„Das war ein richtiger Urwald“

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 Das SZ-Logo „Helfen macht Freude“ am großen Brunnenprojekt aus der vergangenen SZ-Weihnachtsaktion ist gerade fertig bemalt wor
Das SZ-Logo „Helfen macht Freude“ am großen Brunnenprojekt aus der vergangenen SZ-Weihnachtsaktion ist gerade fertig bemalt worden. (Foto: Kugel)

Menschen langfristig helfen, sich selbst eine Lebensgrundlage aufzubauen – das ist die Grundlage des Kressbronn-Toril-Education-Programms (KTEP) auf den Philippinen, für das sich Aurora und Reinhold Kugel seit rund 25 Jahren in jeder freien Minute einsetzen. So sind in den vielen Jahren unter anderem zwei Kindergärten, rund 250 Brunnen für die Trinkwasserversorgung, eine Zahnarztpraxis und Gemüsegärten zur Selbstversorgung entstanden. Von den Spenden der vergangenen SZ-Weihnachtsaktion hat das Kressbronner Ehepaar ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück mitfinanziert.

„Für mich ist das keine richtige Arbeit, ich mache das sehr gerne“, sagt Aurora Kugel und ihre Augen leuchten. Sie meint damit nicht nur den täglichen Kontakt über Skype zu ihrem zwölfköpfigen Kernteam in Toril, sondern auch den für März geplanten Urlaub in ihrer Heimat. Sechs Wochen wird sie vor Ort sein und weniger Urlaub im herkömmlichen Sinn machen, sondern helfen, wo es nur geht. Auch Ehemann Reinhold kommt mit und verbindet wie so oft eine Geschäftsreise mit einem Besuch auf den Philippinen.

Dank der zahlreichen Spenden aus der vergangenen SZ-Weihnachtsaktion konnte das Kressbronner Ehepaar nicht nur einzelne Familien in Form von Hüttenreparaturen und Reis unterstützen, sondern auch den Kauf eines 4000 Quadratmeter großen Grundstücks samt Wasserversorgung mitfinanzieren. „Das war ein richtiger Urwald“, erinnert sich Reinhold Kugel. Inzwischen wurde auf dem Gelände das Unterholz ausgemistet, eine Mauer rundherum errichtet und eine Hütte für einen Vater mit neun Kindern gebaut. „Sie passen jetzt auf das Gelände auf“, berichtet Aurora Kugel und ergänzt: „Wir wollen das Grundstück in viele kleine Parzellen aufteilen. Diese können dann von den Einheimischen gepachtet, gekauft sowie bewohnt oder landwirtschaftlich genutzt werden.“

„Wir geben Sicherheit“

Ziel soll sein, den Menschen in Toril eine nachhaltige Lösung auch für spätere Generationen anzubieten, damit sie ihr Geld sinnvoll anlegen können. Durch die vielen Jahre, die es das Projekt nun schon gibt, haben die Philippinos inzwischen Vertrauen in das Ehepaar Kugel und sein Team: „Wir geben Sicherheit und garantieren, dass die Spenden bei den Richtigen ankommen – außerdem wollen wir unsere guten Leute behalten, die für uns arbeiten“, sagt Aurora Kugel. So sind fünf Parzellen mit Hütten für Projektmitarbeiter vorgesehen, die mithilfe ihres Lohns abgezahlt werden.

Das Problem des neuen Grundstücks: „Es gibt dort keinen Strom und auch kein Wasser, zudem liegt das Gelände an einem Hang“, fasst Reinhold Kugel zusammen, weshalb die diesjährigen Spenden für die Erschließung des Grundstücks vorgesehen sind. Um das Gelände überhaupt landwirtschaftlich nutzen zu können, wurde in den vergangenen Wochen und Monaten ein großer Brunnen außerhalb des Grundstücks errichtet, der erst seit wenigen Tagen in Betrieb ist. „Das war durch die schwierige Lage ein Riesenaufwand, weil das Wasser viel tiefer als sonst war“, so Reinhold Kugel. Ohne Bagger, Kran und nur mit Schaufel und anderen Handgeräten dauerte alles viel länger – umso größer war schließlich die Freude, als das Wasser endlich floss. „Der Brunnen steht extra außerhalb der Mauer, sodass auch andere Menschen aus der Umgebung die Möglichkeit haben, ihn zu nutzen“, erläutert Aurora Kugel.

Ein zweiter Teil der hoffentlich zahlreichen Spenden ist wieder für einzelne Familien vorgesehen, deren Bedingungen besonders schwierig sind und deren Kinder nicht arbeiten, sondern zur Schule gehen: Oft leben große Familien auf sehr engem Raum ohne Privatsphäre, nicht selten gibt es sexuelle Übergriffe auf Mädchen. Zudem sind die Hütten häufig in einem desolaten Zustand: „Auf den Philippinen ist es anders - da leben die Ärmsten am Strand, weil dort die Gefahr am größten ist“, sagt Aurora Kugel. Durch das Klima seien oft Dächer undicht oder der Boden herausgebrochen. Zustände, die für Europäer nur schwer vorstellbar sind - denn so dringen Ratten und anderes Ungeziefer ins Innere ein oder die Bewohner müssen im Schlamm auf dem nassen Boden sitzen. „Mit den Spenden wollen wir die Hütten reparieren und Trennwände aufstellen - denn um die Kosten für die Reparatur sonst aufbringen zu können, müssten die Kinder arbeiten gehen.“

Dank der Schule bessere Jobs

Es ist auf den Philippinen eine jahrelange Tradition, dass die Kinder möglichst schnell Geld verdienen und damit ihre Familien unterstützen. Die Schulabsolventen dagegen würden grundsätzlich später heiraten und auch später Kinder bekommen – meist dann, wenn sie fest im Leben stehen. „Im Umkreis spricht sich herum, dass es dank der Schule bessere Jobs gibt“, erläutert Reinhold Kugel. So gehen derzeit rund 300 Jugendliche dank des KTEP-Projekts zur Schule.

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