„Die Welt dreht sich viel schneller als wir“

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 Ein herzliches Dankeschön vom Vorsitzenden der Bürgerstiftung Kressbronn, Karl Hornstein, gibt es an Mark Kugel.
Ein herzliches Dankeschön vom Vorsitzenden der Bürgerstiftung Kressbronn, Karl Hornstein, gibt es an Mark Kugel. (Foto: sig)
sig und Siegfried Großkopf

Ins Schwarze getroffen hat die Bürgerstiftung Kressbronn, als sie Mark Kugel zu ihrem traditionellen Vortrag im November eingeladen hat. Der in Kressbronn aufgewachsene Startup-Gründer, der mit seinen 29 Jahren zu den führenden Speakern und Experten für Innovation, Agilität und Digitalisierung in Deutschland zählt, begeisterte am Dienstagabend die Zuhörer in der Kressbronner Festhalle, als er zum Thema „Mut schlägt Bequemlichkeit“ referierte und bedauerte, in Deutschland zu lange auf alte Industrien gesetzt zu haben: „Die Welt dreht sich viel schneller als wir.“

„Viel los“ ist in der Arbeitswelt, in der in den nächsten 20 Jahren fast die Hälfte der heutigen Berufe verschwinden und (hoffentlich) durch neue ersetzt werden. Mark Kugel nannte Beispiele, in denen selbst renommierte Experten in ihren Bereichen nicht mehr gefragt sind. Selbst Fachleute für Magnetspeichertechnologie, die inzwischen von anderen Speichern ersetzt werden.

Der junge Startup-Gründer, der zuletzt die digitale Transformation der MTU Friedrichshafen vorangetrieben hat und heute mit drei Mitgründern der Firma Yri in Meckenbeuren Forschungsmöglichkeiten im Zustand der Schwerelosigkeit vermitteln und den Markt für ganz neue Industrien entwickeln will, schaute auf „nackte Tatsachen“ in der Arbeitswelt. Dass Berufe kommen und gehen habe es immer schon gegeben. Allein die Geschwindigkeit der Entwicklung sei heute eine andere.

Der Unterschied zwischen Silicon Valley und Kressbronn ist die Geisteshaltung der Menschen dort und hier. In den USA gründeten viele Studenten Firmen. In Kressbronn wie in Deutschland insgesamt gebe es tolle Firmen, die aber vor 100 Jahren oder früher gegründet wurden. Und auf die habe man zu lange gesetzt. „Wir Deutsche sind Weltmeister im Sandburg verwalten“, bedauerte Kugel. Hier habe man viel zu lange am Alten festgehalten. Mit der Folge, dass „Angreifer“ gekommen sind und Marktführer wurden. Und zwar deshalb, weil die vom Endergebnis her denken.

Kugel nannte als gelungenes Beispiel die Firma Lilium in Oberpfaffenhofen mit ihrer Version von Flugtaxis. Zu den Investoren gehört der chinesische Internetkonzern Tencent, der die Chancen erkannt hat.

In Weßling bei München soll eine zweite Fabrik mit bis zu 500 neuen Stellen gebaut werden. Dort sollen ab 2025 mehrere Hundert vollelektrische, senkrecht startende Jets im Jahr produziert werden. Momentan hat Lilium 350 Mitarbeiter. Zum Spott sagte er: „Das Auto wurde auch belächelt“.

„Nur die erste Halbzeit verloren“

Kugel empfiehlt, zu handeln, solange es uns noch gut geht, den Mut zu haben und den Sprung zu wagen, bevor alle Eventualitäten abgeklärt sind. Den Angestellten gibt er an die Hand: „Ich bin nicht mein Beruf, ich bin meine Fähigkeiten.“ In diesem Zusammenhang lobt er seine frühere Firma MTU, die 100 Ingenieure zurück an die Uni schickt, um ihre Fähigkeiten anzupassen.

„Wir haben nur die erste Halbzeit verloren – aber es gibt noch eine zweite“, machte der Referent Mut, die Zukunft anzunehmen, die bei den meisten Themen eine coole zu werden verspricht. Aufhalten lasse sie sich ohnehin nicht.

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