrenamtliche Helfer bleiben meistens im Hintergrund. Deshalb stellt die „Schwäbische Zeitung“ derzeit immer wieder Menschen vor, die sich in Kressbronn für die Allgemeinheit engagieren. Jens Wartenberg ist erster Vorsitzender der DRK-Ortsgruppe in Kressbronn. Für den achten Teil dieser Serie hat er mit der SZ über die Leitung der „First Responder“ gesprochen.

Kressbronn liegt im Osten des Bodenseekreises, auf der Landkarte ein bisschen eingeklemmt zwischen der Bayrischen Grenze und dem Ufer des Bodensees. „Wir befinden uns hier in einer Randlage“, berichtete Jens Wartenberg.

Ich glaube, Helfen war einfach schon immer mein Ding.

Jens Wartenberg

Weil diese Randlage die Wege von Rettungskräften länger macht, wurden die „First Responder“ 2001 gegründet. Jens Wartenberg und seine Kollegen werden immer dann alarmiert, wenn die Leitstelle feststellt, dass sie schneller vor Ort sein können, als die regulären Rettungskräfte.

Seit der Gründung dabei

Wartenberg ist schon seit 1998 Mitglied in der Kressbronner Ortsgruppe des DRK. Der 41-Jährige ist in Kressbronn geboren und kam über seine Arbeit bei der Berufsfeuerwehr zum Rettungsdienst. Bei den „First Respondern“ ist er seit deren Gründung dabei.

„Ich glaube, Helfen war einfach schon immer mein Ding“, sagt Wartenberg, der bei der Berufsfeuerwehr in München arbeitet. Durch das Schichtsystem ist er neun bis elf Tage pro Monat in München im Dienst, die restliche Zeit lebt er in Kressbronn.

Den Bereitschaftsdienst für die „First Responder“ teilen sich aktuell zwölf DRK-Mitglieder untereinander auf. Weil die Arbeit ehrenamtlich ist und alle Helfer nebenher Beruf, Alltag und Familie koordinieren müssen, sind sie nicht jeden Tag im Dienst. „Wir schaffen es, so 70 Prozent aller Tage im Jahr abzudecken. Vor allem unter der Woche haben in der Regel halt nur die Zeit, die Schicht arbeiten“, so Wartenberg.

Unser Einsatzgebiet reicht bis nach Langenargen und umfasst insgesamt 16.400 Einwohner auf 35 Quadratkilometern.

Jens Wartenberg

Wer in Bereitschaft ist, hat das Einsatzfahrzeug bei sich zu Hause stehen. Über die Länge der Schichten dürfen die Ehrenamtlichen selbst entscheiden, hier gibt es keinerlei Vorgaben. Wenn man für eine Schicht eingeteilt sei, müsse man in der Regel auch ausrücken – in Kressbronn sei schon ziemlich viel los, sagt Wartenberg.

2018 waren die „First Responder“ 444-mal im Einsatz. „Unser Einsatzgebiet reicht bis nach Langenargen und umfasst insgesamt 16.400 Einwohner auf 35 Quadratkilometern.“ Hinzu kämen ein großer Campingplatz, ein Yachthafen mit mehr als 1000 Liegeplätzen, eine Bahnstrecke und die Bundesstraße. „Da kommt einfach viele Faktoren zusammen“, stellt der 41-Jährige fest.

Perfekt ausgestattet

Deshalb müssen die „First Responder“ für alle Eventualitäten gerüstet sein. „Über unsere Ausstattung können wir uns aber echt nicht beklagen“, sagt Wartenberg. Erst vor zwei Jahren hat der Ortsverband für die „First Responder“ einen neuen SUV als Einsatzfahrzeug angeschafft. Das Auto verfügt nicht nur über ein modernes Funk- und Navigationssystem, sondern auch über eine große medizinische Notfallausrüstung, inklusive Defibrillator, einer Tasche für Kinder-Notfälle und einem Beatmungsgerät mit Sauerstofflasche.

Ich glaube, es ist enorm wichtig, dass jemand kommt, der den Personen am Einsatzort das Gefühl vermitteln kann, jetzt ist jemand da, der für ihr Problem eine Lösung finden kann.

Jens Wartenberg

Für die „First Responder“ sind die ersten fünf bis 15 Minuten am Einsatzort die entscheidenden. Solange dauert es in der Regel, bis die Verstärkung eintrifft. In dieser Zeit können sie nicht nur qualifizierte erste Hilfe leisten, sondern auch den anrückenden Rettungsdiensten Informationen zur Situation vor Ort liefern.

Gelassenheit und Nervenstärke sind für diese Arbeit unabdingbar: „Ich glaube, es ist enorm wichtig, dass jemand kommt, der den Personen am Einsatzort das Gefühl vermitteln kann, jetzt ist jemand da, der für ihr Problem eine Lösung finden kann“, sagt Jens Wartenberg.

Dafür braucht es Erfahrung. Die Ehrenamtlichen in Wartenbergs Team waren deshalb alle schon mehrere Jahre als Sanitäter unterwegs, bevor sie Teil der „First Responder“ wurden. An den Bereitschaftsdienst werden Neulinge langsam herangeführt: „Am Anfang schicken wir die Leute erst mal als dritten Helfer mit, dann in den regulären Zweierteams und bis jemand dann eine Schicht ganz alleine übernehmen kann, dauert das schon ein paar Jahre“, erläutert Jens Wartenberg.

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