Ernst Bernhard hat die Gemeinde mitgeprägt

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Ernst Bernhard ( )
Ernst Bernhard ( ) (Foto: privat)
Siegfried Großkopf

Mit einer Gedenkminute hat der Kressbronner Gemeinderat am Mittwochabend dem am 9. März im Alter von 85 Jahren verstorbenen Ernst Bernhard gedacht, der in der Gemeinde außergewöhnlich engagiert war und sich vielfache Verdienste erworben hat. Bürgermeister Daniel Enzensperger würdigte den Kressbronner Träger der goldenen Ehrennadel und des Bundesverdienstkreuzes als prägenden Mitbürger, dessen Tod einen schweren Verlust für die Gemeinde bedeute.

Bernhard war Landwirt, Ortsobmann seiner Berufskollegen, stellvertretender Kreisobmann, Gründungsmitglied und erster stellvertretender Vorsitzender des Maschinenrings, Beirat im Hopfenpflanzer- verband und im Erzeugerbeirat der WLZ, Aufsichtsratsmitglied der Volksbank, Musiker, Jäger, Josefs-Bruder und Gemeinderat. Am 9. März verstarb er im Alter von 85 Jahren in Friedrichshafen.

Ernst Bernhard wurde am 21. Februar 1934 in Hemigkofen geboren. Er wuchs in Kressbronn auf dem elterlichen Hof in der Berger Straße auf und wurde Landwirt. 1967 übernahm er den elterlichen Hof. Mit seiner Frau, der Kressbronnerin Irmgard Kugel, bekam er zwei Kinder, Hubert und Diana hervor. Hubert Bernhard übernahm im Jahr 1997 den Hof seines Vaters.

Neben seiner Familie war es Bernhard wichtig, auch etwas für das Gemeinwesen zu leisten. Er kandidierte 1980 für den Gemeinderat auf der Liste der CDU und wurde gewählt. Es folgte eine dreimalige Wiederwahl, bis er 1999 aus dem Gremium ausschied. Im selben Jahr erhielt er für seine 20-jährige Tätigkeit im Rat die silberne Ehrennadel des Gemeindetages Baden-Württemberg.

Als Gemeinderat war Ernst Bernhard stets ein Vorkämpfer für die Landwirtschaft. Bei landwirtschaftlichen Themen war er der ausgewiesene Experte und bei Diskussionen immer sachlich, nie emotional oder verletzend. Geradlinigkeit war ihm wichtig, er hat das Fähnchen nicht nach dem Wind gedreht. Trotz seiner zahlreichen Ämter und Funktionen hat er so gut wie nie in Gemeinderatssitzungen gefehlt. Insgesamt prägten Stil und Format sein Auftreten im Gremium.

Landwirt aus Leidenschaft

Neben seiner Tätigkeit im Gemeinderat war Ernst Bernhard vor allem für die Landwirtschaft ehrenamtlich aktiv. In der Nachfolge seines Vaters wurde er 1975 Ortsobmann des Kressbronner Ortsbauernverbandes. 24 Jahre lang bekleidete er dieses Amt bis zu seinem Ausscheiden 1999. Unter seinem Mitwirken kam es 1976 zur Gründung des Maschinen- und Betriebshilferings Tettnang, in dessen Beirat er ab 1979 in der Vorstandschaft und von 1988 bis 1998 als erster stellvertretender Vorsitzender wirkte. Auch im Beirat des Hopfenpflanzerverbands Tettnang war Ernst Bernhard von 1974 bis 1999 vertreten. Obmann des Brennereiverbands im Altkreis Tettnang war er von 1977 bis 1980, stellvertretender Bezirksvorsitzender im Obst- und Kleinbrenner-Verband Südwürttemberg-Hohenzollern von 1980 bis 2004. Für die Kressbronner Landwirtschaft ist aber auch die Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wichtig. Deshalb engagierte sich Ernst Bernhard ab 1978 im Erzeugerbeirat des Obstgroßmarktes WLZ Raiffeisen AG (heute BayWa). 1979 wurde er stellvertretender Vorsitzender und übernahm ab 1984 den Vorsitz. Damit verbunden war er lange Jahre Mitglied im Gesamtbeirat der WLZ Raiffeisen AG in Stuttgart. Auch die Gründung des Landfrauenverbandes Kressbronn geht mit auf die Initiative von Ernst Bernhard zurück. Schließlich vertrat er von 1977 bis 2004 die Landwirtschaft als Mitglied des Aufsichtsrates der Volksbank Tettnang.

Eng verbunden mit der Landwirtschaft war auch Bernhards Tätigkeit als Jäger. Im Jahr 1962 machte er den Jagdschein und setzte sich in den vier Jahrzehnten für die Belange der Jägerschaft ein. Er war Jagdpächter, stellvertretender Vorsitzender der Jagdgesellschaft sowie im Kreisjägerverband und im Jagdbeirat engagiert.

Die Landwirtschaft war die Berufung von Ernst Bernhard. Seine Leidenschaft hingegen galt der Musik. Lernte er einst Saxophon, ist er als Schlagzeuger – vor allem an der großen Trommel – dem Musikverein Kressbronn 51 Jahre lang treu geblieben. Mit Bruder Helmut Bernhard verband ihn eine tiefe musikalische Verbindung. Beide hatten Seite an Seite Jahrzehnte lang zusammen Musik gemacht – nicht nur im Musikverein. Unterhielten die Bernhard-Brüder anfangs noch mit der sogenannten „Kapelle-Bernhard“ die Kressbronner, gelang ihnen mit den Kressbronner Dorfmusikanten von 1964 bis 1980 der Durchbruch.

Für sein unermüdliches ehrenamtliches Engagement, insbesondere im Gemeinderat, und für seine Verdienste um die Landwirtschaft verlieh die Gemeinde Ernst Bernhard 2001 die goldene Ehrennadel.

Im Jahr 2008 erfolgte als Steigerung und unter Würdigung seiner Leistungen über die Gemeinde Kressbronn hinaus, die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, kurz, das Bundesverdienstkreuz.

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