Die Lände zeigt „Drei vom See“

Lesedauer: 5 Min
Eine Ausstellung im Werden: Bilder von Lui Schaugg lehnen zum Sichten an der Wand.
Eine Ausstellung im Werden: Bilder von Lui Schaugg lehnen zum Sichten an der Wand. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Wieder lehnen neue Bilder an den Wänden der Lände und wollen geordnet, aufgehängt sein. Mit der Ausstellung „Drei vom See“, die am Sonntag, 14. Juli, eröffnet wird, sollen in der Sommerausstellung drei Künstler in den Fokus gerückt werden, die für Kressbronn und die Seeregion eine wichtige Rolle spielen.

Peter Keller, der seit den Anfängen der Kulturgemeinschaft Kressbronn und der Lände der Kenner der heimischen Kunstszene schlechthin ist, wirkt diesmal wie elektrisiert. Hat er doch durch den jahrzehntelangen Umgang immer wieder Feinheiten entdeckt, die bislang noch kaum wahrgenommen worden waren. Beispielsweise die Bildschüttungen bei Lui Schaugg. Durch den besonderen Farbauftrag habe er sich damit ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das unbedingt Beachtung verdiene.

Lui Schaugg, der gebürtige Kressbronner, der seit Jahrzehnten im benachbarten Nonnenhorn lebt, feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag – Grund, ihm das ganze Erdgeschoss einzuräumen. Dicht an dicht lehnen die Bilder in vorläufiger Anordnung an den Wänden. „Da müssen noch einige großformatige Bilder weichen“, kommentiert Peter Keller bedauernd. Das Obergeschoss teilen sich die Lände-„Urgesteine“ Werner Kreuzhage (1904 bis 1989), der sich 1956 in Nonnenhorn ein Haus mit Atelier gebaut hatte, und Otto Valentien (1897 bis 1987), der ab 1957 in Thumen bei Lindau lebte, aber wegen der Künstlerfreundschaft mit Hilde Broër viel in Kressbronn war. Sein Künstlernachlass liegt in der Lände: „Ohne Probleme könnte ich aus den Arbeiten eine eigene Ausstellung zu Valentiens Weg in die Abstraktion machen“, sagt Keller. Ihm war wichtig, in der Ausstellung zu den Anfängen der Künstler zurückzugehen und aufzuzeigen, wie sie nach dem Krieg ihren Weg suchten und schrittweise zu einer neuen Bildfindung gelangten. Prozesshaftes Vorgehen und der Mut zum Experiment sei den bereits verstorbenen Künstlern gemeinsam.

Zurück zu Lui Schaugg: Auch er habe bis zu den späten Bildschüttungen viele Wege durchschritten. Die jüngste Arbeit in der Ausstellung datiert von 2010, die beiden ältesten in Öl auf Holz beziehungsweise Holzfaser stammen von 1956, darunter ein faszinierendes Jugendporträt seiner Frau Marlis, das ganz an die Neue Sachlichkeit erinnert. Lui Schaugg, über Jahrzehnte Kunstlehrer am Tettnanger Montfort-Gymnasium, hat viele junge Menschen für die Kunst empfänglich gemacht. Man erinnert sich an seine Liebe zur Kaltnadelradierung, an erste Ausstellungen in der Galerie Holbein in Lindau. Wenn Lui Schaugg Landschaften oder Stillleben malte und immer weiter reduzierte, dann ging es um die Darstellung seelischer Befindlichkeiten: „Landschaft, das ist eine Bewusstseinskategorie. Sie findet eigentlich im Kopf statt...“, sagte sein Bruder Gerhard Schaugg in einer Eröffnungsrede. Bei Lui konnte man sehen lernen, bekam eine Ahnung davon, was eigentlich hinter Bildern steckt, was sie zum Kunstwerk macht. In seinem Haus pflegte Lui Schaugg den Kontakt zu anderen Künstlern, sein Sohn Christoph ist selbst Künstler geworden und hat zudem der Familie wegen einen Brotberuf ergriffen. Alle Kinder zusammen haben für den Vater zum Achtzigsten einen Katalog erstellt. „Ein Blick zurück“ lautet auch der Untertitel der Ausstellung. Erinnerungen an die SOB – Sezession Oberschwaben – schwingen mit und wieder einmal versteht man, warum die Lände in Kressbronn schon vor Jahrzehnten weit über die Region hinausstrahlte. Das Feuer ist nie erloschen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen