Enzensperger will die Jugend miteinbeziehen

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Ein großer Wunsch der Jugendlichen: Sie wünschen sich W-Lan in öffentlichen Bereichen und im Jugendraum.
Ein großer Wunsch der Jugendlichen: Sie wünschen sich W-Lan in öffentlichen Bereichen und im Jugendraum. (Foto: Hauke-Christian Dittrich/DPA)
Siegfried Großkopf

Der Gemeinderat hat sich am Mittwochabend viel Zeit genommen, sich mit den umfangreichen Wünschen und Anregungen in einer von der Gemeinde initiierten Podiumsdiskussion neunter Klassen in der Parkschule (BZP) auseinanderzusetzen. Hintergrund der Diskussion ist ein aktueller Zusatz in der Gemeindeordnung (GO) von Baden-Württemberg zur neu geregelten Kinder- und Jugendbeteiligung.

Bürgermeister Daniel Enzensperger appellierte im Hinblick auch auf Kritik an dem „Wunschkatalog“. Es mache Sinn, die Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen und sie einzubeziehen. Das gehe nicht von heute auf morgen und sei oft ein langwieriger Prozess. Kressbronn sei gleichwohl auf einem guten Weg und stelle dafür einen Sozialarbeiter ein.

W-Lan, Lagerfeuerplatz und Tischkicker

Die Verbesserungsvorschläge der neunten Klassen des BZP für Kressbronn reichen von mehr Spiel- und Fußballplätzen, einem größeren Bike-Park, mehr Klimaanlagen für öffentliche Gebäude, einem Jugendraum mit freiem W-Lan, über Fastfood-Ketten bis hin zu besserer Straßenbeleuchtung. Außerdem sollte die Skateanlage länger beleuchtet werden. Der Wunsch nach mehr Jugendpartys kam ebenso auf, wie der nach einem größeren DRK-Heim und ganz allgemein nach Plätzen für Jugendliche, „wo man sich treffen kann“. Außerdem auf der Wunschliste: mehr Geschäfte im Ort, kostenfreies W-Lan, ein Lagerfeuerplatz am See, eine beheizbare Hütte, einen Getränke- und Snackautomaten am Bahnhof, öffentliche Toiletten, einen Bus, der öfter nach Lindau und zurück fährt, mehr Fahrradwege und eine Straßenbahn. Im Jugendhaus sollte es einen Raum zum Chillen mit Tischkicker geben, einen Billardtisch und eine Dartscheibe, eine Leseecke, ein „Kino“ für Filmabend und Möglichkeit, draußen Tischtennis, Fußball und Basketball zu spielen.

Auch für die Schule gibt’s Änderungswünsche

Umfangreich sind auch die Wünsche für das Bildungszentrum Parkschule. Sie reichen von abschließbaren Fächern in den Klassenzimmern über Whiteboards statt normaler Tafeln, Getränke- und Snackautomaten, über Medienwagen in den Klassenzimmern, bequemeren und schöneren Stühlen, renovierten, wärmeren Klassenzimmern im Winter bis zu sauberen Toiletten, mehr Material im Technikraum und „neuen Regalen, die nicht auseinanderfallen“. Eine größere Mensa mit mindestens doppelt so vielen Plätzen, mehr Laptops und mehr Steckdosen sind gefragt. Überhaupt eine bessere technische Ausstattung. Bäcker sollten auch belegte Brötchen verkaufen und „nicht nur trockene Sachen“. „Stinkende Teppiche“ sollten aus den Zimmern genommen und das Handyverbot aufgehoben werden.

Andreas Wenzler erinnerte in der Diskussion an das beschlossene pädagogische Raumkonzept und die ersten Entwürfe, die man dem Architekten übergeben hat. Gemeinderat Hermann Wieland (CDU) nannte die Erhebung mit den Kindern und Jugendlichen gut, bemerkte, dass die nicht alle aus Kressbronn sind, und vermisst eine ähnliche Befragung von Auszubildenden. Karin Wiech, im Rathaus für Kommunikation und Bürgerbeteiligung zuständig, will die Zielgruppe an Bürgerbeteiligung heranführen. Geplant ist ein Workshop mit interessierten Jugendlichen. Bis zum 19. März sollten sich Interessierte bei ihr melden.

Gemeinderäte sind von der Beteiligung überzeugt

Silvia Queri (BWV) sprach von einer reinen Wunschabfrage ohne Auftrag an die Politik. Sie wünscht sich fundierte Erhebungen und ein Hinterfragen der Wünsche. Die Jugendlichen müssten argumentieren lernen und von einer Fachkraft „eingefangen“ werden. Karl Bentele (CDU)nannte die Beteiligung an der Befragung einen Gewinn. Der Prozess, für den man jetzt den Startschuss gegeben habe, beginne erst. Realistisch sei, die Rahmenbedingungen für eine Beteiligung zu schaffen. Stefan Fehringer (BWV) sprach von einer Bring- und Holschuld und begrüße es, wenn sich die Kinder und Jugendlichen zu ihren Themen einbringen. Sich auf den Weg zur Jugendbeteiligung zu machen fordert Britta Wagner (SPD) und Klaus Steinhauser (BWV) sieht die Gemeinde diesbezüglich auf einem guten Weg. Der Dialog mit den Jugendlichen sollte unbedingt fortgesetzt werden.

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