Elmar Kuhn nimmt seine Gäste mit ins Kloster

Lesedauer: 4 Min

 Kenner der oberschwäbischen Geschichte: Elmar L. Kuhn.
Kenner der oberschwäbischen Geschichte: Elmar L. Kuhn. (Foto: hv)
Helmut Voith

Rappelvoll ist der Vortragsraum in der Tenne des Hofguts Milz am Freitagabend gewesen, als Elmar L. Kuhn, gebürtiger Kressbronner, viele Jahre Leiter des Kreiskulturamts und einer der führenden Köpfe der Gesellschaft Oberschwaben, über Kloster Langnau und den Paulinerorden sprach. Eingeladen hatten der Verein zur Erhaltung der Hofanlage Milz und die katholische Erwachsenenbildung der Seelsorgeeinheit Argental.

Die vielen Gäste zeigten, dass sich Elmar Kuhn einen Namen als profunder Kenner der Geschichte Oberschwabens gemacht hat. Der aus einer Vereinigung von Eremiten in Ungarn entstandene Paulinerorden beschäftigt ihn schon seit Jahren. Im Jahrbuch 20 (2003) des Bodenseekreises „Leben am See“ hat er einen ausführlichen Beitrag über den Orden veröffentlicht, er war auch maßgeblich beteiligt an der 1999 geschlossenen Partnerschaft des Bodenseekreises mit dem polnischen Landkreis Tschenstochau, der heutigen Ordenszentrale der Pauliner, in der das Gnadenbild der Schwarzen Madonna verehrt wird.

Es mutet heute wie eine Kuriosität an, aber eigentlich war Tettnang schon Universitätsstadt, als Konstanz oder gar Friedrichshafen davon noch nicht einmal träumen konnten. Im Kloster Langnau, einem im Verhältnis zu den Benediktinern oder anderen großen Orden kleinen Kloster mit bis zu 20 Mönchen unterrichteten ein bis zwei Professoren Studenten, die hier in sieben Jahren Theologie studierten. Die Bücherei umfasste 2000 bis 3000 Bände, wie man aus Inventarlisten anlässlich der Aufhebung weiß. Unter Joseph II., dem Sohn Maria Theresias, erfolgte 1786 die Aufhebung der kontemplativen Orden – ein herber Verlust für die oberschwäbische Welt.

Nur Reste sind übrig

Elmar Kuhn skizzierte die Geschichte des Ordens, der seine Ursprünge auf einen heiligen Paulus von Theben (angeblich 230-343) zurückführte und sich als ältester Orden bezeichnete, aber erst im 12./13. Jahrhundert gegründet wurde. Die meisten Niederlassungen hatte er in Ungarn, Kroatien und Istrien und orientierte sich später besonders in der Wissenschaft an den Jesuiten. Die Montforter waren den Paulinern wohlgesonnen, sie hatten in der Klosterkirche in Oberlangnau ihre Grablege, bis sie nach dem Abriss der Kirche in die Arnoldskapelle in Hiltensweiler verlegt wurde. Nach der Aufhebung des Klosters wurde das Gebäude samt Klosterkirche abgerissen, nur wenige Reste sind übriggeblieben.

Keine Nachwuchsprobleme

Seit einigen Jahren gibt es wieder Pauliner in Deutschland, mit Schwerpunkt in St. Märgen im Hochschwarzwald. Wie Elmar Kuhn am Freitagabend sagte, hat der Orden im Gegensatz zu anderen keine Nachwuchsprobleme.

Im Anschluss an den dichten Vortrag wurde Elmar Kuhn mit einer Reihe von Fragen konfrontiert, die er souverän beantwortete. Petra Sachs-Gleich, Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Hofanlage Milz und Kuhns frühere Mitarbeiterin im Kreiskulturamt, konnte sich wieder freuen über den so gut besuchten Abend und die großartige Unterstützung des Hof-Milz-Projekts.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen